„Wir hatten kein Geld und kein Büro. Ich habe damals einfach das Cafè Reinstaller am Waltherplatz als Büro benutzt, frühmorgens habe ich mich dort mit meinem Notizbuch platziert und überlegt: Was könnte ich denn heute für den VKE machen?“ <BR /><BR />Wenn Helmut Werth, der heuer seinen 80. Geburtstag feiern darf, auf die abenteuerlichen Anfangsjahre des VKE in den 1970er-Jahren zurückblickt, taucht man in eine längst verblichene Lebensrealität ein. Ohne Smartphone, ohne Computer und ohne jegliche Strukturen, dafür mit reichlich Pioniergeist und Tatendrang machten sich einige unerschrockene Gleichgesinnte für Kinderinteressen stark.<BR /><BR /> Etwas präziser: Sie wollten ermöglichen, dass Kindern in der Stadt Bozen Möglichkeiten zum freien Spielen gewährt werden. Aus heutiger Sicht eine Selbstverständlichkeit. Es gab damals so gut wie keine Spielplätze, die Kinder mussten mit staubigen Plätzen, Straßen und Brachflächen in ihrem Viertel vorliebnehmen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009877_image" /></div> <BR />Ein Umstand, den eine Initiative von Müttern nicht länger hinnehmen wollte. Dabei tat sich im besonderen Maße Gertrud Oberrauch aus Gries hervor, eine überaus couragierte und sehr sozial eingestellte Frau. „Sie ermöglichte eine Vielzahl von Dingen, die ich zwar vorbrachte, aber an denen ich selbst zweifelte – doch zusammen gaben wir ein hervorragendes Gespann ab“, beschreibt Helmut Werth die außergewöhnliche Chemie zwischen den beiden VKE-Persönlichkeiten aus den Gründerjahren. <h3> Die allerersten Projekte</h3>Nach dem Abschluss seines Pädagogikstudiums wusste er nicht so recht, welchen beruflichen Weg er einschlagen könnte und versuchte sich zunächst als Vertreter von Kellereimaschinen. Schnell wurde ihm klar, dass ihm das Verkaufen und der Konkurrenzdruck nicht lag. In jener Zeit setzte die Mutter-Initiative rund um Gertrud Oberrauch bereits erste Projekte um, etwa den allerersten Spielplatz im Herzogpark (1974) und wenig später Kinderfeste am Kaiserberg in Sigmundskron (1975). Bald wurde deutlich, dass es eine Vereinsstruktur brauchte, damit man für öffentliche Beiträge ansuchen konnte. Somit wurde 1974 der VKE aus der Taufe gehoben.<BR /><BR />Als Helmut Werth im Jahre 1979 bei Gertrud Oberrauch anklopfte, um zu fragen, ob er denn nicht womöglich beim VKE angestellt werden könne, meinte sie nur, er könne sofort loslegen. Obwohl es als Vergütung nur „ein Trinkgeld“ gab, gefiel ihm die Aufgabe, da er sich gebraucht fühlte. Immer mehr Eltern und Vertreter von Institutionen deponierten bei ihm Anfragen und Wünsche. Mit der Siedlungspolitik am Lande entstanden auch die ersten Ortsgruppen, bald schon wurde in den Bauleitplänen vorgeschrieben, dass in bestimmten Neubauzonen auch Spielplätze errichtet werden mussten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009880_image" /></div> <BR /> „Ich fuhr viel herum, um die Bauleitpläne zu kontrollieren, gegebenenfalls Rekurse zu machen und viel Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagt der Spielplatzpionier. Ebenso wurden die Schulen sensibilisiert, die Schulhöfe auch nachmittags für die Kinder offen zu halten. Der VKE war mit seiner Aktion „Talferwiesen für alle“ in den späten 1970er-Jahren maßgeblich beteiligt, dass freie Grünflächen erhalten blieben. Irgendwann gab es die Möglichkeit, ein kleines Büro in der „Leonardo da Vinci-Straße“ in Bozen zu beziehen, der überaus sparsame und pragmatische Helmut Werth fragte sich, ob denn das tatsächlich notwendig sei. Rückblickend hat er in dem „düsteren Büro mit dem wackeligen Tisch“ die meiste Zeit seines Lebens verbracht. <h3> Sommerbetreuung: Von 15 auf 7000 Kinder</h3>Je länger das VKE-Faktotum erzählt, desto mehr wird deutlich, was diese Initiative im Laufe der Jahre alles angestoßen hat. In den 1980er-Jahren hat der VKE die erste Sommerbetreuung am Kohlerer Berg für 15 Kinder gemacht, heute werden von den vielen VKE-Sommerinitiativen landesweit 7000 Kinder betreut.<BR />Auf eine Intervention des VKE geht auch der erste übergemeindliche Radweg in Südtirol zurück. Die Idee einer Radtrasse von Bozen bis nach Salurn entlang des Etschlaufes kam von Martin Gschleier, einem VKE-Mitarbeiter in Auer, Helmut Werth griff sie auf und nahm Kontakt auf mit der zuständigen staatlichen Behörde, dem Wassermagistrat Venedig. Überraschend schnell gab es grünes Licht, der VKE überließ die Konzession ohne jegliche Zuschläge dem Land. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009883_image" /></div> <BR /><BR />Mit der Idee, weitere Radwege im Land zu verwirklichen, wandte sich Helmut Werth an den VSS, an den HGV und an den damaligen Landesrat Alois Kofler, nirgendwo fand er Gehör. „Mittlerweile ist ein großes Radwegenetz entstanden, wir waren wohl in mehreren Dingen der Zeit voraus“, meint er und erzählt von großen Spielaktionen in der alten Bozner Messe und von den ersten Ausfahrten mit einem gemieteten Spielbus. Der VKE habe auch als erster Verein in Südtirol Zivildiener beschäftigt, diese personelle Unterstützung sei damals noch verpönt gewesen.<h3> „Es geht weiter. Das ist schön“</h3>Insgesamt hat Helmut Werth mehr als 40 Jahre für den VKE gelebt, deren 25 als hauptamtlicher Angestellter, über 15 Jahre ehrenamtlich. „Es ist erstaunlich, wie es euch gelungen ist, ständig am Puls der Zeit zu bleiben, das wird weiterhin unser Ziel sein“, findet die aktuelle VKE-Landesvorsitzende Franca Riesch de Pasquale. Die heutige Geschäftsführerin Angelika Stuefer fügt hinzu, dass viele der Themen in der heutigen Zeit aktueller denn je seien: das ungezwungene Spiel im Freien, das Bedürfnis nach Bewegung und nach Freiflächen, das interkulturelle Zusammenleben.<BR /><BR />„Ich dachte tatsächlich, dass es den VKE irgendwann mal nicht mehr braucht, weil die Ziele erreicht wurden. Heute ist es schön zu sehen, dass es weitergeht mit so engagierten Leute wie Franca und Angelika.“ Der VKE baut heute auf 24 Ortsstellen mit 223 ehrenamtlichen und über 30 hauptamtlichen Mitarbeitern sowie 3609 Mitgliedsfamilien. Und auf unzählige herumtobende und bestens betreute Kinder.<BR /><BR /><BR /><BR />