Mittwoch, 03. Juni 2020

Dem AEB reicht's: „Isolation muss endlich ein Ende haben“

Dem Arbeitskreis Eltern Behinderter (AEB) unter der Vorsitzenden Angelika Stampfl reicht's: Die Vereinigung fordert unter anderem die sofortige Aufhebung der Isolation in den Wohneinrichtungen – zumindest für den Kontakt zu den Familienangehörigen. Das berichten die „Dolomiten“ in ihrer Mittwochausgabe.

Auch das Pastor Angelicus in Meran ist von der Isolation betroffen.
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Auch das Pastor Angelicus in Meran ist von der Isolation betroffen. - Foto: © fm
Die Forderungsliste der AEB-Chefin an die Landespolitik ist aber sehr viel länger: Angelika Stampfl verlangt darüber hinaus die sofortige Öffnung der teilstationären Dienste und der Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung, Planungssicherheit und eine rechtliche Absicherung für Vereine und Verbände des Dritten Sektors sowie für soziale Dienstleister für die Sommeraktivitäten und eine Wiederaufnahme aller Therapien, die zur Stabilisierung und Förderung nötig sind.

Darüber hinaus sollen die teilstationären Dienste samt Transportdienst für Menschen mit Beeinträchtigung ausnahmsweise auch im August verpflichtend geöffnet werden, um die betroffenen Familien zu entlasten.

Der AEB sei sich bewusst, dass Vorsicht geboten sei, denn das Coronavirus lasse die Menschen mit Behinderung und deren Familien sicherlich nicht in die gewohnten Bahnen und Strukturen zurückkehren. „Dennoch ist es für unsere Kinder und Familien höchst an der Zeit, eine neue Normalität aufzubauen, ansonsten werden zu der primären Beeinträchtigung noch schwerwiegende soziale und psychische Schäden hinzukommen“, meint Stampfl.

„Über lange Zeit aufgebaute Förderungen und Therapien für Menschen mit Beeinträchtigung sind seit Monaten ausgesetzt und müssen mühsam wieder angebahnt werden. Der Weg der Inklusion ins Arbeitsleben, ins selbstbestimmte Wohnen und in die größtmögliche Autonomie wurde radikal abgeschnitten.“ Weiters seien zusätzliche Barrieren dazugekommen.

Seit der Schließung der Kindergärten, Schulen und teilstationären Dienste der Bezirksgemeinschaften Anfang März wird der Großteil der Menschen mit Beeinträchtigung rund um die Uhr zu Hause betreut. „Sowohl den Betroffenen wie auch ihren Angehörigen fällt die Decke auf den Kopf“, sagt Stampfl. „Es gibt vermehrt psychische Auffälligkeiten, der Kontakt zu anderen und die Bewegung im Freien fehlen.“

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalte sich schwierig. Gerade Frauen und Alleinerziehende hätten keine Chance, auch nur kurzzeitig, aus dem Hamsterrad der Verpflichtungen zu entfliehen. „Oft müssen Geschwister von Menschen mit Beeinträchtigung als Co-Therapeuten wirken, und ihre eigenen Bedürfnisse kommen deshalb zwangsläufig zu kurz“, gibt die AEB-Vorsitzende zu bedenken. Doch die teilstationären Einrichtungen der Bezirksgemeinschaften würden trotz des inzwischen erlassenen Dekrets und der sanitären Auflagen nur sehr zögerlich und mit massiven Einschränkungen öffnen.

Besser funktioniere es bei der Notbetreuung der Schüler: „Die Schüler mit Beeinträchtigung, die eine Mitarbeiterin für Integration zugeteilt haben, wurden alle, soweit sie dafür angesucht haben, in die Notbetreuung aufgenommen“, sagt Stampfl. „Leider sind die Schüler, die eine Beeinträchtigung, aber keine Mitarbeiterin für Integration haben, von dieser Maßnahme ausgeschlossen.“

Bedenklich sei die Situation in den Wohneinrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung, denn in diesen würden die Richtlinien der Seniorenheime angewendet: Man warte auf die Nullquote der Infizierten, wobei es dort schon lange keine Fälle mehr gebe, soweit es überhaupt jemals welche gegeben habe. Das habe eine Isolierung zur Folge, sagt Stampfl. Darüber hinaus verlangt sie die rechtliche Grundlage für eine funktionierende Sommerbetreuung.

fm