Die Haftanordnung erging auf Betreiben der Staatsanwaltschaft von Termini Imerese bei Palermo.<BR /><BR />Der in Deutschland geborene Prediger leitete eine kleine Gemeinschaft von etwa 15 Personen, darunter zwei Kinder im Alter von 7 und 11 Jahren, die unter prekären Bedingungen im Wald im Norden Siziliens lebten. Die Kinder, darunter eines mit deutscher Staatsangehörigkeit, wurden auf Anordnung der Jugendstaatsanwaltschaft den Großeltern mütterlicherseits anvertraut. <BR /><BR />Während Mark Ravikiran Koppikar in einer komfortablen Unterkunft lebte, hausten die übrigen Mitglieder in einem abgelegenen Haus ohne Strom, Fernseher, Telefon und Bad. Die Kinder übernachteten in einem feuchten Raum auf einer Luftmatratze und besuchten nicht die Schule. Zudem erhielten die Kinder unzureichend Nahrung, sie können weder lesen noch zählen - Dokumente oder Ausweise besitzen sie ebenfalls nicht. Laut Medienberichten zwang der Guru sie zu nächtlichen „Rundgängen“ um das Haus, bei denen sie mit Stirnlampen patrouillieren mussten, um die Erwachsenen über mögliche Fremde oder verdächtige Personen zu informieren.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1296045_image" /></div> <BR /><BR />Mark Ravikiran Koppikar wurde in Deutschland als Sohn eines indischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Er studierte Psychologie und wurde 1997 in zentralamerikanischen Schamanismus eingeweiht. Bereits in jungen Jahren widmete er sich den spirituellen Traditionen des Hinduismus und Buddhismus. Seitdem tritt er weltweit als spiritueller Lehrer auf und veranstaltet per Internet und live sogenannte „Satsangs“ (Sanskrit: „Treffen in der Wahrheit“) in Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritannien und Italien. 2017 war er nach Sizilien gezogen. So hielt er sich länger auf der Insel Stromboli und dann in Palermo auf. <BR /><BR />Bei den Treffen mit seinen Anhängern predigt er ein natürliches Leben abseits vom Materiellen. Im Jahr 2022 erwarb er das Glenborrodale Castle, ein historisches Gebäude aus dem Jahr 1902 mit Blick auf den Loch Sunart in Schottland, für rund 3,75 Millionen Pfund. Ziel war, das Schloss in einen spirituellen Rückzugsort für seine Gemeinschaft zu verwandeln. Das Projekt endete jedoch abrupt: Nach erheblichen Schulden mussten der Mann und seine Anhänger Schottland verlassen. Die Immobilie musste aufwendig restauriert werden, und der Wiederverkaufspreis sank auf 2,35 Millionen Pfund. Die mit dem Guru verbundenen Unternehmen gingen bankrott, während er weiterhin Spenden aus aller Welt erhielt und zwischen europäischen Städten herumreiste. Auf seiner Website präsentiert er sich als Nachkomme einer alten Brahmanenfamilie. Seine Online-Präsenz zieht Tausende Follower an, und seine kostenpflichtigen Beratungssitzungen sind weltweit zugänglich.<BR /><BR />Ermittler stellten fest, dass die Mitglieder seiner Gemeinschaft nicht aus Randgruppen stammen. Eine der Frauen, die zusammen mit ihren beiden Kindern aus dem Haus im Wald entfernt wurde, hatte eine fundierte Ausbildung und eine erfolgreiche Karriere in der internationalen Architektur, bevor sie sich dem Guru anschloss. Nach der Begegnung mit Mark Ravikiran Koppikar entfernte sie sich schrittweise von ihrer Herkunftsfamilie und übernahm schließlich die Rolle der Treuhänderin einer mit dem Guru verbundenen Londoner Stiftung. <BR /><BR />Die Ermittlungen gegen den Prediger begannen vor etwa einem Monat, als sich der Großvater des 11-jährigen Kindes an die Polizei wandte, um die Manipulationen zu melden, denen seine Tochter durch die Gemeinschaft ausgesetzt gewesen sein soll. In der Anzeige berichtete der Geschäftsmann aus Palermo, dass seine Tochter große Summen mit Bankkarten und Kreditkarten der Familie ausgegeben habe.<BR />Die Staatsanwaltschaft von Termini Imerese untersucht nun die interne Struktur der Gemeinschaft, die genaue Rolle des Gurus, den Strom der Finanzierungen, die Spendenverwaltung und den Grad der Kontrolle über die Anhänger. Noch unklar ist, ob es Hinweise auf psychologische Manipulation, illegale Geldverwaltung oder weitere Straftaten gibt.