Dienstag, 16. April 2019

Der Schrecken von Notre-Dame fasziniert Touristen und Pariser

Voll ist es rund um Notre-Dame immer. Doch so voll wie am Tag nach dem schrecklichen Feuer, das die weltberühmte Kathedrale schwer beschädigt hat, ist dann doch selten. Das Gelände rund um die Kirche ist zwar strikt abgesperrt. Doch auf den Brücken über die Seine zur Île de la Cité ist kein Durchkommen mehr. Denn von dort aus kann man es sehr gut sehen – das Drama von Paris. Eine Kathedrale, ihr Dach vom Feuer zerfressen, ein Turm weniger. Stolz steht sie noch, aber schwer angeschlagen.

Auch die schwer beschädigte Kathedrale Notre-Dame ist ein Publikumsmagnet.
Auch die schwer beschädigte Kathedrale Notre-Dame ist ein Publikumsmagnet. - Foto: © APA/AFP

Sicher, Notre-Dame mit ihren zwei berühmten Türmen im Herzen von Paris ist immer ein Fotomotiv. Doch so viele Fotos wie an diesem Dienstag von der Kathedrale geschossen werden – es dürfte rekordverdächtig sein. Der ein oder andere findet auch ein Selfie passend. Wie aufgefädelt stehen die Menschen an den Brückengeländern. Glück hat, wer einen freien Platz zum Fotografieren findet. Und dann bitte auch schnell, der nächste wartet schon. An manchen Stellen muss die Polizei den Verkehr regeln, um Kollisionen zu vermeiden.

Es sind Touristen und Pariser – vereint im Schrecken über die Katastrophe. Und irgendwie auch fasziniert – denn wann passiert so etwas schon mal. Mancher hat sich auf einem Stuhl in einer der Brasserien niedergelassen, die das Flussufer säumen. Bester Blick, ein Glas Wein dazu. Andere hoffen gar auf ein wenig Ruhm, schließlich stehen überall Kameras. „Vielleicht kommen wir ja ins Fernsehen“, sagt eine Mutter zu ihrem Kind und zückt sogleich selbst das Handy.

Rote Stadtrundfahrtbusse donnern die Straße entlang. Wird der Blick auf Notre-Dame endlich frei, halten sie. Auf der obersten Etage wird es wuselig – schnell ein Foto, und noch eins. Einige Pariser wollen sich offenbar nicht so ganz von ihrer Routine abbringen lassen, joggen am Ufer entlang, schlängeln sich durch Menschenmassen. Der Blick dabei aber immer irgendwie nicht nach vorn, sondern zur Seite gerichtet. Richtung „Notre Drame“ – unser Drama.

dpa

stol