<BR />Das Wasser wird knapper und das bekommen aktuell auch Südtirols Stromproduzenten zu spüren. So zieht sich etwa bereits seit Wochen das Wasser in den sieben Alperia-Stauseen am Reschensee, in Martell, Vernagt, Ulten, Mühlwald, Mühlbach und Franzensfeste zurück und gibt zunehmend Uferfläche frei. <BR /><BR />„Im Vergleich zur üblichen Seefüllung liegen wir heuer bei etwa 70 bis 75 Prozent, sprich rund ein Drittel unter der normalen Menge“, erklärt Alperia-Generaldirektor Luis Amort. <BR /><BR />Der Grund dafür ist eine Situation, die derzeit europaweit für Anspannung sorgt: Unterdurchschnittliche Regenmengen und geringe Schneereserven haben den natürlichen Zulauf in die Staubecken deutlich verringert. Das bleibt auch bei der Stromproduktion nicht ohne Folgen. Trotz lokaler Unterschiede lag die Stromproduktion von Alperia in ganz Südtirol bis einschließlich Juli um 30 Prozent unter dem Wert des Vergleichszeitraums im Vorjahr. <BR /><BR />Die Trockenheit hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Stromproduktion. Sie spielt auch bei der Trinkwasserversorgung im Etsch-Mündungsgebiet eine Rolle (wir haben berichtet). Sinkt der Durchfluss der Etsch im Mündungsgebiet bei Boara Pisani unter die Mindestmenge von 80 Kubikmetern pro Sekunde, besteht die Gefahr, dass Salzwasser aus dem Meer eindringt. Um dies zu verhindern, müssen entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um die Landwirtschaft und die Trinkwasserversorgung zu sichern. <BR /><BR />Um die Situation zu entschärfen, hatte Landeshauptmann Arno Kompatscher bereits im Juli per Dekret die Betreiber der strategischen Staubecken in Südtirol aufgefordert, den pulsierenden Abfluss in der Etsch durch ein angepasstes Produktionsmanagement zu reduzieren. „Es ist vorgesehen, den Schwallbetrieb der Energieproduktion zu reduzieren. Wir halten die Produktion konstanter, sodass das Wasser nicht schwallweise, sondern gleichmäßiger in die Etsch gelangt. Damit lässt sich auch die Wasserführung besser steuern“, erklärt der Alperia-Generaldirektor.<BR /><BR />Diese Maßnahmen seien jedenfalls nur das kleinere Übel. Zum Ablassen der Staubecken sei es bislang noch nicht gekommen. „Wir hoffen weiterhin auf Regen, damit sich die Situation nicht noch weiter verschärft“, sagt Amort. Entscheidend dürfte dabei die kommende Zeit werden: Die große Ernte in Venetien rund um den 20. August gilt als kritische Phase. „Danach sind wir zuversichtlich“, sagt Amort. Bis dahin gilt jedoch: Weniger Wasser bedeutet auch weniger Möglichkeiten zur Stromproduktion.<h3> 3 Fragen an Alperia-Generaldirektor Luis Amort</h3><b>Die Wasserstände liegen derzeit etwa ein Viertel unter dem langjährigen Durchschnitt. Besteht Grund zur Sorge vor einem Versorgungsengpass?<BR /></b>Luis Amort: Die Tendenz ist aktuell eindeutig, zumal auch weiterhin kein ergiebiger Niederschlag in Sicht ist. Bis dahin heißt es hoffen, dass es regnet. Sollte die Trockenheit in den kommenden Wochen anhalten, müssen wir die Produktion aus Wasserkraft unweigerlich noch weiter zurückfahren.<BR /><BR />Das kommt darauf an, wie sich die Situation vor allem in Venetien entwickelt. Wir hoffen natürlich nicht, dass wir die ohnehin schon wenig gefüllten Becken zusätzlich für die Wasserführung heranziehen müssen.<BR /><BR /><b>In den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu heftigen Gewittern. Können diese Niederschläge die Situation nachhaltig entschärfen?<BR /></b>Amort: Lokale Gewitter haben in den vergangenen Tagen einen leichten Anstieg der Wasserstände bewirkt. Langfristig gesehen braucht es aber lang anhaltenden, flächendeckenden Regen, um die Speicher wieder ordentlich zu füllen.