Man wartet auf den Postboten, aber er kommt nicht: Diese Erfahrung machen mittlerweile täglich viele Südtirolerinnen und Südtiroler. Der Unmut über die unzureichend funktionierende Dienstleistung wird immer größer. Schon vor Jahren hat das Land Millionen freigeschaufelt, um der Post unter die Arme zu greifen und damit den Dienst in den peripheren Gebieten aufrecht erhalten zu können, die Zweisprachigkeit des Personals zu garantieren usw.. Das Abkommen läuft noch bis 2026. Pro Jahr stehen 11 Millionen bereit – vorausgesetzt es werden bestimmte Qualitätskriterien eingehalten.<BR /><BR />Letzthin hat sich die Situation bei der Postzustellung allerdings wieder massiv verschlechtert. Entweder sie verspätet sich, oder der Postbote kommt erst gar nicht. „Es gibt derzeit Probleme in verschiedenen Sparten. Dies führt zu Verspätungen und Ausfällen“, weiß Monica Messina, Landessekretärin der Postgewerkschaft SLP, um die Misere.<BR /><BR /><h3> Die Gründe für die Misere</h3>Hauptgrund dafür seien die neuen Arbeitszeiten, die die Unternehmensführung kürzlich im Zuge der Neuorganisation der Post eingeführt hat. „Die Briefträger beginnen seitdem etwa eine halbe bzw. eine Dreiviertelstunde später als vorher. Das hat Auswirkungen auf die Qualität der Dienste“, sagt Messina. Dadurch komme es bei der Zustellung der Pakete, Briefe und Zeitungen automatisch zu Verspätungen. Eine Rolle spiele aber auch der Verkehr. Dieser hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, beobachtet Messina. „Beginnt der Briefträger also später mit seiner Arbeit, so steckt er im Stau und die Zustellung verzögert sich“, erklärt sie.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1077588_image" /></div> <BR /> Vor allem die Zeitung sei laut Messina aber nur dann interessant, wenn man sie in der Früh bekommt. Derzeit sei das Ziel, alle Zeitungen bis 13 Uhr zuzustellen – teilweise kommen sie aber erst später an oder eben auch gar nicht. „Das Problem der verspäteten Zustellung betrifft aber nicht nur die Zeitung, sondern z.B. auch Einschreibebriefe“, so Messina. Trifft der Briefträger den Empfänger nicht an, der eine Unterschrift zur Bestätigung des Schreibens machen müsste, könne das Schreiben nicht zugestellt werden.<BR /><BR /><h3> Es fehlt das Personal</h3>Das zweite große Problem ist der Personalmangel, den die Italienische Post in Südtirol hat. Davon betroffen sind nicht nur die Briefträger, sondern auch die Postämter und die Mitarbeiter an den Schaltern. Letzteres sei deshalb ein Problem, weil die Kunden, die einen Brief oder ein Paket nicht zugestellt bekommen haben, direkt ins Postamt gehen. Dadurch komme es , bedingt durch den Personalmangel in den Postämtern, zu langen Wartezeiten. „Kunden der Post lassen ihren Frust dann an Briefträgern oder im Postamt aus. Die Mitarbeiter können aber nichts dafür“, sagt Messina.<BR /><BR />Das Abkommen zur Neuorganisation auf gesamtstaatlicher Ebene wurde in Rom unterschrieben. Das vorgesehene Verteilungssystem eigne sich allerdings nicht für Südtirol. „Man bräuchte hierzulande ein territoriales Abkommen“, fordert Messina. „Wir sind anders, von der Sprache, Kultur und auch von den Produkten her. In Südtirol gibt es neben der Tageszeitung nämlich auch noch weitere zahlreiche Zeitungen oder Dorfblätter, die ebenfalls zugestellt werden müssen.“<BR /><BR /><h3> Keiner will Verantwortung übernehmen</h3>Die vielen Probleme würden den Job unattraktiv machen und es gestaltet sich immer schwieriger, neues Personal zu finden, unterstreicht die SLP-Landessekretärin. Zwar gebe es in der nächsten Zeit einige Neuanstellungen bei den Briefträgern, für den Schalterdienst seien jedoch keine neuen Mitarbeiter vorgesehen. „Auch dort wird aber dringend neues Personal benötigt“ betont Messina. „Es ist wichtig, dass alle gemeinsam eine passende Lösung finden. Der Postdienst geht uns alle etwas an.“<BR /><BR />Wer die Verantwortung für die Neuorganisation und dem damit einhergehenden Dilemma trägt, das könne sie nicht sagen, so Messina. „Das wurde in Rom so entschieden. Wir müssen es jetzt ausbaden“, meint sie. Eine Nachfrage im Pressebüro der Post in der Zone Nordost blieb erfolglos. Der Kommunikationsbeauftragte war schlichtweg nicht erreichbar.