Freitag, 11. September 2020

Deutschland stoppt Schweinfleisch-Exporte in Drittstaaten

Die deutschen Exporte von Schweinefleisch nach China und in andere Länder außerhalb der EU sind nach dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg gestoppt worden. In Deutschland sorgen sich viele Bauern vor allem um das wichtige Exportgeschäft nach China.

Nach dem Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest bangen in Deutschland Schweinehalter und die Fleischwirtschaft um das Exportgeschäft. (Symbolbild)
Nach dem Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest bangen in Deutschland Schweinehalter und die Fleischwirtschaft um das Exportgeschäft. (Symbolbild) - Foto: © dpa-tmn / Andrea Warnecke
Die meisten Veterinärzertifikate für den Export von Schweinefleisch in Drittländer enthielten die Anforderung, dass Deutschland frei von Afrikanischer Schweinepest sein müsse, erklärte das Bundeslandwirtschaftsministerium am Freitag auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters. „Diese Anforderung kann seit gestern nicht mehr zertifiziert werden.“ Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass ein in Brandenburg aufgefundenes totes Wildschwein mit dem Virus infiziert war. Es ist der erste Fall in Deutschland.

Derzeit würden Gespräche mit China und anderen wichtigen Staaten außerhalb der EU angestrebt. Ziel sei es, eine Anpassung der Zertifikate zu erreichen, die eine Regionalisierungsklausel berücksichtigt. Das würde es Betrieben außerhalb der von der Schweinepest betroffenen Region ermöglichen, weiter auszuführen. „In der Zwischenzeit ist das Exportgeschehen vorübergehend ausgesetzt“, betonte das Ministerium. Innerhalb der EU ist der Export von Schweinefleisch weiter möglich. Hier sei das Regionalisierungskonzept für die Afrikanische Schweinepest anerkannt. „Derzeit verbleiben rund 70 Prozent der Exporte im Binnenmarkt“, hieß es weiter.

Deutschland bangt vor allem um chinesischen Markt

Nach dem Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest bangen in Deutschland Schweinehalter und die Fleischwirtschaft um das Exportgeschäft. Sorgen bereitet vor allem der wichtige chinesische Markt. Ein Wegbrechen „würde uns sehr, sehr stark treffen“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Freitag im ZDF. Viele Schweinehalter beobachten die neue Lage angespannt – auch wenn ein Übertreten der für Menschen ungefährlichen Tierseuche schon lange befürchtet wurde, die seit Monaten im Nachbarland Polen kursiert. In den Ställen sind sorgfältige Hygienevorkehrungen wichtiger denn je, wie auch das Friedrich-Loeffler-Institut betonte. „Dies bietet immer noch den besten Schutz vor dem Eintrag des Erregers in Nutztierbestände.“

Dazu kommen nun Probleme in einigen Absatzländern.
Dabei bleiben 70 Prozent der Exporte im europäischen Binnenmarkt, wie es vom Bundesagrarministerium heißt. Und in die EU sind Ausfuhren auch nach dem ersten Schweinepest-Fall überwiegend weiter möglich. Denn statt für ganz Deutschland gelten schon die regional begrenzten Beschränkungen, die mit asiatischen Ländern erst angestrebt werden. Das gilt vor allem für China, in das laut Ministerium 17 Prozent der Schweinefleisch-Ausfuhren gehen. Südkorea mit einem Exportanteil von 4 Prozent verhängte schon einen Einfuhrstopp – für ganz Deutschland.

Im asiatischen Markt Ohren und Pfoten gefragt

Interessant sind die asiatischen Märkte auch deshalb, weil dort Ohren oder Pfoten gefragt sind, die hierzulande kaum Abnehmer finden.
Da China selbst schwer von der Schweinepest getroffen ist, sei der Bedarf nach Exportware in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Der Verband der Fleischwirtschaft mahnte zur Eile. Neben der akuten Seuchenbekämpfung sollten „schnellstmöglich Vereinbarungen mit Drittländern zur Wiederaufnahme des Handels mit Schweinefleisch“ getroffen werden. Nur so könne aus schweinepestfreien Regionen in Deutschland weiter Fleisch exportiert werden.

In Brandenburg soll an diesem Samstag mit dem Aufstellen eines Elektrozauns in einem Radius von drei Kilometern um den Fundort des ersten infizierten Wildschweins begonnen werden, wie der Landkreis Spree-Neiße mitteilte. Um die Fundstelle des weitgehend verwesten Kadavers in der Gemeinde Schenkendöbern wurde ein vorläufiges gefährdetes Gebiet mit einem Radius von 15 Kilometern festgelegt. Dort sollen Beschränkungen für Jäger und Bauern angeordnet werden. In der Zone gibt es nach Angaben des Verbraucherministeriums Brandenburg rund 20 Schweinehalter, einer mit 5.000 Schweinen ist sieben Kilometer vom Fundort entfernt.



Wildschweine sofort melden

Das Friedrich-Loeffler-Institut rief dazu auf, deutschlandweit gefundene tote Wildschweine sofort den Behörden zu melden, damit sie auf Schweinepest untersucht werden können. Der Deutsche Jagdverband wies darauf hin, dass das Virus durch menschlichen Einfluss Sprünge bis zu 1.000 Kilometer gemacht habe. Auch ein Wurstbrot sei schon als Ausbruchsquelle identifiziert worden. „Wenn ein krankes Schwein geschlachtet wird und daraus Wurst oder Schinken gemacht wird, dann hält sich das Virus darin noch 100 Tage“, sagte Sprecher Torsten Reinwald.

Die Experten des Versicherers Münchener und Magdeburger Agrar rechnen nach dem ersten bestätigten Fall mit weiteren infizierten Tieren. „Wildschweine leben in Rotten“, sagte Martin Stricker, Leiter Schaden Tierversicherung des zur Allianz gehörenden Unternehmens, in München. „Man kann also davon ausgehen, dass die Rotte, zu dem das Tier gehörte, auch infiziert ist.“ Jedoch geht die Versicherung davon aus, dass eine weitere Verbreitung bei konsequentem Einschreiten der Behörden verhindert werden kann. „Wir sehen die Chance, dass das genauso schnell eingedämmt wird wie in Belgien und Tschechien.“

dpa