In internen Sitzungen fiel der Begriff „schleichende Italienisierung“. Achammer und die Uni-Spitze sprechen am Dienstag bei Ministerin Anna Maria Bernini vor, um vom Staat eine Ausnahmebestimmung für die Berufung deutschsprachiger Lehrbeauftragter zu erhalten.<BR /><BR />Bei ihrer Gründung waren sich alle einig: Die Uni Bozen sollte keine beliebige italienische Universität, sondern eine Uni mit internationaler Ausrichtung und internationalem Lehrkörper sein. Um nicht nur über italienische Wettbewerbe in erster Linie italienischsprachiges Personal zu erhalten, wurde damals im Bassanini-Gesetz die Sonderregelung eingeführt, dass die Uni Bozen als einzige in Italien 70 Prozent der Professoren aus dem Ausland berufen kann.<h3> „Berufung von Professoren aus dem deutschsprachigen Ausland so gut wie unmöglich“</h3>„In Wahrheit ist die Berufung von Professoren aus dem deutschsprachigen Ausland so gut wie unmöglich“, sagt Landesrat Philipp Achammer. Das europäische Uni-System sei extrem undurchlässig. „Wer in Italien eine Professur erhalten will, muss andernorts bereits über einen Lehrstuhl verfügen, was jede Entwicklungsmöglichkeit für junge Talente versperrt“, so Achammer. Wer aus dem deutschsprachigen Ausland nach Bozen wechsle, müsse zudem Nachteile bei Rente und Steuern in Kauf nehmen.<BR /><BR /> Es ist ein offenes Geheimnis, dass das deutsche Angebot an der Uni Bozen deshalb immer mehr über Gastvorlesungen oder über Professoren abgewickelt wird, die kurz vor der Pension stehen. Selbst an der Uni Brixen gehöre die Hälfte des Lehrkörpers inzwischen Italienern, obwohl 70 Prozent der Studenten deutschsprachig sind und in Zukunft manche italienische Studenten wegbleiben dürften, weil das Trentino ein eigenes Angebot angekündigt hat. Intern soll der Begriff „Italianisierung“ der Uni gefallen sein.<h3> Sonderbestimmung als Lösung des Problems</h3>Achammer will „keine ethnische Debatte“ bringen. Die Dreisprachigkeit der Uni Bozen sei ein Mehrwert und zu schützen. „Wir brauchen eine Sonderbestimmung, um habilitierte Kräfte aus dem Ausland berufen zu können, ohne dass sie bereits eine Professur haben müssen.“ <BR /><BR /> Bisher jedoch versperrte sich das Ministerium einer Durchführungsbestimmung. Eine Ausnahme für Bozen dürfe nicht zum Einfallstor deutscher Professoren in alle Unis Italiens werden. „Uns ist klar, dass es eine Beschränkung auf Bozen braucht“, so Achammer. Auch über eine Regelung mit Staatsgesetz könne man reden. „Die Ausnahmeregelung aber muss her. Sie hat für die Entwicklung der Uni oberste Priorität.“