Heute macht sich die Kolumnistin ihre Gedanken über das schreckliche Seilbahnunglück am Lago Maggiore. <BR /><BR /><BR /><BR />Tränen, Schmerz, Verzweiflung – dazwischen Ohnmacht, Leere und eine brennende Wut, die sich in die Seele frisst und nach dem WARUM brüllt. Und doch sind das alles nur hohle Worte. <BR /><BR />Wie es den Angehörigen wirklich geht... Man kann es nur vage erahnen: 14 Menschen sind am Pfingstsonntag bei dem schrecklichen Seilbahnunglück am Lago Maggiore gestorben. 14 Menschen, die das herrliche Panorama genießen, die lachen und das Leben trinken wollten, das so lange jeglicher Normalität entbehrte. Hinauf auf den Berg, hinauf, hinauf, dem Himmel immer näher – die einen vielleicht berauscht von diesem süßen Gefühl von Freiheit, andere ehrfürchtig und still vor der Schönheit der Natur, die der Rundumblick in der Kabine offenbart, wieder andere mit jenem kribbeligen Gefühl im Magen, das einen kitzelt, wenn man Höhenangst hat. <BR /><BR />Die letzten Meter vor dem Gipfel, nur noch 5 sind es... Und dann passiert das, was nicht passieren darf, was nicht passieren kann... Das Zugseil reißt, die Gondel rast nach unten, prallt am Boden auf, überschlägt sich mehrmals und zerschellt an der Baumwand des Waldes. 15 Menschen sind in der Kabine, darunter zwei Kinder. <BR /><BR />Nur ein Fünfjähriger überlebt. Mutter und Vater haben ihn umarmt, eng an die Brust gedrückt, mit ganzer Kraft, mit aller Liebe, zu der Eltern fähig sind, wenn es darum geht, ihr Kind zu beschützen. Der eigene Körper ein Schild, ein Drachenpanzer gegen die Härte des Aufpralls... Es war der Eltern letzte Umarmung, und sie hat einem ihrer zwei Söhne das Leben gerettet. <BR /><BR />Drei Männer sind in der Zwischenzeit inhaftiert, zwei von ihnen gestehen die bewusste Manipulation. „Wird schon nichts passieren“, dachten sie wohl und setzten das seit Wochen immer wieder anschlagende Notbremssystem außer Kraft, um den reibungslosen Normalbetrieb zu garantieren. Man wird sie zur Verantwortung ziehen! <BR /><BR />Jene 14 Menschen, die am Pfingstsonntag am Lago Maggiore in den Tod gegangen sind, macht das nicht wieder lebendig. Doch mit der Last der Schuld müssen die Verursacher leben. Jede Minute. Jeden Atemzug. Jeden Herzschlag. Es wird ihre größte Strafe sein...<BR />