Donnerstag, 04. August 2016

Deutscher zündet Klopapier an: Naturparadies wird Flammenhölle

Notdurft mit dramatischen Folgen: Fahrlässig setzt ein Deutscher das spanische Urlaubs- und Naturparadies La Palma in Brand. Ob der Aussteiger hinter Gitter muss, ist noch offen.

Die Feuerwehr von La Palma versucht, den Waldbrand unter Kontrolle zu bekommen.
Die Feuerwehr von La Palma versucht, den Waldbrand unter Kontrolle zu bekommen. - Foto: © APA/AFP

Eigentlich wollte sich ein Deutscher nur erleichtern, als er in den Hügeln über der Gemeinde Jedey auf der Kanareninsel La Palma sein Geschäft erledigte. Doch dann kam alles ganz anders. Statt mit dem Verbrennen des verwendeten Toilettenpapiers die Spuren zu verwischen, lösten die züngelnden Fetzen auf dem ausgedörrten Boden des Kiefernwaldes in Windeseile ein Feuer aus. Mit dramatischen Folgen – die dem 27-Jährigen eine Haftstrafe wegen fahrlässiger Brandstiftung einbringen könnten.

54-jähriger Forstbeamter bei Löscharbeiten getötet

„S.S.V.“, so die Initialen des nach Medienberichten in einer Höhle lebenden mutmaßlichen Aussteigers, hatte seine Notdurft nach Erkenntnissen der Behörden am Mittwoch gegen 14 Uhr verrichtet. Abends wurde er von einer Polizei-Patrouille an einer Landstraße in der Nähe des Brandherdes gefasst. Dann weitete das Feuer sich aus: Am Donnerstag hatten die Flammen schon an die 1000 Hektar Waldfläche mit Teilen des Naturparks Cumbre Vieja in Mitleidenschaft gezogen – und einen 54 Jahre alten Forstbeamten das Leben gekostet.

Rund 700 Menschen, deren Häuser vom Feuer bedroht waren, mussten am Donnerstag vorsorglich in Sicherheit gebracht werden. Viele von ihnen verbrachten vor lauter Angst eine schlaflose Nacht. „Man hörte das Brausen der Flammen. Und dann der Rauch, oh nein“, erzählte eine Anwohnerin noch sichtlich mitgenommen und kopfschüttelnd einem Videoreporter der Zeitung „El Mundo“.

Hunderte Feuerwehrleute kämpfen gegen Flammenmeer

Noch am Donnerstag kämpften Hundertschaften der Feuerwehr mit schwerem Gerät gegen die Flammen an, nachdem sie bereits die ganze Nacht im Einsatz gewesen waren. Es war, wie die Nachrichtenagentur efe schrieb, ein „Rennen gegen die Uhr“ – denn die Temperaturen sollten in den 48 Stunden bis Samstag nach und nach auf bis zu 37 Grad ansteigen, die Winde noch stärker werden. Das würde die Löscharbeiten im schwer zugänglichen Gebiet weiter komplizieren.

Der Deutsche „ohne bekannten Wohnsitz“ sollte der paramilitärischen Polizeieinheit Guardia Civil (Zivilgarde) zufolge am Donnerstag einem Untersuchungsrichter in der Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma vorgeführt werden. Er sei geständig, hieß es. Ob es vor Gericht hilft, steht in den Sternen. Brandstifter können in Spanien bei Gefährdung von Menschen zu einem Freiheitsentzug von bis zu 20 Jahren und zu hohen Geldstrafen verurteilt werden.

Haftstrafe gegen Bewährung wahrscheinlich

Da der Deutsche aber sozusagen auf frischer Tat und noch vor einer größeren Ausbreitung des Feuers ertappt wurde, wäre bei einer Verurteilung wohl ein Freiheitsentzug von lediglich sechs bis zwölf Monaten fällig. Beim Verband der spanischen Waldingenieure schäumt man vor Wut: „Das Wahrscheinlichste ist, dass dieser Verbrecher nicht einmal hinter Gitter muss“, heißt es in einer Mitteilung. Haftstrafen unter zwei Jahren werden in Spanien bei nicht vorbestraften Angeklagten normalerweise zur Bewährung ausgesetzt.

dpa

stol