„Ich hoffe sehr, dass es nicht heißt, wir dürfen kein Wasser mehr stauen oder müssen gar Wasser ablassen. Der Füllstand unserer Stauseen liegt derzeit 40 Prozent unter dem langjährigen Mittel“, sagt Alperia-Chef Luis Amort. <BR /><BR />Italien leidet unter extremer Hitze und anhaltender Trockenheit. Der Po führt 80 Prozent weniger Wasserreserven. Jene für die Bewässerung reichen nach Angaben der Behörden nur noch für eine Woche. Um Schäden an den Feldern durch das Eindringen von salzhaltigem Wasser zu verhindern, wurde die Bewässerung in einigen Gebieten bereits eingestellt.<BR /><BR />Im Einzugsgebiet der Etsch ist für heute ein Treffen des koordinierenden Komitees einberufen, dem mehrere Regionen angehören. Einschränkende Maßnahmen beim Wasserverbrauch werden erwartet. „Denn wir sind am Limit“, sagt Roberto Dinale, Direktor des Landesamtes für Hydrologie und Stauanlagen. Seit vier Tagen liege der Durchfluss der Etsch im Mündungsgebiet bei Boara Pisani unter der Mindestmenge von 80 Kubikmetern pro Sekunde. Diese Menge müsse garantiert werden, um das Eindringen von Salzwasser aus dem Meer zu verhindern. Dabei geht es nicht nur um die Landwirtschaft, sondern ums Trinkwasser. „Rovigo bezieht sein Trinkwasser zum Teil aus der Etsch“, erklärt Dinale.<BR /><BR />Was aber ist für heute zu erwarten? „Warten wir es ab“, gibt sich Flavio Ruffini von der Umweltagentur zugeknöpft. Naheliegend ist, dass der Landeshauptmann per Verordnung alle Nutzer von Wasser und insbesondere die Landwirtschaft zum Wassersparen aufruft. Tropfberegnungen ausgenommen, darf dann nur mehr bei absoluter Notwendigkeit bewässert werden. Besonders verbrauchsintensive Wasserentnahmen wie das Bewässern großer Gärten oder öffentlicher Parkanlagen müssen zeitlich gestaffelt werden.<h3> Eingriffe in die Wasserwirtschaft denkbar</h3>Denkbar sind aber auch Eingriffe in die Wasserwirtschaft. Das weitere Aufstauen von Wasser in Stauseen könnte untersagt werden, um mehr Abfluss zu garantieren. Letzter Schritt und ultima ratio wäre die Anordnung, Wasser abzulassen. Dies geschieht nicht, indem Schleusen geöffnet werden, sondern indem Stromproduzenten auch in Südtirol und im Trentino verpflichtet würden, z.B. am Wochenende mehr Strom zu produzieren.<BR /><BR />„Ich hoffe sehr, dass es dazu nicht kommt“, sagt Alperia-Direktor Luis Amort. Die sieben Stauseen von Alperia am Reschensee, in Martell, Vernagt, Ulten, Mühlwald, Mühlbach und Franzensfeste befänden sind auf einem historischen Tiefstand. Weil im Winter kaum Schnee fiel und Niederschläge in Form von Regen ausblieben, liege ihr Füllstand 35 bis 40 Prozent unter dem langjährigen Mittelwert. „Normalerweise sind Mai, Juni, Juli und August die besten Monate. Heuer nicht“, so Amort. Natürlich könne man die Stromproduktion garantieren. „Jeder Stausee ist aber auch ein Speicher für die Herbst- und Wintermonate, in denen kein Wasser mehr nachrinnt“, so Amort. <BR /><BR />Sollten Vorgaben kommen, liege es an Alperia zu entscheiden, in welchem Ausmaß sie bei welchem Stausee/Kraftwerk umgesetzt werden. Eines sei aber jetzt schon klar: Die Kraftwerke in Ulten, wo es im Vorjahr zu Problemen am Zugangsstollen des Zoggler-Stausees kam, greife man sicher nicht an, versichert Amort.