Für viele Frauen, aber auch Männer ist das Alltag. Doch statt zum Arzt oder zur Physiotherapeutin zu gehen, wird die Steifigkeit mit Stoizismus ertragen. „Das geht schon wieder weg“, lautet das stille Mantra. Meistens vergeht es aber nicht. Es wird schlimmer.<BR /><b><h3> Was steckt hinter dieser Körpererfahrung?</h3> </b><BR /><BR />Doch was hat es damit auf sich? Und warum ist ausgerechnet Pilates – oft als „Frauensache“ abgetan – zusammen mit gezieltem Beckenbodentraining eine der wirksamsten Antworten, gerade auch für Männer?<BR /><BR />Der männliche Körper ist von Natur aus steifer. Studien zeigen konsistent, dass Männer im Durchschnitt weniger beweglich sind als Frauen. Der Grund liegt zu einem guten Teil in der Biologie: Das weibliche Hormon Östrogen fördert die Dehnbarkeit von Bändern und Sehnen. Testosteron hingegen begünstigt den Muskelaufbau, macht das Bindegewebe aber kompakter und weniger elastisch. Hinzu kommt, dass Männer in der Hüftmorphologie anatomisch anders gebaut sind: Das männliche Becken ist schmaler und steiler, die Hüftpfannen liegen enger zusammen – was die Bewegungsfreiheit im Hüftgelenk von vornherein einschränkt.<BR /><BR /> Dieser Umstand hemmt viele Männer, zum Yoga oder Pilates zu gehen, da sie oft denken: „Dafür muss ich beweglich sein!“ Oder: „Was denken die anderen?“Hinzu kommt das Verhalten. Wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, verkürzt systematisch die Hüftbeuger – jene Muskeln, die die Oberschenkel mit dem Rumpf verbinden.<BR /><BR />Der Iliopsoas, der wichtigste Hüftbeuger, zieht sich bei stundenlangem Sitzen zusammen wie ein Gummiband, das man permanent auf Spannung hält. Wechselt man dann in die Freizeit und belastet den Körper mit Sport – oft einseitig, oft ohne Ausgleich –, entstehen muskuläre Ungleichgewichte, die sich mit der Zeit als Schmerzen und Einschränkungen manifestieren.Viele Männer trainieren nur das, was man im Spiegel sieht: Brust, Arme, Schultern. Der hintere Rumpf, die Hüfte, der Beckenboden – all das bleibt leider auf der Strecke. Und genau dort entsteht das Problem.<h3>Der Beckenboden: das verborgene Fundament</h3>Spricht man Männer auf den Beckenboden an, erntet man oft ein Stirnrunzeln. Der Beckenboden, das ist doch etwas für Schwangere und Frauen nach der Geburt, oder? Weit gefehlt. Der Beckenboden ist ein muskuläres Geflecht, das die untere Öffnung des knöchernen Beckens verschließt. Er trägt die Organe im Bauchraum, stabilisiert die Wirbelsäule, kontrolliert Blasen- und Darmfunktion und spielt eine zentrale Rolle bei der sexuellen Gesundheit.<h3>Gerade deshalb: Männer, überwindet euch!</h3>Die größte Hürde ist oft nicht der Körper, sondern der Kopf. In Südtirol – wie in vielen alpinen, traditionell geprägten Gesellschaften – gilt der Körper als Arbeitsgerät. Man schont ihn nicht, man pflegt ihn nicht, man hört nicht auf ihn. Männer, die zur Yoga-Matte greifen oder sich zum Pilates-Kurs anmelden, müssen in manchen Kreisen noch immer mit spöttischen Blicken rechnen.<h3>Doch das Bild wandelt sich – auch hier im Land.</h3>Immer mehr Männer – viele davon Leistungssportler oder körperlich hart arbeitende Handwerker – entdecken Pilates und Körperbewusstseinstraining als das, was es ist: eine Form von Stärke. Es erfordert Konzentration, Ausdauer und die Bereitschaft, ehrlich mit den eigenen Grenzen umzugehen. Das ist alles andere als schwach. Profifußballer wie Cristiano Ronaldo, Schwimmer wie Michael Phelps oder „unser“ Tennisprofi Jannik Sinner trainieren seit Jahren mit Pilates-Elementen. Nicht weil es modisch ist, sondern weil es funktioniert.