Das Fundament davon bilden Menschen, die auf positive Art und Weise mit dem Theaterbazillus infiziert sind. Einer davon ist Luis Franzelin, Faktotum der ersten Stunde. Er erzählt, was ihn antreibt und warum er nie und nimmer auf die Bühne verzichten könnte. <BR /><BR />Leicht ab vom Schuss liegt das Dörfchen Truden oberhalb von Montan. Die etwas mehr als 1.000 Einwohner sind stolz auf die schöne Lage im Naturpark, auf den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft, auf Musikkapelle und Chor. Das Theater müsse sich dahinter einreihen, zumindest, was die Gunst des Publikums betrifft. So empfindet es Luis Franzelin, einer der wohl umtriebigsten Theaterschaffenden auf dem Reggelberg. „Die Leute kommen zu unseren Aufführungen, aber ein bisschen mehr Zuspruch wäre durchaus drin“, meint er etwas nachdenklich, um auf unprätentiöse Art sogleich seinen Feuereifer für das Theater zu erläutern. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313436_image" /></div> „Wenn ich mich nach einem langen Arbeitstag auf der Bühne ausleben kann, dann ist die Welt in Ordnung, dann fällt alles andere von mir ab“, erzählt er. Im Scheinwerferlicht die „Rampensau“ zu geben ist allerdings nur eine von mehreren Rollen, die Luis Franzelin verkörpert. Für seine Trudner Bühnenleute sucht er die Stücke aus, organisiert die Regie (zuweilen führt er selbst Regie, mitunter auch für die Bühne in Aldein), zimmert das Bühnenbild und stellt dieses auch auf. Ein Faktotum wie im Bilderbuch: geschickt mit den Händen, voller Ideen im Kopf und immer das nächste Vorhaben im Blick. „Ich habe das große Glück, eine verständnisvolle Frau zu haben, eine andere hätte mich längst zum Teufel gejagt“, räumt er ein. <BR /><BR />24 Mitglieder zählt die Theatergruppe Truden derzeit, deren acht bis neun stehen regelmäßig auf der Bühne. Gespielt wird, was den Leuten gefällt. Ein lapidarer Satz, denn die Stückauswahl wird für Luis mit schöner Regelmäßigkeit zur Qual. Es habe Zeiten gegeben, da pflügte er sich durch 30 Stücke, ehe er endlich das passende gefunden hatte. Es gilt ja allerhand zu bedenken: Thema, Besetzung, Zeitgeist, Adaption, Vorlieben der Gruppe und der Regie. „Für mich ist das eine echte Plage, weil ich mich immer weiter reinbeiße und nicht leicht zufrieden bin“, erklärt er. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313439_image" /></div> <BR />Wenngleich ernste Stücke oftmals interessantere Rollen und mehr Tiefgang versprechen, fährt das Publikum eher auf Schwänke und Komödien ab. „Die Leute möchten lieber unterhalten werden, denn der Alltag ist eh ernst und problematisch genug“, zeigt der Trudner eine weithin bekannte Weisheit auf. <BR /><BR />Seit 38 Jahren ist Luis Franzelin (58) bei der Theatergruppe Truden aktiv, zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern gehört er zu den Gründungsmitgliedern. „Der damalige Pfarrer Richard Hofer ist mit der Frage zu uns gekommen, was wir Jugendlichen gerne im Dorf haben möchten, und so sind einige von uns auf das Theater gekommen“, beschreibt er die Anfänge. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass laut Dorfchronik bereits im Jahre 1901 in Truden Theater gespielt wurde, allerdings versandeten 1966 die Aktivitäten. Im Laufe der Jahre haben mehrere Spielleiter von auswärts der Theatergruppe Truden ihren Stempel aufgedrückt, so etwa der einstige Bürgermeister Luis Amplatz, Hubert March, Richard Ranigler sowie Roland Selva. <BR /><BR />Insbesondere Roland Selva entpuppte sich für Luis Franzelin als Leitfigur. Der langjährige Leiter der Freilichtspiele im Unterland hat den Trudnern nicht nur wertvolle Impulse geliefert, sondern einigen von ihnen auch ein Mitwirken bei den Freilichtspielen in Neumarkt ermöglicht. Dabei konnten sie mit einer Besonderheit punkten: ihrer charakteristischen Mundart. „Wenn man einen Bühnenpart im Dialekt spielen kann, erscheint das ganze Stück in einem neuen Licht und das Publikum weiß es sehr zu schätzen“, zeigt Luis auf. <BR /><BR /><BR />In einem breiteren Rahmen könne die Rolle des Theaters zur Pflege der Sprache und der Kultur kaum hoch genug eingeschätzt werden. Dies gelte vor allem für ein Dorf wie Truden, das zusätzlich zu den eingangs erwähnten Eigenschaften auch an der Sprachgrenze liegt. <BR />So gesehen ist der Einsatz von Theaterschaffenden wie Luis Franzelin von immenser Bedeutung – ohne Laienbühnen würde es um Sprache, Traditionen und Dorfgemeinschaft ganz gewiss ein Stück weit ärmer bestellt sein.