Dienstag, 16. Juni 2015

Deutscher stirbt an Mers-Folgen – Noch mehr Infizierte in Südkorea

Lange kämpften die Ärzte einer Klinik in Niedersachsen um das Leben eines Mers-Patienten. Jetzt ist der 65-Jährige tot. In Südkorea stehen Tausende Menschen wegen Mers unter Quarantäne.

Die Produktion von Mundschutzmasken läuft in Südkorea wegen der Mers-Epidemie auf Hochtouren.
Die Produktion von Mundschutzmasken läuft in Südkorea wegen der Mers-Epidemie auf Hochtouren. - Foto: © APA/EPA

Erstmals ist ein Deutscher im eigenen Land an den Folgen einer Mers-Erkrankung gestorben. Der 65-Jährige erlag bereits in der Nacht zum 6. Juni in einem Krankenhaus im niedersächsischen Ostercappeln einer Folgeerkrankung, die auf das Coronavirus zurückzuführen ist, teilten die Niels-Stensen-Kliniken am Dienstag mit.

Nach Informationen der deutschen Nachrichtenagentur dpa führte ein Organversagen zum Tod des Mannes aus Nordrhein-Westfalen. Die niedersächsische Gesundheitsministerin Cornelia Rundt wertete es als großen Erfolg, dass eine Ansteckung anderer Personen verhindert werden konnte.

In Südkorea, das derzeit den größten Mers-Ausbruch außerhalb der arabischen Halbinsel erlebt, starben unterdessen drei weitere Patienten an der Atemwegserkrankung. Die Zahl der Todesfälle stieg auf 19. Bei mittlerweile 154 Menschen wurde das Virus nachgewiesen.

Der Deutsche hatte sich im Februar im Urlaub in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit dem Erreger Mers-CoV infiziert. Sein Tod kam für die Ärzte überraschend. Nachdem er die Mers-Erkrankung überwunden hatte, war er Mitte Mai von der Isolierstation des Marienhospitals Osnabrück nach Ostercappeln verlegt worden.

„Wir bedauern den Tod dieses Patienten sehr, unser Mitgefühl gilt den Angehörigen, die auf eine Besserung des Gesundheitszustandes gehofft hatten und nun diesen schweren Verlust verkraften müssen“, sagte Ministerin Rundt (SPD). „Mehr als 200 Menschen wurden auf Mers untersucht, es erkrankte keine weitere Person.“

Die Ursache für die Erkrankung des Mannes ist nicht ganz klar. Möglicherweise hatte er sich während seiner Reise auf einem Tiermarkt mit dem Virus angesteckt. Dromedare und Kamele gelten als Überträger der Krankheit. Hinweise darauf, dass der Mann andere Menschen angesteckt hat, gibt es bislang nicht. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach derzeitigem Wissensstand selten.

Der 65-Jährige ist der dritte Mensch, der in Deutschland wegen einer Mers-Infektion behandelt wurde. In München war im März 2013 ein 73-jähriger Mers-Patient aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gestorben. Ein anderer, in Essen behandelter Patient überlebte die Krankheit.

Südkoreas Gesundheitsministerium meldete neben den neuen Todesfällen vier weitere Mers-Patienten. Den Zustand von 16 Kranken bezeichnete die Behörde als instabil. Auch die Zahl der Menschen unter Quarantäne erhöhte sich. Mehr als 5500 Menschen, die sich mit dem Virus angesteckt haben könnten, befänden sich in Isolierstationen oder sollen zu Hause bleiben.

Saudi-Arabien ist das am stärksten von Mers (Middle East Respiratory Syndrome) betroffene Land. Weltweit erstmals tauchte der Erreger im Jahr 2012 auf. Mers gehört zu den Coronaviren, zu denen auch der Sars-Erreger und viele Erkältungsviren zählen. Das Virus kann eine schwere Infektion der Atemwege, Lungenentzündung und Nierenversagen verursachen.

dpa

stol