Im Interview blickt sie zurück auf prägende Erlebnisse und die Unsicherheit der Gesellschaft, die sich an der Schule zeigt.<BR /><BR /><b>20 Jahre als Schuldirektorin. Was wird Ihnen immer in Erinnerung bleiben?</b><BR />Michaela Dorfmann: Oh, meine Erlebnisse könnten ein Buch füllen. Was bleibt, sind die Beziehungen mit jenen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, und die Begegnungen mit Eltern und Schülern. Nur eine der prägendsten Situationen: Für einen Schüler, der schon mit Nicht-Versetzungen zu kämpfen hatte, haben wir geschaut, dass er als Privatist antreten kann – denn jeder hat eine Chance verdient. Dieser Schüler kam im Sommer sich dafür zu bedanken. Das zwar lange her, hat mich aber sehr berührt. <BR /><BR /><b> Wie haben sich in diesen 20 Jahren die Kinder verändert? Und die Eltern?</b><BR />Dorfmann: Schule ist insgesamt vielfältiger geworden. Die Unsicherheit der Gesellschaft ist stark zu spüren. Es ist die Sorge der Eltern, was ihre Kinder in Zukunft erwartet, ob sie ihren Platz in der Gesellschaft finden. Diese Unsicherheiten übertragen sich vielfach auch auf die Kinder.<BR /><BR /><b>Wie äußern sich diese Ängste der Eltern?</b><BR />Dorfmann: Ganz unterschiedlich, bei einigen durch Rückzug, bei anderen durch hohe Leistungserwartungen an Kinder oder Umfeld, manche können damit gut umgehen.<BR /><BR /><b>Und die Lehrpersonen?</b><BR />Dorfmann: Sie sind genauso Teil der verunsicherten Gesellschaft und gleichzeitig mit deren vielfältigen Anforderungen konfrontiert. Da ist dann oft die Sorge, dem Druck und allen diesen Erwartungen nicht gerecht werden zu können.<BR /><BR /><b> Sie hatten Schulen mit einem hohen Anteil an Kindern aus Migrationsfamilien. Haben Sie die Zunahme gespürt?</b><BR />Dorfmann: Die Zunahme ist da. Grundsätzlich hat die Vielfalt an der Schule zugenommen und zwar nicht nur die sprachliche. Die Voraussetzungen der Kinder, wenn sie an die Schule kommen, sind sehr unterschiedlich: in der Sozialisierung, in der familiären Begleitung, usw. Das Gesamtpaket macht es oft anspruchsvoll.<BR /><BR /><b>Auch Gewalt an Schulen ist in Meran ein Thema. Ist auch hier ein neues Aufgabenfeld im Wachsen?</b><BR />Dorfmann: Die Gewalt an Schulen hat nicht zugenommen. Heute ist Schule gewaltfreier als früher; sprich vor 20 Jahren und länger. Es wird aber viel mehr hingeschaut. Die Gesellschaft ist sensibler. Von Medien und sozialen Netzwerken wird dieses Thema vermehrt aufgegriffen und geht damit stark in die Breite. Aber an den Schulen wird schon seit Jahren ganz viel in Richtung Prävention, emotionale Bildung, Persönlichkeitsentwicklung und soziales Lernen getan.<BR /><BR /><b>Was bleibt zu tun?</b><BR />Dorfmann: Die Aufgabe für die Schule in den nächsten Jahren ist, sich zu überlegen, wie Schüler sich verstärkt wirksam und kompetent erleben können. Denn wer sich als wirksam erlebt, muss nicht die Fäuste benutzen.<BR /><BR /><b> Das vergangene Schuljahr war ein sehr unruhiges wegen der Lehrerproteste und verärgerter Eltern und Schüler. Für welche Seite haben Sie mehr Verständnis?</b><BR />Dorfmann: Mein Blick richtet sich vor allem auf die Schüler und die Auswirkungen der Protestmaßnahmen. Ich schicke voraus, dass das Jahr in der Schule ein insgesamt ruhiges Jahr war. Ich rede vom Unterricht, nicht vom Drumherum. Viele Projekte wurden als Teil des Unterricht trotzdem durchgeführt. Was wir schon sehen, ist, dass sich einige Klassen wegen nicht stattgefundener Lehrausflüge sich schwerer getan haben, sich in ihrer Sozialstruktur , als Gruppe zusammenzufinden. Im nächsten Jahr gilt es, dies sensibel im Blick zu haben. <BR /><BR /><b>Ab September wechseln Sie ins Schulinspektorat. Genug abgemüht mit Lehrern, Schülern und Eltern?</b><BR />Dorfmann: Nein (lacht), in keinster Weise. Dieser Wechsel ist eine Fortsetzung meines beruflichen Weges von der Lehrerin über die Direktorin zur Inspektorin. Meine vielfältigen Erfahrungen kann ich sicherlich nutzen. Nun darf ich Schule auf einer anderen Ebene kennenlernen und mitgestalten. Darauf freue ich mich.