Der heute 71-Jährige hat einen harten Kampf hinter sich. In einem Gespräch berichtet Rainer, wie es ihm heute geht.<BR /><BR /><BR />Im März 2020 infizierte sich der Altbürgermeister von Freienfeld, Ferdinand Rainer, mit dem Coronavirus. Was er anfänglich für eine Grippe gehalten hatte, entwickelte sich in kürzester Zeit zu einer sehr schweren Erkrankung mit massiven Atemproblemen. Von 16. März bis 12. Juni lag er in den Krankenhäusern von Sterzing und Brixen, davon 5 Wochen intubiert auf der Intensivstation. Die Ärzte gaben ihm sehr geringe Überlebenschancen. <BR /><BR /><BR /><b>Herr Rainer, wie haben Sie die vergangenen 2 Jahre erlebt?</b><BR /><BR />Ferdinand Rainer: 2020 war ein sehr schweres Jahr für mich und meine Familie. Aber bereits im Herbst desselben Jahres ging es langsam aufwärts und jetzt geht es mir sehr gut, ich habe mich erstaunlich gut erholt. Als ich am 15. März 2020 ins Krankenhaus kam, dachte ich, es sei eine leichte Grippe. Nach 7 Tagen musste ich intubiert werden. Als ich im April zum ersten Mal extubiert wurde, konnte ich nicht selbstständig atmen, und ich wurde wieder intubiert. Am 20. April wurde eine Tracheotomie, ein sogenannter Luftröhrenschnitt vorgenommen, der meine Atmung sicherte. Als ich dachte, ich hätte das Schlimmste überstanden, bekam ich erneut Fieber und die Ärzte gaben mir eine sehr, sehr geringe Überlebenschance. Dass ich noch lebe, verdanke ich neben meiner guten Konstitution vor allem den Ärzten in Brixen und Sterzing. Ich stand wegen meines Alters (geb. 1950) und der Bettenknappheit auf der Intensivstation kurz vor der Triage, da mein Überleben als hoffnungslos galt. Mehrere Ärzte setzten sich jedoch für mich ein. Wenn es einer schaffen könne, dann sei das ich, sagten sie. Meiner Familie wurde allerdings gesagt, ich könnte ein Pflegefall bleiben und für den Rest meines Lebens ein Sauerstoffgerät benötigen. Das alles habe ich erst heuer im Sommer erfahren und ich bin den Ärzten unglaublich dankbar, dass sie mich nicht aufgegeben haben. Mein Leben hing mehrmals am seidenen Faden, ob ich auf der Intensivstation ein Bett bekomme, ob ich es behalten kann und ob ich überlebe.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="717443_image" /></div> <BR /><BR /><b>Als Sie Mitte Juni 20 das Krankenhaus verlassen konnten, waren Sie jedoch noch lange nicht gesund.</b><BR /><BR />Rainer: Ich war sehr schwach und abgemagert. Ich hatte während meines Krankenhausaufenthaltes 16 Kilogramm abgenommen, 2 Drittel davon Muskelmasse. Ich konnte nicht mehr gehen, nicht schlucken, ja nicht einmal einen Kugelschreiber halten, so schwach war ich. Das Gehen erlernte ich mit Hilfe eines Rollators, und ich war zwei- bis dreimal die Woche zur Physio- und Ergotherapie und zur Logopädie im Krankenhaus Sterzing. Meine Frau hatte so viel Geduld und sie hat mich mit viel Liebe gepflegt. Ihr verdanke ich neben dem Ärzteteam, den Therapeuten und dem gesamten Pflegepersonal meine Genesung - und natürlich meinen Kindern und Freunden durch ihre aufmunternden Worte und Anrufe.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="717446_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie geht es Ihnen heute?</b><BR /><BR />Rainer: Laut Ärzten bin ich ein medizinisches Wunder. Ich habe nichts zurückbehalten und meine Lunge ist sauber. In der Klinik in Innsbruck, wo ich mich einer speziellen Untersuchung der Lunge unterzog, konnten die Ärzte nicht glauben, dass ich einen so schweren Covid- Verlauf hatte. Ich war vor meiner Erkrankung immer sehr sportlich, bin auf 3000er Berge gestiegen und bin Halbmarathons gelaufen. Im Sommer 2020 konnte ich keine 100 Meter am Stück zurücklegen und fühlte mich unglaublich schwach. Heuer war ich schon auf vielen Almen und Bergen. Aufwärts gehe ich nicht mehr gerne, aber vielleicht ist das auch das Alter (lacht). Ich fühle mich einfach nur sehr wohl und vor allem gesund.<BR /><BR /><b>Haben Sie sich trotz Ihrer Erkrankung impfen gelassen?</b><BR /><BR />Rainer: Ja, bereits zweimal mit dem Impfstoff Moderna. Die erste Dosis habe ich im April, die zweite im November erhalten - eine dritte brauche ich anscheinend nicht.<BR /><BR /><b>Was sagen Sie zur derzeitigen Situation, ist das für Sie nicht wie ein Déjà-vu?</b><BR /><BR />Rainer: Ja, es ist einfach nur schlimm. Ich halte mich an die Wissenschaft, denn so viele Krankheiten wie zum Beispiel Kinderlähmung und Pocken sind dank einer Impfung ausgerottet. Als Mensch haben wir nicht nur Freiheiten, wir haben auch eine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Für Verschwörungstheoretiker und die „No-Vaxer“ habe ich absolut kein Verständnis. Ich appelliere an sie: Lasst euch impfen und tragt Verantwortung! Ich habe überlebt, aber das war ein Wunder. Corona ist kein Witz, Wunder gibt es nicht viele und vor allem nicht auf Abruf.<BR />