Er selbst hätte es nicht für möglich gehalten, dass er auf der Insel der Geysire, Elfen und Islandpferde hängen bleiben würde. Mittlerweile lebt der 28-jährige Pferdeliebhaber seit 9 Jahren auf Island und spricht fließend die Landessprache. <BR /><BR />Es waren nicht die spektakulären Landschaften oder Naturphänomene wie Geysire, Wasserfälle und Vulkanaktivitäten, es waren auch nicht die nordischen Mythen rund um Trolle, Elfen und Feen oder etwa gar ein besonderes Jobangebot, das Johannes Amplatz zum Isländer werden ließ. Nein, dem heute 28-Jährigen hatte es die charakteristische Pferderasse auf der kleinen Insel angetan, die Islandpferde. Und so berichtet er heute mit Freude und großem Detailwissen von seinen Erfahrungen mit den relativ kleinen, stämmigen und sehr robusten Vierbeinern. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001554_image" /></div> <BR />Johannes ist nicht bloß ein ausgewiesener Pferdenarr, vielmehr widmet er sich den Islandpferden seit mehreren Jahren in Theorie und Praxis. Zum einen studiert er an der agrarwissenschaftlichen Universität von Hólar im hohen Norden Islands, die sich vor allem mit der Pferdeausbildung einen Namen gemacht hat, zum anderen hat er als Pferdetrainer in mehreren Höfen praktische Erfahrungen gesammelt. Somit ist der 28-Jährige längst ein ausgewiesener Spezialist in Sachen Islandpferde.<BR /><BR />Am Telefon schildert Amplatz seine aktuellen Aktivitäten: „Momentan befinde ich mich in der Nähe des Städtchens Selfoss im Süden Islands und mache im Fernstudium meinen Master in Pferdewissenschaften, außerdem unterrichte ich an einer örtlichen Oberschule und ein wenig arbeite ich noch nebenbei für eine Firma, die sich auf Pferde-Equipment spezialisiert hat.“ Die Oberschule bietet ebenso einen Zweig in der Fachrichtung „Pferd“ an, es ist das Unterrichtsfach des Südtirolers. Somit dreht sich im Alltag des ausgewanderten Südtirolers alles um diese außergewöhnliche Pferderasse. <h3> Ein Exot an der Universität von Hólar</h3>In der Tat gehört die Universität Hólar zu den ersten Adressen in Sachen Pferde, die knapp 20 Studienplätze, die jedes Jahr vergeben werden, sind überaus begehrt. „Es ist sozusagen das Harvard in der Szene, weshalb auch viele Interessierte von außerhalb des Landes hier ihr Studium beginnen“, sagt er. <BR /><BR />Allerdings kommen die angehenden Studenten außerhalb Islands am ehesten aus Skandinavien und Deutschland. Vor Johannes Amplatz hat noch nie ein Südtiroler bzw. Italiener dort studiert, weshalb er allemal einen Exotenstatus innehat. Und wenn man weiß, dass die Vorlesungen an der Uni ausschließlich auf Isländisch gehalten werden, dann dürfte dieser Exotenstatus auch nicht weiter verwundern. Viel eher dürfte man sich die Frage stellen, wie es bloß zu dieser ungewöhnlichen Entscheidung kommen konnte.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001557_image" /></div> <BR />„Als ich noch ein Kind war, erwarb mein Vater einige Islandpferde von einem Bekannten, der sie damals importiert hatte, und so bin ich in Südtirol gewissermaßen damit aufgewachsen“, blickt er zurück. Nach Abschluss der Oberschule wusste er nicht so recht, wie es weitergehen sollte, und so gönnte er sich eben mal eine Reise zur dünn besiedelten Insel im hohen Norden. Recht schnell war er dem einmaligen Charme Islands erlegen, denn bald schon folgte im Jänner 2015 ein zweiter Besuch. <BR /><BR />„Geplant war eigentlich ein Aufenthalt bis Mai desselben Jahres, dann liebäugelte ich mit der Hólar Uni und so habe ich beschlossen, mich für die Aufnahmeprüfungen vorzubereiten“, beschreibt er seine Motivation. Wie es der Zufall wollte, benötigte der aus Island stammende Reitlehrer, der hin und wieder nach Südtirol kam und bei dem Johannes Reitunterricht genommen hatte, dringend Unterstützung beim Pferdetraining. Ein Wink des Schicksals, dachte sich Johannes Amplatz, nutzte die Gelegenheit und verbrachte