Mittwoch, 17. August 2016

Der Burkini schlägt hohe Wellen

Im legendären Badeort Cannes sind Burkinis in diesem Sommer verboten. Und an einem korsischen Strand waren sie offenbar Auslöser einer wüsten Massenschlägerei.

Viel nackte Haut im Schwimmbad? Nicht, wenn frau einen Burkini (im Bild) trägt.
Viel nackte Haut im Schwimmbad? Nicht, wenn frau einen Burkini (im Bild) trägt. - Foto: © shutterstock

Unschuldiges Kleidungsstück oder Provokation von Fundamentalisten – in Frankreich wird heftig über die muslimischen Ganzkörperbadeanzüge gestritten.

Was zunächst nach einem typischen Sommerlochthema klingt, hat in Frankreich eine ganz besondere Dimension: Die Burkini-Debatte verweist auf eine von den islamistischen Anschlägen traumatisierte Nation, die um den richtigen Umgang mit ihrer muslimischen Bevölkerung und dem Islam ringt.

Zuletzt sorgte ein Vorfall am Strand der korsischen Gemeinde Sisco für helle Aufregung: Am Samstag gingen dort junge Korsen und Mitglieder von drei Familien nordafrikanischer Abstammung mit Fäusten, Flaschen und Steinen aufeinander los. Es gab fünf Verletzte, drei Autos gingen in Flammen auf, die Polizei musste mit einem Großaufgebot anrücken. Augenzeugen berichteten, Auslöser der Prügelei seien Touristen gewesen, die Frauen in Burkinis fotografiert hätten.

Der Bürgermeister von Sisco, Ange-Pierre Vivoni, kündigte kurze Zeit später für die Strände seiner Gemeinde ein Burkini-Verbot an.

Bei seinem Dekret kann sich Vivoni auf zwei Vorbilder an der Côte d'Azur stützen: In Cannes verbot die Stadtverwaltung bereits Ende Juli – von der Öffentlichkeit zunächst nahezu unbemerkt – das Tragen von Burkinis am Strand. Später folgte der nahegelegene Badeort Villeneuve-Loubet.

Am Dienstag kündigte auch der Bürgermeister des angesagten nordfranzösischen Badeortes Touquet an, Burkinis verbieten zu wollen. Die Verbote könnten allerdings bald Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht beschäftigen.

apa

stol