Haben Sie es auch gelesen? In Meran rennt ein Zehnjähriger mit Gewehr und Pistolen bewaffnet über den Sportplatz einer Grundschule. Oder das KI-generierte Foto von Elisabeth Rieder (Team K) und Rosmarie Pamer (SVP), die mehr Flüchtlinge in Südtirol fordern? (Worauf sie von einem Kommentator nach Auschwitz ins Gas gewünscht wurden.) Oder die Fotomontage von Pamer in einer Taliban-Burka? <BR /><BR />Wo das zu sehen war, fragen Sie? Genau, in den sozialen Medien. Wie, die Medien lügen? Ach ja, stimmt. Kaum ein Satz ist in den Netzwerken häufiger zu lesen als dieser. Wobei mit „die Medien“ fast immer die etablierten gemeint sind: Tageszeitungen, Nachrichtenportale, Fernsehen, Radio. Also genau jene, die ihre Informationen überprüfen, Quellen offenlegen, Fehler korrigieren und nach journalistischen Standards arbeiten.<BR /><BR />Natürlich machen auch klassische Medien Fehler. Kein Journalist ist unfehlbar, keine Redaktion allwissend. Der Unterschied liegt aber darin, dass hinter einem Zeitungsartikel oder einem Onlinebericht ein System von Kontrolle existiert: Redakteure, Dokumentation, Gegenlesen, Presserecht. Wer grob falsch informiert, kann geklagt werden. Wer Unsinn schreibt, verliert Glaubwürdigkeit – und Leser.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74881729_quote" /><BR /><BR />In sozialen Medien kann jeder alles behaupten. Ohne Faktencheck, ohne Verantwortung, oft anonym. Hauptsache, die Empörung läuft. Denn davon leben die Plattformen. Nicht Ausgewogenheit bringt Reichweite, sondern Zuspitzung. Nicht Differenzierung wird belohnt, sondern Wut. Der Algorithmus funktioniert nach einem simplen Prinzip: Was starke Emotionen auslöst, bleibt länger im Feed – und spült mehr Werbegeld in die Konzernkassen.<BR /><BR />Die Folgen sieht man täglich. Krasse Falschmeldungen verbreiten sich rasend schnell, Verschwörungstheorien erreichen Millionen Menschen, Beschimpfungen ersetzen Debatten. Und weil die Algorithmen den Nutzern vor allem Inhalte zeigen, die ihre Meinung bestätigen, entstehen Echokammern. Wer einmal in einer Blase gelandet ist, bekommt immer mehr vom Gleichen serviert. Andere Sichtweisen? Unerwünscht.<BR /><BR />Gerade deshalb sind etablierte Medien wichtig. Nicht weil sie perfekt wären, sondern weil sie sich um Ausgewogenheit bemühen müssen. Weil Journalismus nicht bloß Meinung ist, sondern Einordnung, Recherche und Verantwortung. Und weil eine Demokratie ohne verlässliche Informationen auf Dauer nicht funktionieren kann.<BR /><BR />Man muss Zeitungen nicht immer mögen. Man darf Medien kritisieren, selbstverständlich. Aber der Unterschied zwischen Journalismus und Meinungsmache sollte uns bewusst bleiben. Sonst landen wir in einer Welt, in der nicht mehr zählt, was wahr ist – sondern nur noch, was am lautesten geschrien wird.<BR /><BR /> <a href="mailto:klaus.innerhofer@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">klaus.innerhofer@athesia.it</a><BR /><BR /><b> <a href="https://www.stol.it/tag/Kommentar" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Mehr Kommentare und Analysen auf STOL finden Sie hier. </a></b>