Die Herausforderungen im Umgang mit der EU reichen von Klimapolitik bis zu Verkehr und Regionalentwicklung. Wichtig ist ihm dabei, Allianzen zu schaffen, erklärt er im Interview.<BR /><BR /><b>Unter Außenbeziehungen des Landes Tirol können sich die meisten Leute vermutlich wenig vorstellen. Was sind die Aufgaben der Abteilung kurz gefasst?</b><BR />Simon Lochmann: Außenpolitik ist kein Monopol der Staaten, sondern auch die Länder sind außenpolitisch aktiv. Da gibt es mehrere Ebenen: Einmal die bilaterale, eine zweite, ganz wichtige, ist Europa. Denn die Gesetzgebung findet heute häufig in Brüssel statt, und die Umsetzung betrifft dann ebenso häufig uns Regionen vor Ort. Die Beobachtung der EU-Gesetzgebung ist deshalb eine ganz wichtige Aufgabe, bei der wir uns mit anderen Bundesländern, den Nachbarregionen und dem Bund abstimmen. Ein weiterer Bereich ist die internationale Entwicklungszusammenarbeit. Ein Beispiel ist das gemeinsame Projekt Uganda-Tansania, wo es um Nahrungsmittelsicherheit, Zugang zu sauberem Trinkwasser oder die Unterstützung von Kleinunternehmen für wirtschaftliche lokale Impulse geht.<BR /><BR /><b>Offizielle Statements kommen aber sicher von der Politik. Darf man sich die Abteilung dann wie Diplomatie oder Diplomaten vorstellen?</b><BR />Lochmann: Ja, das kann man durchaus so sehen, aber natürlich in einem bescheidenen Ausmaß. Wobei wir uns selbstverständlich an das Subsidiaritätsprinzip halten: Was betrifft die Länder und was ist tatsächlich unsere Kompetenz oder von Relevanz für uns? Was mittlerweile doch beträchtlich ist. Und das ist sicherlich wieder auf Brüssel zurückzuführen, wo zahlreiche Dossiers behandelt werden. Für uns ist es dabei wichtig, zu filtern, was von besonderer Bedeutung für unsere Region ist. Das reicht von klassischen Regionalthemen über Umweltpolitik, Verkehrspolitik und vieles mehr. Dabei stimmt man sich mit den Fachabteilungen des Landes ab und versucht in weiterer Folge Allianzen zu bilden, um die eigenen Interessen in Brüssel bestmöglich zu vertreten. Besonders trifft das auf die alpinen Regionen in der ARGE ALP zu und natürlich innerhalb unserer Euregio. <BR /><BR /><b>Ein wichtiger Teil der Außenbeziehungen betrifft die Euregio und den Nachbarn Bayern. Da herrscht in manchen Fragen nicht immer Einigkeit. Wird da versucht, „hinter den Kulissen“ Einklang herzustellen?</b><BR />Lochmann: Die Eigenheit des Bundeslandes Tirol ist, dass wir uns in einer Sandwich-Position zwischen Italien und Deutschland befinden. Mit Südtirol gibt es generell einen starken und engen Austausch, aber auch Richtung Norden möchten wir die Vernetzung mit den Nachbarregionen, wie zum Beispiel Bayern verstärken. Dort gibt es auch Euregios. Die sind zwar nicht so stark institutionalisiert wie die mit Südtirol und dem Trentino, aber inzwischen haben wir über den gesamten Nordtiroler Raum Euregios mit Bayern. Und da versuchen wir innerhalb der Leitlinien, die von der Politik vorgegeben werden, die Zusammenarbeit voranzutreiben.<BR /><BR /><b>Die Abteilung ist für die Interessensvertretung des Bundeslandes oder auch der Euregio in der EU zuständig. Geht da für so ein kleines Land oder eine kleine Region überhaupt etwas angesichts der großen Länder, der Industrie-Lobby …?</b><BR />Lochmann: Natürlich gibt es in Brüssel Abertausende von eingetragenen Lobbyisten, aber so ganz unterschätzen dürfen wir uns selbst nicht. Immerhin sind wir innerhalb der Euregio auch 1,8 Millionen Menschen. Und wenn wir mit einer Stimme sprechen, dann sind wir, gerade was den alpinen Bereich betrifft, sehr oft Wortführer. Es ist ganz wichtig, in Brüssel präsent zu sein. Denn wenn man es nicht ist, gerade bei alpinen Themen, dann hat man keine Stimme und es wird ohne einen entschieden.<BR /><BR /><b>Was sind denn die größten Herausforderungen in den Außenbeziehungen in nächster Zeit?</b><BR />Lochmann: In unserem Zuständigkeitsbereich gibt es mehr als genug Themen, die uns alle betreffen: Das ist einmal der Klimaschutz, der Katastrophenschutz. Aber auch klassische Fragen, wie Landflucht oder ländliche Entwicklung. Je besser wir da in den alpinen Regionen vernetzt sind, desto mehr Gehör finden wir. Ein kleines Beispiel: Im Ausschuss der Regionen sprechen wir sehr häufig über erneuerbare Energien, wobei immer die Wind- oder Solarenergie hervorgehoben wird, aber die Wasserkraft so gut wie nie. Da ist es im Interesse der alpinen Regionen, dass auch die Wasserkraft als nachhaltige Energie in den Beschlüssen vorkommt. Und darauf schauen wir.<BR /><BR /><b>Sind Sie als Südtiroler, der viel von Grenzregionen, grenzüberschreitendem Arbeiten versteht, eigentlich prädestiniert für diese Position?</b><BR />Lochmann: Ich glaube, es hat neben der Herkunft viel mit persönlichem Interesse zu tun. Ich habe mich immer für Sprachen interessiert, war schon zu Studienzeiten sehr viel in Europa unterwegs. Und als mich der Ruf in das Büro des früheren Landeshauptmannes Günther Platter ereilte, war das eine große Chance und eine große Ehre. Da habe ich viel gelernt und kann aus dieser Erfahrung heraus sicherlich einen kleinen Beitrag, speziell in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, leisten. Als Südtiroler, der in Nordtirol lebt, ist es natürlich ein besonderes Privileg, tagtäglich für eine stärkere Zusammenarbeit meiner 2 Heimaten arbeiten zu dürfen. Ich möchte dazu beitragen, die Menschen auch abseits der politischen Ebene zusammenzubringen, denn Zusammenarbeit funktioniert nur durch das Kennen und gegenseitiges Vertrauen.<BR /><BR /><b>Ist dieser Job jetzt politischer oder unpolitischer als der vorherige?</b><BR />Lochmann: Ich bin jetzt sozusagen ein klassischer Beamter, wobei die Abteilung Südtirol, Europaregion und Außenbeziehungen sicherlich immer eine Portion politische Komponente haben wird.<BR /><BR /><BR />ZUR PERSON<BR /><BR /><BR />Seit April ist der gebürtige Tisner Simon Lochmann Vorstand der Abteilung Südtirol, Europaregion und Außenbeziehungen des Bundeslandes Tirol. Zuvor war der heute 44-Jährige im Kabinett des früheren Landeshauptmannes Günther Platter dessen persönlicher Referent, außerdem Leiter des Tirol-Büros in Brüssel. Platter holte Lochmann 2017 von der Brennerbasistunnel-Gesellschaft BBT SE, wo der Südtiroler 8 Jahre lang für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig war. Lochmann lebt mit seiner Familie in Telfes im Stubaital.<BR />