Hoch, mitunter zu hoch, sind die gesellschaftlichen, aber auch die persönlichen Erwartungen an die Familie – besonders gefordert sind dabei tagtäglich die Mütter. Zum Muttertag ein Gespräch über „Mental Load“, ständige To-do-Listen im Kopf und partnerschaftliche Familienarbeit. <BR /><BR /><BR /><b>Am Sonntag ist Muttertag. Landauf, landab werden an diesem Tag Mütter gefeiert – aber wie geht es den Müttern das ganze Jahr über?</b><BR />Monika Kompatscher: Mein Eindruck ist, dass sich Mütter belastet fühlen, sich oft für alles verantwortlich fühlen und hohe Ansprüche an sich selbst stellen – gerade auch in ihrer Rolle als Mutter. Das erlebe ich in meinen Vorträgen oder wenn Mütter zu mir in die Beratung kommen. Die Krux ist: Vieles von dem, was wir Frauen so gut machen, ist unsichtbar und unbezahlt. <BR /><BR /><b>Stichwort „Mental Load“: Was versteht man darunter?</b><BR />Kompatscher: Es geht um die Vielzahl von sichtbaren und unsichtbaren Aufgaben rund um das Familienleben. Wer organisiert den Kindergeburtstag, die Arzttermine der Kinder, die passenden Schuhe, die Jause, wer kümmert sich um die Hausaufgaben, den Einkauf und und und. Diese schier endlosen To-do-Listen rattern dann den ganzen Tag in den Köpfen – vielfach von uns Frauen – und führen nicht selten zur Überlastung.<BR /><BR /><b>Beobachten Sie eine Zunahme dieser Überlastung?</b><BR />Kompatscher: Meiner Wahrnehmung nach ja. Wir leben in einem Hochpreisland, wo Familien meist 2 Einkommen brauchen. Auch das setzt Familien unter Druck. Aber nicht nur das: Frauen sind gut ausgebildet und gehen beruflich ihren Weg. Gleichzeitig ist die Familie ein hohes Gut und, sobald ein Kind geboren wird, greift sofort der Traditionalisierungseffekt: Frauen fallen in klassische Rollenmuster zurück. Und nicht zu vergessen: Die Welt der sozialen Medien verstärkt den Druck auf die Mütter, wenn sich dort scheinbar perfekte Frauen und Mütter präsentieren. Mütter fragen sich dann: „Warum schaffe ich das nicht?“ <BR /><BR /><b>Werden die Mütter von Seiten der Gesellschaft ausreichend unterstützt?</b><BR />Kompatscher: Fakt ist: Der gesellschaftliche Anspruch an die Kleinfamilie ist enorm. Die gesetzten Erwartungen sind schlichtweg nicht umsetzbar. Vielmehr brauchen Familien ein unterstützendes Netzwerk, das über Kleinfamilien hinausgeht. Das viel zitierte Dorf. <BR /><BR /><b>Nicht selten wird der Vorwurf laut, Frauen setzen sich selbst unter Druck.</b><BR />Kompatscher: Das kann ich durchaus teilweise bestätigen, das hängt wiederum mit den hochgesteckten Erwartungen zusammen. Denn: Wenn die Frauen Kinder bekommen, wollen sie alles perfekt hinkriegen und entwickeln so im Alltag daheim einen deutlichen Kompetenzvorsprung gegenüber ihren Partnern. Dabei ist klar: Männer könnten das alles auch, Familienorganisation darf partnerschaftlich sein. Sich um alles kümmern liegt Frauen nicht in den Genen. <BR /><BR /><b>Was raten Sie Frauen?</b><BR />Kompatscher: Der erste Schritt ist, sich bewusst zu machen: Wofür bin ich im Familienalltag zuständig? Voraussetzung ist ein offenes Gespräch mit dem Partner. Dabei geht es nicht darum, Forderungen zu stellen, sondern die gemeinsame Aufgabe der Familienarbeit sichtbar zu machen. Es geht ums Sehen und Gesehen werden, um einen wertschätzenden Austausch. Das gibt vielen Müttern direkt das Gefühl, nicht für alles verantwortlich sein zu müssen. Eine Möglichkeit wäre, die Familienwoche regelmäßig im Voraus zu planen. Das Zusammenleben in der Familie ist kein reines Mama-Thema, sondern eine gemeinsame Aufgabe beider Elternteile. Hier gilt es, Rollenbilder zu hinterfragen und gemeinsam praktikable Lösungen für den Alltag zu finden. <BR /><BR /><b>Zur Person</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1027200_image" /></div> Monika Kompatscher war nach ihrem Psychologiestudium knapp 15 Jahre im Personalbereich verschiedener Unternehmen tätig. Nach ihrer 3-jährigen Ausbildung zur Counsellor Professional CNCP hat sie sich als Counsellor und Psychologin selbständig gemacht. Sie begleitet v.a. Mütter und Eltern und generell Menschen in herausfordernden Lebensphasen und Übergängen. Kompatscher ist verheiratet, hat 2 Söhne im Grundschulalter und lebt in Vahrn. Regelmäßig spricht Kompatscher im Rahmen von Vorträgen über das Thema „Mental Load“. Das nächste Mal am 22. Mai in der Grundschule von St. Martin in Gsies und am 4. Juni im Haus Voitsberg in Vahrn (jeweils von 19.30 bis 21 Uhr). <Rechte_Copyright></Rechte_Copyright><BR />