Wir konnten ihn noch vor seinem Flug nach Florida in Bremen für ein Interview erreichen. <BR /><BR /><b>Erstmals nach 50 Jahren fliegen wieder Menschen zum Mond, vier Astronauten werden sich weiter von der Erde entfernen als je ein Mensch zuvor. Und auch ein Südtiroler ist an dieser Mission maßgeblich beteiligt. Mit welchem Gefühl fiebern Sie dem Start entgegen?</b><BR />Hagen Patscheider: Mit extrem großer Spannung und Vorfreude. Ich habe gesehen, wie die Rakete zur Startrampe am Cape Canaveral gebracht wird und wie die Vorbereitungen voranschreiten. Die Astronauten müssen bereits zwei Wochen davor in Quarantäne gehen, nun wird es noch Startsimulationen geben. Es deutet aber alles darauf hin, dass am 6. Februar der Countdown für den Abschuss der Rakete abgezählt wird und die etwa zehntägige Mondumrundung im Rahmen der Mission Artemis II durchgezogen wird. <BR /><BR /><b>Werden Sie vor Ort sein?</b><BR />Patscheider: Ja, derzeit bin ich gerade noch in Bremen, aber bald schon geht mein Flug nach Florida. Wir werden die Mondmission gebannt verfolgen. <BR /><BR /><b>Und in welcher Funktion?</b><BR />Patscheider: Seit etwa eineinhalb Jahren bin ich beim Raumfahrt-spezialisten Airbus Defence and Space in Bremen beschäftigt, meine Aufgabe ist die Produktsicherung für das Orion ESM. Dabei handelt es sich um das Europäische Servicemodul, das unter anderem die Triebwerke beinhaltet, sowie Sauerstoff und Wasservorräte für die Astronauten bereithält. Vier Solarpaneele liefern außerdem den Strom für das Raumschiff. Das Modul, in dem sich die vierköpfige Crew befindet, wird hingegen vom amerikanischen Zulieferer Lockheed Martin bereitgestellt. Ich bin zuständig für die Qualitätssicherung dieses ESM-Servicemoduls, achte also zusammen mit meinem Team darauf, dass alles wie gewünscht abläuft. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1267677_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was hat es mit den Artemis-Missionen auf sich?</b><BR />Patscheider: Das Ziel von Artemis II ist die bemannte Mondumrundung. Wir sind bereits mit den Vorbereitungen für die Missionen von Artemis III und Artemis IV beschäftigt. Für Artemis III ist die Mondlandung innerhalb 2028 geplant, Artemis IV verfolgt indessen das Ziel, den ersten bemannten Aufbau einer Raumstation auf dem Mond zu verwirklichen. Hinter all dem steht das große Ziel der Marsmission. <BR /><BR /><b>Der Mensch will also auf den Mond und sogar auf den Mars. Wozu?</b><BR />Patscheider: Ich bekomme diese Frage oft gestellt und kann sie natürlich verstehen, denn auf der Erde gibt es eigentlich genug Probleme zu lösen. Allerdings ist der Forscherdrang doch auch Ausdruck des Menschseins. Stellen wir uns vor, wie unsere Welt ohne die dauerhafte Weiterentwicklung von Technologien aussehen würde. Drastisch gesagt, würden wir dann noch wie die Steinzeitmenschen leben. Es macht doch den Menschen aus, dass er stetig Probleme lösen will und auf diese Art zu bis dato undenkbaren Höchstleistungen fähig war – dazu zählt eben auch die Erkundung des Alls. Und von der Grundlagenforschung in der Raumfahrt profitieren wieder andere Disziplinen wie etwa die Medizin.<BR /><BR /><b>Apropos Mars: Vor ihrer derzeitigen Aufgabe haben Sie an der Entwicklung des Marsmondrovers IDEFIX gearbeitet. Wie ist dort der Stand der Dinge?</b><BR />Patscheider: Ursprünglich war geplant, dass der Rover im Herbst 2024 auf seine Mission geschickt wird, um den Marsmond Phobos zu erkunden. Allerdings konnte das Startfenster aufgrund einiger Kinderkrankheiten der neuentwickelten H3-Rakete der JAXA nicht wahrgenommen werden, sodass der Start heuer im Herbst erfolgen soll. Dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen, denn auch dafür war ich für die Qualitätssicherung verantwortlich. <BR /><BR /><b>Über Ihren Arbeitgeber wirken Sie an Weltraummissionen der NASA mit. Ist in der Raumfahrt die globale Zusammenarbeit weiterhin das Gebot der Stunde, entgegen allen aktuellen geopolitischen Turbulenzen?</b><BR />Patscheider: Durchaus, denn die Projekte sind derart ambitioniert und kostenintensiv, dass sie für ein einzelnes Land kaum zu stemmen wären. Allein unser Servicemodul ESM ist ein riesiges Projekt mit zehn involvierten europäischen Ländern. Die Zeiten des Wettrennens um den Weltraum sind vorbei, mittlerweile setzt man auf Kooperationen. Ich würde mir sehr wünschen, dass dies trotz internationaler Spannungen so bleibt. <BR /><BR /><b>Und ein Südtiroler trägt mit seiner Expertise zum Gelingen dieser Weltraummissionen bei. Eine großartige Sache, oder?</b><BR />Patscheider: Es erfüllt mich mit großer Freude, an derartigen Projekten von historischer Tragweite mitarbeiten zu dürfen. Im vergangenen Sommer war ich erstmals am Kennedy Space Center am Cape Canaveral. Zwei Monate lang habe ich in den gleichen Gebäuden gearbeitet, wo einst die Saturn-V-Rakete der Apollo-Missionen gebaut wurde und später das Space Shuttle entstand. In denselben Räumlichkeiten zu arbeiten, wo sich einst Neill Armstrong, Buzz Aldrin & Co. auf die erste Mondlandung vorbereitet hatten, ist schon etwas ganz Besonderes. Zugleich möchte ich betonen, dass die Zusammenarbeit zwischen den vier unterschiedlichen Partnern (NASA, ESA sowie den Zulieferern Martin Lockheed und Airbus Defence and Space) von großer gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist. Diese Zusammenarbeit ist die Basis für den Erfolg der Artemis-Missionen.