Südtirol gilt in Sachen Abfallbewirtschaftung als Vorreiter. Mit ein Grund dafür ist sein dezentrales System, bei dem die Bezirksgemeinschaften eine wichtige Rolle spielen. Laut Vorgabe der staatlichen Aufsichtsbehörde Arera muss der Müll künftig aber in sogenannten funktionalen Einheiten (EGATO) bewirtschaftet werden. 2022 wurden die Weichen gegen den Willen der Gemeinden gestellt – und noch immer liegt man sich in den Haaren, wie EGATO aussehen soll.<BR /><BR /><embed id="dtext86-73247410_quote" /><BR /><BR />Bei einem Treffen mit den Präsidenten der Bezirksgemeinschaften wollen Landeshauptmann Kompatscher und Landesrat Brunner heute zu einer Lösung kommen. „Ich gehe mit mehreren Varianten ergebnisoffen in die Sitzung. Eine davon wäre aber die ideale“, sagt Brunner. <BR /><BR />Konkret soll die ECO-Center, die den Verbrennungsofen führt, als Holding sein, also das landesweite Dach. Daneben soll es vier Tochtergesellschaften der Gemeinden geben, die territorial agieren, Müllsammeldienste ausschreiben und vergeben. Eine Tochter wäre Bozen mit der SEAB, die zweite Gruppe wären die Bezirke im Unterland,Burggrafenamt, Vinschgau, die dritte Salten-Schlern, Eisacktal, Wipptal und die vierte das Pustertal. Bei allen anderen Varianten bleiben rechtliche Grauzonen. <BR /><BR />Theoretisch könnte jede Gemeinde ihr eigenes EGATO bilden, stößt aber an Grenzen, wenn sie Müll an den Verbrennungsofen liefern will, denn der gehört zu 100 Prozent dem Land. Es müsste mit ungewissem Ausgang ausgeschrieben werden.<h3> Zoff um die Führung</h3>Von den Bezirkspräsidenten bläst dem Land ein kalter Wind ins Gesicht. „Bei uns gibt es mit der Müllbewirtschaftung problemlos. Nichts für ungut, aber der Staat sollte weiter unten schauen, was los ist“, sagt Albin Kofler (Salten/Schlern). Eine Bezirksgemeinschaft reiche nicht mehr, es müssten Gruppen sein. Die Bürokratie verursache immer höhere Kosten. „Sogar eine grüne Nummer, wo jeder klagen, rund um die Uhr anrufen kann, wenn sein Müll nicht abgeholt wurde, muss jetzt sein.“ <BR /><BR />Auch Ulrich Ladurner (Burggrafenamt) meldet „große Bedenken“ an. Am schärfsten schießt Robert Steger (Pustertal). „Das Land verkauft uns das EGATO, als gäbe es keine andere Möglichkeit. Mit der Autonomie-Reform erhält Südtirol aber die Zuständigkeit für die Abfallbewirtschaftung. Wir sind dagegen, jetzt zu entscheiden. Vielmehr ist der Spieß umzudrehen und neue Spielräume für ein Landesgesetz auszuloten, die sich mit der Autonomie-Reform ergeben.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-73247414_quote" /><BR /><BR />„Auch nach der Autonomie-Reform werden wir nicht tun können, was wir wollen“, sagt dazu Brunner. Auch er geht davon aus, dass die Müllgebühren steigen. „Aber nicht wegen EGATO, sondern weil viele Gemeinden mit der Kostenwahrheit nicht so genau nehmen.“ Da werde viel aus Gemeindehaushalten zugeschossen, um Gebühren zu dämpfen. Mehr Effizienz sei gefragt. Müll sammeln allein reiche nicht. Es gebe mehrere Modelle. „Zusammenraufen muss man sich aber bei jedem“, so Brunner.