Sonntag, 17. Januar 2016

Der Taschendieb im Beichtstuhl

„Hosch schun gheart? Bei die Fränzi homse in der Kirch 15 Briaftaschn gfundn!“ Dieser Satz, in einem bekannten Bozner Altstadtlokal aufgeschnappt, gab Zett-Redakteur Johannes Vötter den Anstoß, der Sache auf den Grund zu gehen.

Eine menschenleere Kirche ist ein idealer Ort, um zu beten – und unbeobachtet Diebesgut zu sortieren. In der Franziskanerkirche ist das eine regelrechte Plage geworden.
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Eine menschenleere Kirche ist ein idealer Ort, um zu beten – und unbeobachtet Diebesgut zu sortieren. In der Franziskanerkirche ist das eine regelrechte Plage geworden. - Foto: © STOL

Wie sich herausstellte, stimmt dieses Gerücht. Immer öfter ziehen sich Taschendiebe in Beichtstühle in den Kirchen zurück, um dort in Ruhe die gestohlenen Portemonnais zu leeren. Die leeren Brieftaschen werden dann in der Kirche zurückgelassen.

So wie im Falle einer jungen Kastelruther Mutter: Auch ihr war, wie so vielen anderen in der Vorweihnachtszeit, die Brieftasche gestohlen worden. Die Verzweiflung war groß, die Dokumente und vor allem Erinnerungsbilder schienen für immer verloren.

Bis dann vor Weihnachten ein kleines Wunder passierte und das Telefon klingelte: Am Apparat ein Franziskaner-Mönch, der erzählte, er habe mehrere leere Portemonnaies gefunden und eines davon gehöre ihr. Im Beichtstuhl seien die offensichtlich gestohlenen Taschen gelegen, wie sich die Gesprächsrunde dann lachend erzählt – und zum heiteren Schluss kommt: „Es gib holt decht no ehrliche Diebe!“

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Die ausführliche Reportage über die Taschendieb-Plage in der Bozner Franziskanerkirche finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Sonntagszeitung "Zett".

stol