Freitag, 27. Juli 2018

Der Countdown läuft: Mond und Mars in Rot

Astronomischer Sommernachtstraum: Gleich zwei besondere Konstellationen erhellen den Nachthimmel am Freitag – und das mitten im Hochsommer. Der Mond taucht in den Erdschatten ein, es ist die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Der Mars ist der Erde gleichzeitig so nah wie selten. Laut Landesmeteorologe Dieter Peterlin verziehen sich die Quellwolken vom Nachmittag und Abend rechtzeitig für einen perfekten Blick auf die beiden Stars am Nachthimmel.

Ein Sommernachtstraum unterm Sternenhimmel erwartet uns heute Abend.
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Ein Sommernachtstraum unterm Sternenhimmel erwartet uns heute Abend. - Foto: © shutterstock

„Das erleben wir nur einmal im Leben“

Zu der mit etwa 103 Minuten längsten totalen Mondfinsternis des Jahrhunderts gesellt sich ein besonders heller und großer Mars. Er wird heute Abend genau unter dem Mond als roter Punkt sichtbar sein. „Für die derzeit lebenden Menschen ist das ein einmaliges Ereignis“, sagte David Gruber, Astrophysiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Planetarium Südtirol in Gummer. Übertroffen wird diese Mondfinsternis-Dauer erst am 9. Juni 2123 – um zwei Minuten.

David Gruber

Mars erreicht erdnächsten Punkt

Am Freitag steht der Rote Planet nicht nur in „Opposition“, also exakt auf der anderen Seite der Erde als die Sonne. Er befindet sich zu diesem Zeitpunkt auch noch an einem der sonnennächsten Punkte (Perihel) seiner Bahn um das Zentralgestirn unseres Sonnensystems. Das hat zur Folge, dass die Distanz zwischen Mars und Erde bei der sogenannten Perihelopposition besonders gering ist – allerdings in astronomischen Dimensionen, denn auch am 27. Juli beträgt der Abstand immer noch rund 60 Millionen Kilometer. Am 31. Juli sind es dann gar „nur“ knapp 58 Millionen Kilometer, so David Gruber im Interview mit STOL. Zum Vergleich: Der geringste Abstand des Mars zur Erde beträgt 54 Millionen Kilometer, die größte Entfernung 401 Millionen Kilometer.

Roter Mond und roter Mars

Wie David Gruber im Gespräch mit STOL erklärt, kommen Himmelsbeobachter in den Genuss einer Perihelopposition nur alle 15 bis 17 Jahre. Zuletzt kamen sich die beiden Planeten 2003 mit 55,8 Millionen Kilometern so nahe, nächstes Mal wird es erst 2035 wieder so weit sein. In dieser aus Erdperspektive besonderen Position ist der Mars nicht nur die ganze Nacht über zu sehen, sondern wird auch der hellste Stern am Himmel sein. Er ist laut Gruber unverkennbar, er wird rötlich-orange leuchten und ab 22.15 Uhr genau unterhalb des Mondes zu sehen sein.

„Unglaublicher Zufall“

„Es ist ein unglaublicher Zufall, dass eine Mondfinsternis und die sogenannte Mars-Opposition zusammenfallen. So etwas sieht man vermutlich nur einmal im Leben. Es wird ein spektakuläres Erlebnis werden, weil beide Phänomene mit dem freien Auge zu beobachten sind und unter dem roten Mond auch noch der Mars als rötlicher, heller Lichtpunkt erscheint“, so Gruber. Die rote Färbung des Mondes kommt übrigens vom Sonnenlicht, das von der Erdatmosphäre in Richtung Mond gestreut wird. 

„In Südtirol wird man zwar die Phase der Verdunkelung nicht beobachten können, der Mond wird gegen 21.30 bereits verdunkelt aufgehen, das heißt, er wird sich da schon im Kernschatten der Erde befinden“, so der Experte gegenüber STOL. Dennoch hat man genügend Zeit das Spektakel weiter zu beobachten. Bis 23.13 wird sich der Mond im Kernschatten (Totalität) befinden, anschließend beginnt die partielle Phase. Kurz vor Ende der Totalität wird der Blick auf den dunkelroten Vollmond voraussichtlich am lohnendsten sein. Um 00.19 endet die partielle Phase und die Mondfinsternis ist vorüber. Mondfinsternisse gibt es nur bei Vollmond, dabei tritt der Erdtrabant in den Schatten der Erde.

Beste Sicht in Südtirol

Laut dem Landesmeteorologen Dieter Peterlin sollte das Wetter mitspielen, je später der Abend, desto besser sollte die Sicht auf die beiden Stars im Nachthimmel sein.

Wo ist das Himmelsspektakel am besten zu beobachten?

Ab etwa 22.15 Uhr wird es in Südtirol dunkel genug sein, um den Mond als rötliche Scheibe gut zu erkennen. Und eben auch den Mars. Gruber empfiehlt, sich an einen dunklen Ort zu begeben, am besten irgendwo in die Höhe, wo der Blick nach Südosten, wo sowohl der Mond als auch der Mars zu sehen sind, frei ist. 

Das Planetarium Südtirol in Gummer bietet zur Mondfinsternis und Marsbeobachtung den ganzen Freitag über Vorträge und am Abend bei der Sternwarte „Max Valier“ in Obergummer Himmelsbeobachtung an. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte direkt ans Planetarium Südtirol, Tel. 0471/610020. Auch David Gruber wird den ganzen Tag über vor Ort sein.

Fotos an STOL schicken

Wer sein Foto von der Mondfinsternis auf STOL veröffentlichen möchte, kann es per E-Mail (Betreff: MONDFINSTERNIS) zusenden. Einige schöne Bilder werden in der Montag-Ausgabe der „Dolomiten“ abgedruckt.

apa/stol/vs

stol