Dabei erörtert sie vor auch die Vorreiterrolle der Universitäten und ruft ein erfolgreiches Pionierprogramm der Technischen Fakultät der Uni Bozen in Erinnerung. <BR /><BR /><BR /><b>Frau Bernardi, wie sehen Sie es, wenn sich die KI gerade anschickt, so gut wie jeden Bereich unseres Lebens zu revolutionieren?</b><BR />Raffaela Bernardi: Viele Jahre lang haben wir uns an den Universitäten fast unbemerkt von der Öffentlichkeit mit der Entwicklung von Sprachmodellen beschäftigt, nun ist es eines der zentralen Themen im öffentlichen Diskurs. Die großen Anbieter haben das Potenzial erkannt und investiert, mittlerweile begleitet uns die KI in vielerlei Hinsicht. <BR /><BR /><BR /><b>Welche grundlegenden Dinge sollte man über die KI wissen?</b><BR />Bernardi: Wir sollten uns der Fehleranfälligkeit dieser Modelle bewusst sein. Auf der einen Seite vermag die KI, komplizierteste Sachverhalte zu lösen, auf der anderen Seite scheitert sie an sehr simplen Fragestellungen. Besonders wichtig ist somit, das große Ganze im Blick zu behalten. Natürlich lässt sich mithilfe von KI vieles schneller und effizienter erledigen, doch auf kritisches Einordnen und Hinterfragen kann der Mensch nicht verzichten.<BR /><BR /><BR /><b>Liegt nicht gerade darin das große Versprechen der KI, dass sie uns Menschen lästige und komplizierte Arbeit abnimmt?</b><BR />Bernardi: Natürlich ist es ein gutes Instrument, um monotone und frustrierende Arbeiten auszulagern. Genau dieser Punkt wird auch von Menschen aus unterschiedlichsten Berufsgruppen betont. Sie sagen: Es geht darum, meine Kompetenzen mithilfe der KI zu schärfen, aber nicht darum, meine eigentliche Tätigkeit zu delegieren. Wenn wir nicht willens sind, mit Wachsamkeit die Ergebnisse zu verifizieren, könnte uns eines Tages unsere Urteilsfähigkeit abhandenkommen. Es wäre ein grober Fehler, das Denken der KI zu überlassen.<BR /><BR /><b>Abgesehen von den Bürgern müssen sich auch Behörden und Institutionen den neuen Entwicklungen stellen – allen voran der Staat und die EU, oder?</b><BR />Bernardi: Natürlich. Die EU nimmt hierbei eine essenzielle Rolle ein, wobei das Bewusstsein hinsichtlich ethischer und juristischer Fragestellungen zur KI allemal vorhanden ist. Aber ja, nun ist es wichtig, die Bürger in den Diskurs über die KI einzubinden. <BR /><b><BR />Hinkt Europa in der Entwicklung den USA und China hoffnungslos hinterher?</b><BR />Bernardi: Die großen Player kommen aus den USA und China, aber Europa hat gerade aus wissenschaftlicher Sicht großen Anteil am Siegeszug dieser neuen Instrumente. Wir an der Uni Bozen haben eine lange Tradition im Bereich Computerlinguistik und haben vor nunmehr 20 Jahren den renommierten Erasmus-Mundus-Master ins Leben gerufen. Viele Studierende von damals arbeiten heute für BigTech-Konzerne wie Amazon, Meta oder OpenAI. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Europa die Zeichen der Zeit erkannt hat.<BR /><BR /><b>Zur Person:</b><BR /><BR />Raffaella Bernardi ist Professorin an der Technischen Fakultät der Freien Universität Bozen mit Forschungsschwerpunkt Computerlinguistik. Zudem ist sie aktives Mitglied der Interessensverbände ACL und AILC, kürzlich war sie EU-Vertreterin im ACL Sponsorship Board.