Hier die Chronologie dieses (noch) ungeklärten Frauenmordes, der Südtirol bis ins Mark erschüttert hat.<BR /><BR />Am Freitagabend, 7. August, fuhr Ulrike Reistenhofer mit dem Zug in Richtung Zürich, um an der Street Parade teilzunehmen. Das Wochenende verbrachte sie dort bei einem Bekannten. Am Sonntag, 9. August, verließ sie Zürich wieder in Richtung Österreich, und zwar mit dem Zug um 13.33 Uhr. Innsbruck erreichte sie um 17.19 Uhr , um 17.27 Uhr behob sie am Bahnhof 100 Schilling bei einem Bankomat. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="794570_image" /></div> <BR /><BR />Sie besaß eine Rückfahrkarte nach Graz. Doch in Innsbruck verliert sich ihre Spur. Am Montag, 10. August, wird Ulrike Reistenhofer – damals noch als unbekannte Tote – in Ehrenburg ermordet aufgefunden. 12 Tage nach dem Fund der Frauenleiche – also am 22. August – konnte die Identität der Toten geklärt werden. <b>(Mehr dazu in einem nächste Woche erscheinenden Artikel)</b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="794573_image" /></div> <BR />Wie Reistenhofer nach Ehrenburg kam, ließ sich nur vermuten. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass sie von jemandem in seinem Fahrzeug mitgenommen wurde, möglicherweise vom Mörder. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="794576_image" /></div> <BR /><BR />Die Fahnder hörten unzählige Personen an, überprüften Telefone, nahmen einige Männer unter die Lupe, die verdächtig erschienen; sie ließen nichts unversucht, doch es war vergebens. Keiner der Hinweise und Ermittlungsansätze führte zum Mörder. 2001 legte der ermittelnde Staatsanwalt Markus Mayr den Fall als ungelöst zu den Akten. <h3> <h3> 2004 gerät Lkw-Fahrer ins Visier</h3> </h3>2004 geriet der bundesdeutsche Lkw-Fahrer Frank Thäder ins Visier. Thäder, der 2003 in Rosenheim wegen Mordverdacht an der Tschechin Anna Kolarova (31) einsaß, hatte gestanden, auch Carmen Wieser (19) aus Sillian getötet zu haben. Doch die Daten aus den Lkw-Fahrtenschreibern entlasteten Thäder. <h3> Haiku von „Serialkiller“ beim Kreuz und im Netz</h3>In der Folge wurde bekannt, dass jemand im Jahr 2003 bei dem Kreuz am Rienzufer, das für Ulrike aufgestellt worden war, ein Gedicht abgelegt hatte – ein so genanntes Haiku (traditionelle japanische Gedichtform; Anm. d. Red.). Das Haiku war auch in Internet-Foren aufgetaucht – gezeichnet von „Serialkiller“. Die Art und Weise, in der das Gedicht geschrieben war, deutete stark darauf hin, dass der Dichter etwas mit dem Mord zu tun haben könnte. Die Fahndung der Polizei endete jedoch beim Internet-Provider in Wien: Damals war es noch nicht Pflicht, die IP-Adressen der Personen, die auf Internetseiten zugreifen, für längere Zeit zu speichern. Eine weitere Spur, die im Sand verlief. Die Ermittlungen wurden vorerst auf Eis gelegt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="794579_image" /></div> <BR /><BR />Den nächsten Anlauf zur Klärung des Falles nahmen die Ermittler im Februar 2012. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="794582_image" /></div> <h3> Männliche DNS am Tatort sichergestellt</h3>Während der Stein, mit dem Ulrike Reistenhofer erschlagen worden war, keine verwertbaren Spuren aufwies, waren auf der Kleidung Hautfetzen sichergestellt worden. Damals konnte aus den Partikeln aber kein brauchbarer DNS-Code isoliert werden. Nun aber konnten die Forensik-Experten der Uni Innsbruck den Hautfetzen ihren genetischen Fingerabdruck entlocken: Es war eindeutig männliche DNS. Diese wurde gleich mit allen aktenkundigen Straftätern aus Italien, Österreich und Deutschland abgeglichen. Treffer gab es keinen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="792740_image" /></div> <BR /><BR />Im Jahr 2017 kam der Fall zum vorerst letzten Mal in Bewegung. Im Jänner 2014 waren DNS-Spuren am Leichnam der französischen Austausch-Studentin Lucile Klobut (20) sichergestellt worden, die in Kufstein am Ufer des Inn entdeckt worden war. Im November 2016 wurden dann DNS-Spuren in Endingen bei Freiburg an der ermordeten Joggerin Carolin Gruber (27) gesichert. <h3> Mord in Nordtirol: Kein Treffer bei Abgleich </h3>Bundesdeutsche und Nordtiroler Gerichtspolizisten holten bei der Staatsanwaltschaft in Bozen alle rund um die Ermordung von Ulrike Reistenhofer relevanten Informationen und verfügbaren Daten ab. <BR /><BR />Während in den Fällen Klobut und Gruber ein 40-jähriger Lkw-Fahrer aus Rumänien ausgeforscht werden konnte (und für den Mord an Gruber inzwischen auch zu lebenslanger Haft verurteilt wurde), ergab die Überprüfung auf mögliche Überschneidungen mit dem Mord in Ehrenburg ebenso wenig einen Treffer wie der DNS-Abgleich. <BR /><BR />Trotzdem: Wenn jemand den Mörder von Ulrike Reistenhofer noch überführen kann, ist es „Kommissar“ DNS. Die Informationen bleiben im EU-weiten Datennetz gespeichert. Ein Abgleich ist damit auch künftig jederzeit möglich.<h3> <h3> TV-Team begibt sich auf Spurensuche</h3> </h3> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/mordfall-ulrike-reistenhofer-tv-team-begibt-sich-in-suedtirol-auf-spurensuche" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Jetzt versucht die Sendung „Ungelöst – Cold Case Austria“ Licht ins Dunkel in den ungeklärten Mordfall bringen und ist im Juli 2022 zu Dreharbeiten nach Südtirol gekommen.</a> Das TV-Team sprach mit den zuständigen Ermittlern, darunter dem früheren Fahndungsleiter der Polizei, Stefano Mamani, und tauschen sich heute mit dem Generalanwalt am Oberlandesgericht in Bozen, Markus Mayr, aus, der – damals Staatsanwalt am Bozner Landesgericht – die Ermittlungen geleitet hatte.<BR /><BR />„Wenn wir nicht mehr drüber reden, kann sich nichts bewegen“, ist ATV-Reporter Florian Kröppel von „Ungelöst – Cold Case Austria“ überzeugt. Nach dem kürzlichen Durchbruch im 32 Jahre alten Vermisstenfall Evi Rauter könnte das mediale Aufrollen des Falles durchaus auch im „Cold Case“ Reistenhofer die Wende bringen. Jemand könnte etwas gesehen oder gehört haben, einen Verdacht hegen, und falls der- oder diejenige die Sendung sieht, könnte dies entscheidend sein. Ausgestrahlt werden soll der Beitrag im Jänner 2023.