Dienstag, 04. Februar 2020

Deeg zu Frauenmorden: „Es braucht mehr als Worte“

Soziallandesrätin Waltraud Deeg erinnert an die wichtige Funktion der Frauenhäuser und mahnt zu einer strengeren Gesetzgebung bei gleichzeitiger Stärkung der Präventionsarbeit.

Landesrätin Deeg regt eine gesetzliche Verschärfung der bestehenden Regelungen an, um Frauen besser vor (häuslicher) Gewalt zu schützen.
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Landesrätin Deeg regt eine gesetzliche Verschärfung der bestehenden Regelungen an, um Frauen besser vor (häuslicher) Gewalt zu schützen. - Foto: © shutterstock

In den vergangenen Wochen und Tagen haben die Nachrichten über Frauenmorde ganz Italien und darüber hinaus schockiert. Auch Südtirol stellt hier leider keine Ausnahme dar. „Es ist schockierend zu hören, wie viele Frauen häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Wenn sich Frauen in ihren eigenen 4 Wänden und in ihrer Umgebung nicht mehr sicher fühlen, haben wir als Gesellschaft versagt“, sagt Soziallandesrätin Waltraud Deeg. Es gehe darum, tätig zu werden, um möglichst viele Frauen und Kinder vor Gewalt zu schützen.

Darum regt sie eine gesetzliche Verschärfung der bestehenden Regelungen an: „Das geltende Gesetz über Maßnahmen gegen Gewalt in der Familie, das 2001 eingeführt wurde, war bereits ein wichtiger Schritt, um den Opferschutz zu erhöhen. Doch damit ist es bei weitem nicht getan, was leider die steigende Anzahl der Femizide in den vergangenen Jahren und Monaten unterstreicht. Es muss möglich sein, tätig zu werden, bevor Gewalt ausartet beziehungsweise physisch stattfindet. Wenn Frauen sich bedroht fühlen, muss es für sie möglich sein, konkrete Hilfe zu erhalten“, sagt die Landesrätin, die gleichzeitig auf die wichtige Funktion der Frauenhäuser hinweist.



In Südtirol gibt es in Bozen, Meran, Brixen und Bruneck Anlaufstellen, geschützte Wohnungen und Frauenhäuser, an die sich Frauen direkt und unkompliziert wenden können. Dort erfahren Frauen in vielerlei Hinsicht unterstützt, begleitet und auf ein selbstständiges Leben bestmöglich vorbereitet. Trotz des wertvollen Dienstes dieser Stellen, sei dieser jedoch nicht ausreichend.

„Wir müssen dort ansetzen, bevor Gewalt überhaupt stattfindet oder eskaliert – das heißt: Bewusstseinsbildung und Vermittlung eines gleichwertigen Rollenbildes von Frau und Mann bereits im Kindes- und Jugendalter, Präventionsarbeit bei Signalisierung von Gewalt – egal ob physisch oder psychisch – verstärken, Verschärfung der gesetzlichen Basis, sodass der Schutz vor Gewalt auch noch vor einer Eskalation verstärkt werden kann.“

„Eine Gesprächsbasis, die wir nun nutzen wollen“

Dazu zählen für Deeg nicht nur klare und harte Regeln für aggressive, frauenfeindliche und beleidigende Kommentare in den sozialen Medien, sondern auch die Erweiterung der präventiven Eingriffsmöglichkeiten für die Sicherheitskräfte und ein verpflichtendes Antiaggressionstraining für Männer, die ein erhöhtes Aggressionspotential aufweisen. Es sei sehr lobenswert, dass nun mit Ministerpräsident Giuseppe Conte erstmals der oberste Vertreter der italienischen Regierung die Frauenmorde als „kulturelles Problem“ bezeichnet hat und einen kulturellen Wandel bereits im Schulalter forcieren will. „Dies zeigt, dass es eine Gesprächsbasis gibt, die wir nun nutzen wollen, um Gewalt in jeglicher Form weiter einzudämmen“, sagt Deeg.

Eine Infobroschüre fasst die wichtigsten Informationen und Adressen zum Frauenhausdienst zusammen.


lpa