Wo und warum der Käfer zum Problem wird, erklärt Christoph Hintner, der Amtsdirektor des Forstinspektorats Brixen, im Interview. Außerdem schildert er, was Waldbesitzer jetzt tun müssen.<BR /><BR /><b>Der Borkenkäfer bzw. die Schäden, die er in den heimischen Wäldern anrichtet, sind zurzeit in aller Munde. Wie ist die Situation im Eisacktal?</b><BR />Christoph Hintner (im Bild unten): Die Situation ist auch im Eisacktal sehr angespannt. Im Vorjahr hatten wir noch wenige Schäden, heuer haben sie sehr stark zugenommen. Die Schäden sind vor allem im Juli ersichtlich geworden. Aufgrund des Erstbefalls im Frühjahrs sind sehr viele Baumgruppen abgestorben, die jetzt im Gelände gut ersichtlich sind. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="798848_image" /></div> <BR /><BR /><b><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Gibt es Gebiete, die besonders stark betroffen sind?</b><BR />Hintner: Ja, vor allem Kastelruth, die Eingänge zum Grödnertal, auch Villnöß, Lüsen, Barbian sowie Weitental und Pfunders. Kleinere Schäden kann man aber im ganzen Eisacktal beobachten.<BR /><b><BR />Sind das die Gebiete, in denen es in den vergangenen Jahren Windwurf- und Schneedruckschäden gegeben hat?</b><BR />Hintner: Ja, das sind Gebiete, wo es 2018 Vaja-Sturmschäden oder 2019 und 2020 Schneedruckschäden gegeben hat. Durch diese hat sich eine Borkenkäfer-Population aufgebaut, die sich jetzt auswirkt.<BR /><BR /><b>Wären die Waldeigentümer nicht dazu verpflichtet gewesen, das Schadholz innerhalb einer gewissen Frist zu entfernen?</b><BR />Hintner: Das wurde zum Teil auch gemacht. Es gibt aber gewisse Grenzen. Ein Problem u.a. ist, dass nicht ausreichend Waldarbeiterfirmen vorhanden sind. Dazugekommen ist heuer diese ungünstige Witterung, dieser heiße Sommer. Mit dem frühen Vegetationsbeginn hat sich der Borkenkäfer sehr früh und schnell entwickeln können. Zudem sind die Fichten einem starken Wasserstress ausgesetzt.<BR /><BR /><b>Das bedeutet, vor allem Fichten sind befallen?</b><BR />Hintner: In tieferen Lagen ist auch die Kiefer betroffen. Aber hier kommen andere Borkenkäfer-Arten vor, die nicht so aggressiv sind wie der Buchdrucker. Die Fichte ist im Vergleich zu anderen Baumarten aufgrund ihres flachen Wurzelsystems anfälliger für Hitzestress. Wenn eine Fichte von Borkenkäfern befallen wird, fängt sie normalerweise an, stark zu harzen. Heuer haben wir beobachtet, dass die Fichte wegen des Trockenstresses kaum Harz ausgebildet hat und damit anfälliger für den Borkenkäfer ist.<BR /><BR /><b>Kann man die Menge des befallenen Waldes beziffern? </b><BR />Hintner: Nein, wir sind erst dabei, das zu erheben. Dazu kommt, dass sich gerade die zweite Borkenkäfer-Generation entwickelt. Die davon befallenen Flächen werden erst im September ersichtlich. Die abgestorbenen Flächen, die wir jetzt sehen, stammen von der ersten Generation, die sich ausgebildet hat. Aufgrund der klimatischen Bedingungen wäre es auch möglich, dass sich noch eine dritte Generation ausbildet. Das hängt vom weiteren Witterungsverlauf ab.<BR /><BR /><b>Ist auch Schutzwald befallen? </b><BR />Hintner: Ja, vor allem im Weitental oder am Eingang ins Grödnertal die Hänge von der Seiser Alm herunter. Auch zwischen Waidbruck und Gröden und oberhalb von Barbian sind Schutzwälder betroffen. Im Unterschied zum reinen Wirtschaftswald, wo befallene Bäume – auch größere Flächen – entfernt werden, muss man beim Schutzwald von Fall zu Fall entscheiden. Hier ist es wichtig, dass eine Mindestbestockung, also auch abgestorbene Bäume stehen bleiben, um die Schutzfunktion – etwa vor Lawinen oder Steinschlägen – kurzfristig aufrecht zu erhalten. <BR /><BR /><b>Und außer der Entnahme befallener Bäume kann nichts unternommen werden?</b><BR />Hintner: Wo die Möglichkeit besteht, sollten befallene Bäume entfernt werden, solange sich die Larven unter der Rinde ausbilden. Sobald die jungen Käfer ausgeflogen sind, ist es bereits passiert. Was mit riesigem Aufwand verbunden ist und wir im Frühjahr auch gemacht haben, ist, Fangbäume auszulegen. Dabei werden Bäume geschlägert und liegen gelassen, damit sie befallen werden. Nach der Eiablage werden die Bäume entrindet, um diese Käfergeneration zu vernichten. Solche Maßnahmen werden auch gefördert. Der Einsatz von chemischen Mitteln ist vom Forstgesetz verboten. <BR /><BR /><b>Werden, wenn die Sommer auch in Zukunft so heiß werden, technische Verbauungen notwendig sein, die die Schutzfunktion des Waldes übernehmen müssen?</b><BR />Hintner: Ja, das könnte langfristig notwendig werden in einigen Gebieten, wo etwa Objektschutzwald betroffen ist, also Wald, wo darunter Straßen oder Ortschaften liegen.