Sprecher Lukas Krismer erklärt im Interview, warum die Gruppe das derzeitige Projekt ablehnt, welche Folgen sie für Klausen befürchtet – und warum die Debatte weit über die Stadt hinaus Menschen bewegt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317669_image" /></div> Das Konzept eines möglichen Aufzuges nach Säben polarisiert – weit über Klausen hinaus. In der Stadt selbst hat sich die Initiativgruppe Klausen-Säben formiert: Der Klausner Lukas Krismer, Sprecher der Initiative, plädiert im Interview für ein verbessertes und für ein breit angelegtes Konzept, die Miteinbeziehung der Bürger in die Entscheidung und viel Weitblick, wenn es um den Kraftort Säben geht. <BR /><BR /><b>Viele Klausner – und nicht nur sie – fragen sich derzeit, wer hinter der neu gegründeten Initiativgruppe Klausen-Säben steht. Können Sie weiterhelfen?</b><BR />Lukas Krismer: Ja, wir wollen und müssen uns keinesfalls verstecken. Derzeit besteht die Gruppe aus einem Kernteam von acht Klausnern. Darüber hinaus gibt es einen erweiterten Kreis von rund 20 Personen, die als Sympathisanten mitdenken. Ideologisch ist die Gruppe aber deutlich größer: Menschen aus ganz Südtirol tragen unsere Positionen zu Säben mit. Da bewegen wir uns sicher im drei-, wenn nicht sogar im vierstelligen Bereich. Der Zuspruch zeigt uns: Säben ist kein lokales Thema, sondern bewegt ganz Südtirol.<BR /><b><BR />Seit wann – und vor allem warum – sind Sie aktiv geworden?</b><BR />Krismer: Verstärkt aufmerksam wurden wir auf das Thema Säben und den möglichen Bau eines Aufzugs, als dies im Februar bei einem Bürgerstammtisch der Gemeinde Klausen angesprochen wurde. Ende März traf sich dann eine kleine Gruppe erneut. Im Vorfeld der Bürgerversammlung war es uns wichtig, den Klausnern auch eine kritische Sichtweise auf das Vorhaben mitzugeben. Wir haben rund 1.600 Flugblätter verteilt. Außerdem haben Mitglieder der Gruppe Briefe an Landeshauptmann Arno Kompatscher, Bischof Ivo Muser und Bürgermeister Peter Gasser geschrieben. <BR /><BR /><b>Wo sieht die Bürgerinitiative das Kernproblem?</b><BR />Krismer: Die Promotoren des Vorhabens möchten Säben zugänglicher machen. Der geplante Aufzug endet jedoch im Bereich des Herrenturms. Der Klosterberg ist damit aus meiner Sicht nicht besser erreichbar, sondern lediglich auf halber Höhe – und vor allem von Mauern umgeben. Außerdem gehören die beiden Kirchen auf dieser Ebene nicht zum Kloster, sondern zur Pfarrei. Wir sind nicht grundsätzlich gegen einen besseren Zugang nach Säben, das Projekt in der derzeit vorliegenden Form lehnen wir jedoch klar ab.<BR /><BR /><b>Warum konkret?</b><BR />Krismer: Dafür gibt es mehrere Gründe. Es fehlt ein schlüssiges Besucherkonzept – sowohl für Säben als auch für die Stadt Klausen selbst. Wenn man die beeindruckende Geschichte Säbens museal aufarbeiten möchte, könnte dies mit deutlich geringeren Kosten direkt in Klausen geschehen, etwa in der bereits in der Machbarkeitsstudie vorgesehenen museal gestalteten Unterführung der Staatsstraße. Die veranschlagten Kosten von 27 Millionen Euro stehen aus unserer Sicht in keinem Verhältnis zu dem, was am Ende entsteht – auch nicht für die Stadt Klausen selbst. Und: Säben hat als Wallfahrtsort eine herausragende Bedeutung. Wer Säben nie zu Fuß erlebt hat, kann die besondere Kraft dieses Ortes kaum erfassen.<BR /><BR /><b>Sie führen weitere Argumente gegen den Aufzug an. Welche</b>?<BR />Krismer: Hinzu kommen die Folgekosten für den Betrieb, die derzeit der Gemeinde zufallen würden. Wir als Bürgerinitiative rechnen grob mit jährlichen Betriebskosten von 270.000 Euro. Nicht zu vergessen ist außerdem die große Baustelle, die mit dem Projekt verbunden wäre: Allein der Abtransport des Ausbruchmaterials würde die ohnehin stark verkehrsbelastete Frag mit unzähligen Lkw-Fahrten enorm belasten. Dieses Problem würde vor allem die Anrainer treffen. Dazu kommt die bereits jetzt angespannte Parkplatzsituation in Klausen, die einem solchen Vorhaben kaum standhalten dürfte. Viele Klausner haben schon heute genug vom starken Verkehr.<BR /><BR /><b>Die Befürworter sehen den Aufzug als Gewinn für Klausen als Wirtschaftsstandort. Sie nicht?</b><BR />Krismer: Wir haben in Klausen ein Problem mit dem Einzelhandel – das betrifft allerdings nicht nur Klausen. Es braucht neue Ideen zur Belebung der Stadt. Aus unserer Sicht wird der Aufzug dieses Problem jedoch nicht lösen. Der Weg nach Säben führt derzeit durch die Stadt, und das ist wichtig und richtig. Mit einem Aufzug würde sich das ändern: Die Menschen fahren hinauf, machen ein Foto und fahren wieder weg. Die lokale Wirtschaft hätte aus unserer Sicht wenig davon. Diese Befürchtung muss nicht zwingend so eintreffen, aber in unserer schnelllebigen Zeit spricht leider vieles dafür.<BR /><BR /><b>Gibt es einen Gegenvorschlag Ihrerseits</b>?<BR />Krismer: Natürlich ist auch die Initiativgruppe für eine Belebung der Stadt. Wenn es ein Konzept gäbe, wie man die Stadt tatsächlich beleben könnte, dann sollte dieses schon heute umgesetzt werden. Der Aufzug allein leistet das nicht. Es gibt aktuell weder ein Parkplatz- noch ein Besucherkonzept – weder für die Stadt noch für Säben. Mein Wunsch an die Gemeindepolitik wäre, ein solches umfassendes Konzept den Bürgern im Rahmen einer Bürgerbefragung zur Entscheidung vorzulegen. Wenn das Konzept überzeugt, wird auch die Mehrheit der Bürger dahinterstehen.<BR /><b><BR />Könnten Sie persönlich dann mit einem Aufzug leben?</b><BR />Krismer: Ich persönlich werde wahrscheinlich nie mit einem Aufzug glücklich sein, weil Säben mein Kraftort ist. Uns geht es nicht um Totalopposition, sondern um den Wunsch, das Konzept zu verbessern und eine grundsätzliche Diskussion anzustoßen: Wollen und brauchen wir diesen Aufzug nach Säben wirklich – oder können wir die für Klausen dringend notwendigen Konzepte auch ohne ihn verwirklichen?