Mittwoch, 08. Juli 2020

Demonstration gegen Erlegung von Problembärin in Trient

Rund 100 Tierschützer haben am Mittwoch in Trient vor dem Sitz der Trentiner Landesregierung gegen den Erlass zur Erlegung der Problembärin protestiert, die am 22. Juni 2 Männer angegriffen hatte. An der Demonstration beteiligten sich Aktivisten mehrerer Umwelt- und Tierschutzorganisationen.

Gegen die Tötung von „Jj4“ wehrt sich auch Umweltminister Sergio Costa. Im Bild ein Archivbild von Problembärin Jurka aus dem Jahr 2008, Mutter von „Jj4“
Gegen die Tötung von „Jj4“ wehrt sich auch Umweltminister Sergio Costa. Im Bild ein Archivbild von Problembärin Jurka aus dem Jahr 2008, Mutter von „Jj4“ - Foto: © Landespresseamt Trient
Die 14 Jahre alte Bärin, die unter dem Code „Jj4“ bekannt ist, sei bisher nie aggressiv gewesen und habe wahrscheinlich die Männer aus Sorge um ihre Jungen angegriffen. Laut Gesetz dürfe man Bären nur töten, wenn ihre Gefährlichkeit für den Menschen bewiesen sei und alternative Maßnahmen nicht umsetzbar seien, so die Aktivisten.

Gegen die Tötung von „Jj4“ wehrt sich auch Umweltminister Sergio Costa. Er rief die Trentiner Behörden auf, der Bärin dieses Schicksal zu ersparen. Doch der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti bleibt hart. „Der Umgang mit den Bären in unserer Region ist wegen der Zahl der Exemplare problematisch. Wir haben den Umweltminister über diese Probleme informiert“, sagte er. Costa zeigte sich entschlossen, mit rechtlichen Schritten die Erlegung der Bärin zu verhindern.

Tierschützer hatten sich von Anfang an auf die Seite des Tieres gestellt, das am 22. Juni einen 59-Jährigen und seinen 28-jährigen Sohn im Tal Val di Sole angegriffen hatte. Der Vater erlitt bei dem Vorfall Knochenbrüche in einem Bein und tiefe Wunden. Der Sohn kam mit oberflächlichen Verletzungen davon. Der Naturschutzverband Legambiente beauftragte seine Anwälte, Anzeige gegen den Trentiner Landeshauptmann einzureichen.

Im Trentino leben circa 90 Bären in freier Wildbahn. Manchmal dringen sie in Wohngebiete ein und attackieren Nutztiere. Im Rahmen eines von der EU geförderten Projekts waren im Jahr 1999 ein Dutzend Bären aus Slowenien in die Region gebracht und ausgesetzt worden.

Auch ein Südtiroler traf im Trentino kürzlich bei einer Wanderung auf einen Bären. Diese Begegnung lief glücklicherweise glimpflich ab.

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stol/apa