Das Projekt des Landes stehe und falle mit dem Einsatz aller Beteiligten, vor allem aber mit dem neuen Abkommen zwischen Land und Ärzten, sagt Dr. Kostner. „Derzeit sind nämlich die Fleißigen die Dummen – das darf nicht sein“. <BR /><BR /><b>In welchem Zeitrahmen soll die wohnortnahe Gesundheitsbetreuung kommen?</b><BR />Dr. Simon Kostner: Jetzt sofort. Das Patienten-Screening sollte bis Ende des Jahres so gut wie abgeschlossen sein. Dann weiß man, wer die fragilen Patienten sind, die Betreuung durch Pflegerinnen oder Hausärzte brauchen.<BR /><BR /><b>Und da spielen alle 293 Hausärzte im Land mit?</b><BR />Kostner: Das muss sich erst noch zeigen. Alle machen da nie mit. Wir hoffen, dass sich 2 Drittel der Hausärzte am Projekt beteiligen. <BR /><BR /><b>Aber wäre es nicht im Sinne des Hausarztes selber, zu wissen wer von seinen Patienten als fragil eingestuft ist und häuslicher Betreuung bedarf?</b><BR />Kostner: Natürlich wäre das im Sinne eines jeden von uns Ärzten zu wissen, wie viele und in welchem Alter diese Patienten sind und welche Fragilitätsfaktoren sie haben. Beim ohnehin schon enormen Arbeitspensum diese Arbeit auch noch zu übernehmen, ist, ohne eine Entlastung, fast unmöglich.<BR /><BR /><embed id="dtext86-61037127_quote" /><BR /><BR /><b>Es soll mehr Geld, mehr Mitarbeiter, bessere Ausstattung mit Geräten zur Diagnostik geben. Wie realistisch ist das?</b><BR />Kostner: Das Personal zu finden ist nicht schwierig und da spreche ich aus eigener Erfahrung. Das Problem ist die Deckelung von 240.000 Euro, die ein Hausarzt maximal verdienen darf. Von diesem Geld müssen wir Miete, Mietnebenkosten, Personal, Investitionen bezahlen. Das schmälert unser Einkommen.<BR /><BR /><b>Die Deckelung bleibt doch aufrecht?</b><BR />Kostner: Hier geht es nun darum, einen Weg zu finden, um uns zu entlasten. Etwa indem der Sanitätsbetrieb Verwaltungspersonal, Gerätschaften oder Material zur Verfügung stellt. Derzeit ist es so: Wer seinen Job schlecht macht, verdient gut, wer ihn gut macht, verdient schlecht. Mit den anstehenden Verhandlungen muss ein Ausgleich gefunden werden. <BR /><BR /><b>Ist das Projekt beim bestehenden Ärztemangel und Pflegenotstand überhaupt möglich?</b><BR />Kostner: Das wird eine riesige Herausforderung. Vor allem weil das eine enorme Mehrarbeit für uns Hausärzte bedeutet. Aber wenn das Problem Personal gelöst wird, können wir uns wieder mehr auf unsere eigentliche Arbeit konzentrieren. <BR /><BR /><b>Durch die wohnortnahe Gesundheitsbetreuung soll auch die Anzahl der unangemessenen Facharztleistungen sinken ...</b><BR />Kostner: Ja. Vor allem die Krankenhauseinlieferungen können damit deutlich gesenkt werden. Immer dann wenn man nicht mehr weiter weiß, ist es jetzt das Einfachste, die Notrufnummer zu wählen und sich abholen lassen. Dadurch landen viele, vor allem ältere Patienten, in der Notaufnahme, obwohl sie dort absolut fehl am Platz sind, weil sie weder einen Herzinfarkt noch einen Schlaganfall oder einen gebrochenen Unterschenkel haben. Ein sehr hoher Prozentsatz der Patienten in den Notaufnahmen sind heute „falsche Notfälle“. Der kann deutlich gesenkt werden, wenn die Patienten zu Hause betreut und versorgt werden.<BR />