Simon Forcher aus St. Pankraz hat seine Schafe seit 2 Jahren auf die Flatschbergalm gebracht. „Es war bisher die einzige Alm im Ultental mit wenigen Wolfsproblemen“, blickt er zurück. „Wir waren deshalb zuversichtlich, dass es auch heuer nicht zu Zwischenfällen kommen wird.“<BR /><BR />Ein Grund für den Optimismus war auch, dass die Schafe dort weit über der Waldgrenze weiden und sich Wölfe nicht gerne ohne Deckung bewegen. Die Sorge begann allerdings, als die Wolfsrisse zwischen Drei Seen und Kuppelwieser Alm begannen. Forcher hat gehört, dass dort über 60 Risse gemeldet wurden, einige Schafe sind vermisst.<h3> Nächtlicher Angriff</h3>Bis zum vergangenen Donnerstag wurden die 22 Schafe von Simon Forcher und einer weiteren Hobbyhalterin für den Abtrieb zur oberen Alm (ca. 2100 Meter) gebracht. Diese liegt in der Nähe der Waldgrenze. Am Freitag hätten die Schafe zur unteren Alm getrieben und dann verladen und in den Stall gebracht werden sollen. Doch dazu kam es für viele von ihnen nicht mehr: In der Nacht auf Freitag schlugen ein oder mehrere Wölfe zu.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="811775_image" /></div> <BR />Der Hirte fand die Schafe über ein riesiges Gebiet bis auf 2500 Meter versprengt. 2 Schafe waren verendet, 2 so schwer verletzt, dass sie von ihrem Leiden erlöst werden mussten. Bei 4 Schafen stellte der Tierarzt fest, dass sich Notoperationen rentieren würden, weil die Tiere recht gute Überlebenschancen hätten. Die 3 leichtverletzten Schafe wurden vor Ort verarztet.<BR /><BR />„11 von 22 Schafen angegriffen – das ist schon brutal. Mir tut es so weh, die verletzten und verängstigen Tiere zu sehen. Ich bin ein Hobbyhalter. Jedes Schaf hat bei uns einen Namen“, sagt Forcher.<BR /><BR /> Besonders erschüttert ihn, dass viele Schafe gehetzt wurden und Bissspuren an Körperstellen aufweisen, die nie zu einer Tötung geführt hätten. „Es wurde nur ein Schaf gefressen“, betont der St. Pankrazer.<BR />3 seiner Schafe sind tot. „Ein Schaf war unsere Marie, die Kinder haben sie mit der Flasche aufgezogen. Sie lief wie ein Hund mit uns mit. Sie hat noch gelebt, als sie gefunden wurde.“<h3> Herdenschutz? Hier nicht möglich</h3>Für Simon Forcher und seine Familie war das alles zu viel. Er hat seine Schafe der befreundeten Hobbyhalterin verkauft. „Ich kann es nicht verantworten, die Schafe auf die Alm zu tun, um dann den Kindern erklären zu müssen, was passiert ist. Ich hätte keine ruhige Minute mehr, weil ich das Gefühl hätte, ich liefere die Schafe dem Wolf aus“, erklärt er seine Entscheidung.<BR /><BR />Herdenschutz kann sich Forcher in dieser Gegend nicht vorstellen. „Man kann sich wegen 8 Schafen nicht 2 Schutzhunde richten“, meint er. Zudem würden die Hunde eine Gefahr für Wanderer bedeuten und Touristen abschrecken. Er bedauert, dass es für Kleintierzüchter keine Möglichkeit gibt, ihr Gebiet vor dem Wolf zu verteidigen. „Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, wenn wir dem Wolf alles überlassen“, meint er. „Ich bin Jäger und Fischer und für Biodiversität. Aber der Vorteil eines Wolfes in unserm Gebiet hat mich nie überzeugt.“<BR />