Freitag, 19. März 2021

Deutschland: Lockdown wird verschärft

Angesichts stark steigender Corona-Infektionszahlen müssen sich die Menschen in Deutschland auf eine erneute Verschärfung des Lockdowns und die Rücknahme von Erleichterungen einstellen. Kanzlerin Angela Merkel wies am Freitag auf die von Bund und Ländern vereinbarte „Notbremse“ ab einer 7-Tage-Inzidenz von 100 hin: „Und wir werden leider auch von dieser Notbremse Gebrauch machen müssen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel will die „Notbremse“ ziehen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel will die „Notbremse“ ziehen. - Foto: © APA (Reuters) / Hannibal Hanschke
„Ich hätte mir gewünscht, dass wir ohne diese Notbremse auskommen, aber das wird nicht möglich sein, wenn ich mir die Entwicklung der letzten Tage anschaue“, betonte Merkel.

Hamburg ging am Freitag bereits voran und kündigte an, schon an diesem Samstag Öffnungen rückgängig zu machen, die erst Anfang vergangener Woche ermöglicht worden waren. Merkel wies darauf hin, dass die 7-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner deutschlandweit schon fast wieder bei 100 liegt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte: „Wir befinden uns in der dritten Welle der Pandemie, die Zahlen steigen, der Anteil der Mutationen ist groß.“ Die kritische Entwicklung sei allein durch Impfen nicht zu stoppen.

„Alle Szenarien, die wir sehen, laufen im Moment darauf hinaus, dass sich die Intensivstationen wieder sehr stark füllen.“ Die steigenden Infektionszahlen könnten bedeuten, dass es vielleicht keine weiteren Öffnungsschritte geben könne, sondern „sogar Schritte rückwärts“ nötig würden.

Der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, sagte: „Das Infektionsgeschehen gewinnt an Dynamik.“ Eine Verschlimmerung der Lage um Ostern, vergleichbar mit der Zeit vor Weihnachten, sei gut möglich. Der Anstieg der Fallzahlen sei real und nicht mit inzwischen mehr Schnelltests zu erklären.

Bundesweit stieg die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen nun auf 96, wie das RKI am Freitag bekanntgab – am Donnerstag hatte dieser Wert noch 90 betragen. Es gibt aber weiterhin starke regionale Unterschiede – von jetzt 56 im Saarland bis 187 in Thüringen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach vom Beginn einer „fulminanten dritten Welle“ und forderte: „Man kann es drehen und wenden wie man will, wir müssen zurück in den Lockdown.“ Je früher man reagiere, desto kürzer müsse er sein, um wieder auf eine beherrschbare Fallzahl zu kommen.

dpa