Das schwerkranke Herz des kleinen Domenico wurde am 23. Dezember um 14.18 Uhr entnommen – vier Minuten bevor um 14.22 Uhr die endgültige Bestätigung eintraf, dass das Spenderorgan aus Bozen eingetroffen sei. Das geht laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa aus Zeugenaussagen von medizinischem Personal hervor, das von der Staatsanwaltschaft Neapel im Zusammenhang mit der fehlgeschlagenen Herztransplantation vernommen wurde, an dessen Folgen das Kind zwei Monate später verstarb.<BR /><BR />Der Anwalt der Familie, Francesco Petruzzi, teilte am Donnerstag nach Durchsicht der Akten, die die zeitliche Abfolge beleuchten, außerdem mit, dass man zu den 4 Minuten weitere 10 Minuten dazu zählen müsse, die vergingen bis das Herz dann schlussendlich im OP ankam. Insgesamt also verstrichen 14 Minuten von der Entnahme bis zum Moment, indem das neue Herz eingesetzt werden konnte.<h3> Hitzige Besprechung</h3>Den Zeugenaussagen zufolge kam es zudem am 10. Februar bei einer Besprechung, an der auch der Herzchirurg Guido Oppido teilnahm – jener Arzt, der das beschädigte Organ transplantiert hatte –, zu erheblichen Spannungen. Im Mittelpunkt stand die zeitliche Abfolge zwischen der Entnahme des Herzens und der Ankunft des in Bozen entnommenen Spenderorgans. Die Sitzung soll äußerst hitzig verlaufen sein; Oppido habe dabei auch gegen einen Heizkörper getreten.<BR /><BR />Als die Ärzte bemerkten, dass mit dem Transportbehälter des aus Bozen nach Neapel ins Krankenhaus Monaldi überführten Organs etwas nicht stimmte, lag Domenicos eigenes Herz bereits auf dem Operationstisch. Auch dies geht aus den Aussagen von medizinischem Personal hervor. Der Herzchirurg, der das Organ einsetzte, soll zudem mehrfach geäußert haben, dass er es h für unwahrscheinlich, dass das Herz wieder „anspringen“werde.<BR /><BR />An der Entnahme des Herzens im Krankenhaus Bozen war – wie es die Regeln des internationalen Netzwerks Eurotransplant vorsehen – auch ein österreichisches Team des Transplantationszentrums Innsbruck beteiligt. Dieses griff im Operationssaal ein, nachdem es bei der Entnahme durch das Team aus Neapel zu Komplikationen gekommen war. Die österreichischen Ärzte wurden inzwischen von den italienischen Ermittlern angehört, um die Dokumentation des Geschehens zu vervollständigen. Die Universitätsklinik Innsbruck lehnte gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA eine Stellungnahme mit Verweis auf das laufende Strafverfahren ab.<h3> „Wir versuchten, das Herz mit kaltem Wasser aufzutauen, dann mit lauwarmem und schließlich mit warmem.“</h3>Zu den Akten der Ermittler, die den Tod des kleinen Domenico untersuchen gehört laut La Repubblica auch die Aussage von drei Pflegekräften, die bei der Ankunft des Organs aus Bozen im Operationssaal anwesend waren. Die Transportbox sei geöffnet worden – darin habe sich das Herz befunden, das zu einem Stück Eis gefroren gewesen sei.<BR /><BR />Daraufhin hätten die medizinischen Fachkräfte verzweifelt versucht, das Organ aufzutauen. Schließlich entschied der Herzchirurg Guido Oppido – nach eigenen Angaben „mangels Alternativen“ – das Herz dennoch zu transplantieren. Domenico verstarb zwei Monate später.<BR /><BR />Die Aussagen der drei Pflegekräfte eröffnen damit einen weiteren Einblick in die dramatischen Abläufe jenes Nachmittags des 23. Dezember.<h3> Probleme bei Entnahme des Spenderherzens in Bozen?</h3>Während im Krankenhaus Bozen die vom Gesundheitsministerium entsandten Inspektoren weiterhin Unterlagen zur gescheiterten Transplantation sichern, treten neue Details zu den sensiblen Phasen der Organentnahme zutage. Im Operationssaal soll es zu Spannungen gekommen sein, wie mehrere Tageszeitungen – darunter Corriere della Sera, Repubblica und Alto Adige – heute berichten. Diese Informationen wurden der Nachrichtenagentur ANSA bestätigt.<BR /><BR />Laut Ansa habe der Südtiroler Sanitätsbetrieb den Ermittlern in Neapel bereits in den vergangenen Tagen mitgeteilt, dass während des Eingriffs erhebliche operative Schwierigkeiten im Verantwortungsbereich des Entnahmeteams aus Neapel auftraten. Erschwert wurde die Situation offenbar zusätzlich durch Kommunikationsprobleme zwischen dem neapolitanischen Team und jenem aus Innsbruck, da die Abstimmung auf Englisch erfolgte.<BR /><BR />Zu klären wird auch sein, ob die in Bozen eingesetzten Ärzte ihre Kollegen in Neapel – die die Transplantation bei dem kleinen Domenico durchführen sollten – tatsächlich über die während des Eingriffs aufgetretenen Probleme informierten, insbesondere über die unzureichende Drainage während der Perfusionsphase sowie über das korrigierende Eingreifen des Innsbrucker Teams.<BR /><BR />Die Auswertung der beschlagnahmten Mobiltelefone könnte darauf zumindest teilweise Antworten liefern. Offen bleibt zudem die Frage nach dem in Bozen zusätzlich verwendeten Eis und ob dabei sämtliche vorgesehenen Protokolle und Kontrollmechanismen eingehalten wurden. Zu diesem Punkt äußern sich die Ermittler bislang nicht.