Samstag, 25. Juli 2020

Das Urteil gegen den Erpresser von Spatzen-Chef Norbert Rier

Das grafologische Gutachten spricht eine deutliche Sprache: Gerhard Korn (55) war der Schreiber des Erpresserbriefes an Spatzen-Chef Norbert Rier. In erster Instanz freigesprochen, wurde Korn nun am Oberlandesgericht wegen Erpressung zu einem Jahr und 4 Monaten bedingter Haft verurteilt.

In zweiter Instanz wurde der Erpresser des Spatzen-Chefs nun verurteilt.
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In zweiter Instanz wurde der Erpresser des Spatzen-Chefs nun verurteilt.
Er solle über 700.000 Euro in eine Sporttasche packen und diese in ein Hotel nach Meran bringen, sonst passiere was. Diese Aufforderung erhielt Norbert Rier, Chef der Kastelruther Spatzen, im Jahr 2014 anonym per Post. Statt das Geld im Hotel lieferte der Spatzen-Chef das Erpresser-Schreiben bei seinem Anwalt ab, der wiederum die Carabinieri einschaltete. Wie deren Ermittlungen ergaben, soll Gerhard Korn, der selbst längere Zeit in Kastelruth gelebt hatte, Absender des Briefes gewesen sein.

Für Rier und seine Spatzen war der Mann kein Unbekannter. Wie Rier beim späteren Verfahren gegen Korn – dieser musste sich wegen des Vorwurfs der Erpressung am Bozner Landesgericht verantworten – im Zeugenstand aussagte, soll dieser sich sogar als deren Manager ausgegeben und Termine organisiert haben.

Dass Rier den mutmaßlichen Erpresser bereits kannte, führte schließlich auch zu dessen Freispruch. Der Vorwurf wurde als nicht schwerwiegend eingestuft, auch weil der Versuch, von Rier Geld einzutreiben, eine konkrete Bedrohung für das Opfer hätte darstellen müssen. Dies war für Richter Carlo Busato damals nicht gegeben. Er sprach Korn 2017 schließlich frei.

Dagegen hat Rier, der nach dem Urteil aus erster Instanz gefordert hatte, dass „solche Bürger zur Rechenschaft gezogen werden müssten“, Berufung eingelegt. Der Fall landete nun vor dem Richtersenat (Vorsitz Silvia Monaco, Beisitzer Oswald Leitner und Manfred Klammer) am Bozner Oberlandesgericht. Laut neuer Prozessordnung müssen dort erneut Zeugen angehört werden. Und die Grafologin, die den Erpresserbrief untersucht hatte, kam bei der Berufungsverhandlung zum klaren Schluss: Gerhard Korn, der nach wie vor nicht geständig ist, war der Autor der Zeilen des anonymen Schreibens an Norbert Rier.

Dass es sich nicht um eine Erpressung gehandelt habe, weil das Opfer den mutmaßlichen Erpresser kannte, ließen die Richter nicht gelten. Dies habe sich erst in einem zweiten Moment herausgestellt, als der Briefschreiber ausgeforscht war. So lange das noch nicht klar war, habe sich das Opfer sehr wohl bedroht gefühlt. Der Richtersenat annullierte den Freispruch aus erster Instanz und verurteilte Korn wegen des Vorwurfs der versuchten Erpressung zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr und 4 Monaten.

em