so eineinhalb Jahre im Süden Islands. Schließlich bekam er den positiven Bescheid von der Uni und so begann er im Herbst 2016 seine außergewöhnliche Uni-Karriere im Norden der Insel. <h3> Die Besonderheit von Islands Sprache</h3>Als zusätzliche Herausforderung erwies sich dabei die Sprache: Isländisch beruht wie andere skandinavische Sprachen auf der Sprache der Wikinger, dem Altnordischen, doch während sich Dänisch, Norwegisch, Schwedisch in den vergangenen tausend Jahren weiterentwickelten, blieb das Isländische wegen der isolierten Lage beinahe unverändert. Dazu kam vor über 200 Jahren noch der Entschluss der Isländer, keine Lehn- und Fremdwörter in ihre Sprache aufzunehmen, sodass kuriose Wortkomposita recht häufig sind. „Für viele Leute ist das Erlernen von Isländisch eine hohe Hürde. Nachdem ich mich richtig hineingekniet habe, beherrsche ich mittlerweile das Isländische ziemlich gut“, sagt der Traminer. In der Tat hält er den Unterricht in der Oberschule bei Selfoss auf Isländisch ab. Gerade die Beherrschung der Sprache diente ihm als Türöffner, und so lernte er die ansässige Bevölkerung auch als überaus gastfreundlich und hilfsbereit kennen. <h3> Die Eigenheiten der Islandpferde</h3>2019 schloss er das Bachelorstudium ab, nun beschäftigt er sich in seiner Masterarbeit mit dem Körperbau und die Eignung des Islandpferdes als Reitpferd: „Es ist ein sehr robustes und starkes Pferd, das im Vergleich zur Körpergröße mehr Gewicht zu tragen vermag als andere Pferde rassen.“ In diesem Zusammenhang weist Amplatz auch auf die Leistungsfähigkeit der Islandpferde und auf die Besonderheit, dass sie neben den üblichen Grundgangarten <BR /> Schritt, Trab und Galopp auch noch Tölt und mitunter sogar Pass im Repertoire haben. Diese Fähigkeiten gelte es immerzu zu verbessern, außerdem die bestmögliche Balance zwischen Reiter und Pferd herauszuarbeiten. <h3> Die Lebensbedingungen im hohen Norden</h3>Je länger man sich mit dem ausgewanderten Traminer unterhält, desto klarer wird die Bedeutung der Islandpferde für die Insel im hohen Norden, die mit knapp 400.000 Einwohnern der Südtiroler Bevölkerung zahlenmäßig unterlegen ist, allerdings über ein viel größeres Territorium verfügt (103.000 Quadratkilometer versus 7400 Quadratkilometer). Immerhin handelt es sich um die zweitgrößte Insel Europas. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1001560_image" /></div> <BR />Gewöhnungsbedürftig war für den Pferdeliebhaber neben den klimatischen Bedingungen die stark schwankenden Wechsel zwischen Tag- und Nachtzeiten im Verlauf eines Jahres, was das Leben auf der Insel natürlich stark beeinflusst und die traditionellen isländischen Spezialitäten wie Trockenfisch, Schafskopf, fermentierten Hai oder eingelegten Schafshoden. Johannes kocht aber lieber selbst und setzt dabei auf die gewohnte Südtiroler Kost sowie italienische Gerichte. <h3> Die Zukunft steht in den Sternen</h3>Bei aller Liebe zu Island und den dortigen Pferden stellt sich aber doch die Frage, ob ihn denn nicht manchmal das Heimweh plagt und ob er sich seine Zukunft weiterhin auf der Insel vorstellen kann. „Etwas Heimweh habe ich schon manchmal, aber ich denke, dass das normal ist. Etwa 2-mal im Jahr bin ich auf Heimatbesuch, und was die Zukunft bringt, steht in den Sternen.“ Während seiner 9 Jahre Island hat er zwar viel vom Land gesehen, aber längst noch nicht alles. Als seine Eltern zu Besuch waren, hat er mit ihnen eine Rundreise gemacht und ist mit ihnen auch einmal an die unberührten Westfjorde gefahren.<BR />Die großen Attraktionen im Land sind die Geysire und die mächtigen Wasserfälle im Süden. <BR /><BR />Und einen besonderen Tipp hat Johannes Amplatz noch parat: „Es gibt die Möglichkeit, mit einer freilaufenden Herde von Islandpferden Hochlandritte zu machen nd dabei die Pferde laufend zu wechseln.“ Ein Satz, der klingt wie der Lockruf eines wahrhaftigen Abenteuers.<BR />