<b>Seit Jahren unterstützen die SVP-Frauen Sie mit dem Primelverkauf. Wo liegt Ihr Forschungsschwerpunkt?</b><BR />Petra Obexer: Wir haben uns hauptsächlich auf einzelne Eiweißstoffe konzentriert, die eine wichtige Rolle bei der Tumorentstehung, bei der Metastasenbildung, bei der Therapieresistenz spielen. Einer von denen ist der Eiweißstoff FOX03. Da haben wir versucht, spezifische Medikamente zu finden. <BR /><BR /><b>Und Ihr aktueller Fokus?</b><BR />Obexer: Zurzeit beschäftigen wir uns hauptsächlich mit Krebsstammzellen. <BR /><BR /><b>Warum sind sie gefährlich? </b><BR />Obexer: Die Stammzellen bilden immer wieder Zellen und erhalten den Tumor so am Leben. Eine Eigenschaft von Stammzellen ist auch, dass die Zellen auswandern können und Tochtergeschwülste, also Metastasen, irgendwo anders im Körper bilden können. Meistens stirbt der Patient dann schlussendlich an den Metastasen. <BR /><BR /><b>Wie hängen damit die Eiweißstoffe zusammen?</b><BR />Obexer: Einer der Eiweißstoffe, den wir untersucht haben, nämlich FOX03, spielt eine Rolle bei den Stammzellen. Wir schauen nun, ob diese Medikamente die Tumorstammzellen abtöten können, z. B. in Kombination mit Standardchemotherapeutika. Also ob es eine Therapiemöglichkeit wäre, nicht nur die sich schnell teilenden Krebszellen abzutöten, sondern auch die Krebsstammzellen.<BR /><BR /><b>Wie weit ist die Forschung in diesem Bereich schon fortgeschritten?</b><BR />Obexer: Wir machen jetzt Versuche im Labor, die wir an verschiedenen Zelllinien austesten. Das sind aber Zellen von unterschiedlichen Tumorarten. Daran wird die Substanz getestet, und wir schauen, ob diese Stammzellen gezielt abgetötet werden können oder nicht. <BR /><b><BR />Es gibt also noch kein Medikament auf dem Markt?</b><BR />Obexer: Nein.<BR /><BR /><b>Wie wichtig ist die Aktion der SVP-Frauen?</b><BR />Obexer: Mit dem Geld kann ich meine Mitarbeiter und Materialkosten, wie z. B. die Plastikbehälter und Nährmedien für die Krebszellen, bezahlen.<BR /><BR /><b>Die Primelaktion wurde heuer zum 22. Mal durchgeführt...</b><BR />Obexer: ...und von Beginn an unterstützen die SVP-Frauen über die Südtiroler Krebshilfe das Tiroler Krebsforschungsinstitut. Am Anfang war ich noch nicht dabei. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="938479_image" /></div> <BR /><BR /><b>Eng mit dem Tiroler Krebsforschungsinstitut ist auch der Name des bekannten Mediziners Prof. Raimund Margreiter verbunden...</b><BR />Obexer: Prof. Margreiter war vor 20 Jahren der Primar für Allgemeine Transplantationschirurgie, das TKFI geht auch auf seine Initiative zurück. Vor 20 Jahren lag der Fokus auf der Grundlagenforschung, sein Ziel war es, eine Forschung in Kombination mit den Ärzten zu betreiben.<BR /><BR /><b>Krebs gilt immer noch als eine der meistgefürchteten Krankheiten...</b><BR />Obexer: Die Therapiemöglichkeiten haben sich gerade auch in den vergangenen 20 Jahren enorm verbessert – bei den verschiedensten Tumorarten. Auch die Überlebenschance ist extrem angestiegen. <BR /><BR /><b>Inwiefern? </b><BR />Obexer: Natürlich sterben nach wie vor zu viele Menschen an Krebs. Aber im Prinzip hat sich vieles auch gerade mit der personalisierten Medizin verbessert, wo man ganz gezielt versucht, Antikörpertherapien gegen Eiweißstoffe einzusetzen, die etwa verantwortlich sind für die Tumorentstehung. In den vergangenen 10 Jahren sind viele unterschiedliche Medikamente auf den Markt gekommen. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, etwa mit den mRNA-Impfstoffen. <BR /><BR /><b>Wie weit sind die Impfstoffe gegen Krebs bereits entwickelt ?</b><BR />Obexer: Das Unternehmen BioNTech z. B., welches viele von Corona kennen, hat einen Schwerpunkt auf die mRNA-Tumor-Impfstoffe gelegt, und einige davon sind schon in der Phase-1-Studie. BioNTech ist davon überzeugt, dass die Impfstoffe in nächster Zeit zugelassen werden. Da kommt sehr viel. In Zukunft wird man auf Kombinationstherapien setzen. Das heißt: Auf die Chemo-Strahlentherapien wird man nicht verzichten können, aber es wird zusätzliche Therapiemöglichkeiten geben, etwa auch Immuntherapeutika.<h3> Hintergrund</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="938482_image" /></div> <BR />1999 wurde das Tiroler Krebsforschungsinstitut (TKFI) von Prof. Raimund Margreiter und Hubert Kuprian gegründet. Es ist eine private Initiative des gemeinnützigen Vereins zur Förderung der Krebsforschung in Tirol. Das Ziel des TKFI ist die Krebsforschung mit direktem Bezug zur klinischen Anwendung.