<b>von Alexandra Geyr</b><BR /><BR /><BR /><b>Wann haben Sie Ihre Diagnose erhalten?</b><BR />Marianna: Ich möchte, bevor ich diese Frage beantworte, etwas ausholen. Ich kam 1999 von Ungarn nach Südtirol und hatte hier meinen Mann kennengelernt. Ich lebte damals in einer toxischen Beziehung, und es war meine eigene Schuld, dass ich mich nicht früher aus dieser Beziehung befreit habe. Dies war der Grundstock für meine spätere Erkrankung, das ist meine feste Überzeugung. Vor 15 Jahren - meine Tochter war gerade einmal vier Jahre alt, wurden wir endlich geschieden, und ich war von da an alleinerziehend. In dieser Zeit hatte ich mit der Ausbildung zum Wellness-Coach begonnen, eine Ausbildung, die Ernährung, Lifestyle und Mentaltraining umfasst. Nach Beendigung der Ausbildung habe ich die Arbeit als Wellness-Coach freiberuflich ausgeübt, so konnte ich meiner Arbeit nachgehen, während meine Tochter im Kindergarten und später in der Schule war. Die Hiobsbotschaft hatte ich Ende Dezember 2020 erhalten. Bei mir hatten sich die Brustwarzen nach innen gekehrt, und der Untersuchung bei meinem Gynäkologen war sofort klar, etwas stimmt nicht. Nachdem ich, eine für mich lebensnotwendige Visite, im Krankenhaus keinen Termin bekommen hatte, bin ich am nächsten Tag in die Privatklinik Brixana, und dort wurde der Verdacht bestätigt. Bereits im Februar wurde ich im Krankenhaus Brixen das erste Mal operiert, man hatte versucht, Brusterhaltend zu operieren, aber bereits im März wurde ich das zweite Mal operiert, dieses Mal wurde eine Mastektomie vorgenommen. <BR /><BR /><b>Wie hat Ihre Tochter auf diese schlimme Nachricht reagiert?</b><BR />Marianna: Ja, wie eine 16-jährige Tochter reagiert... Ich hatte ihr von Anfang an gesagt „ich werde wieder gesund! Und sie solle keine Angst haben“. Ich war von Anfang an immer ehrlich zu ihr und ich habe sie in allem mit einbezogen und alle Schritte mit ihr besprochen. Es war sehr schwer, für uns beide. Meine Tochter ist in dieser Zeit sehr gewachsen und sie ist heute sehr reif für ihr Alter. <BR /><BR /><b>Wie ging es nach der zweiten Operation weiter?</b><BR />Marianna: Jeder Krebs ist individuell, und bei mir musste sofort operiert werden. Es folgten vier Zyklen starke Chemotherapie, und dann noch 16 weitere. Ich hatte alle Nebenwirkungen, wie Haarausfall, ich habe meine Nägel verloren, bekam Zahn- und Zahnfleischprobleme und Schleimhautentzündungen im Mund. Es war eine sehr schwere Zeit, vor allem, weil ich keine Unterstützung hatte. Ich würde das so nicht mehr machen. Ich hatte alles mit mir selbst ausgemacht, aber es hat mir trotz allem auch geholfen, fit zu bleiben. Ich habe meine komplette Ernährung umgestellt und ich habe viel mit Naturheilmittel experimentiert. Zum Beispiel Teebaumöl für meinen Mund und Vitamin E Präparate auf Ölbasis. Auch hatte ich sofort nach der Diagnose mit Reiki begonnen (die Ausbildung hierfür habe ich 2018 begonne). Mit Reiki werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert. Der Körper bekommt mit Reiki (durch Auflegen der Hände als eine Form von Körperkontakt und eine spezielle Symbolarbeit wird Einfluss auf die Gesundheit genommen) die Energie, die er braucht, um sich selbst zu heilen, zu regenerieren und zu entspannen, und dadurch hatte ich meine innere Balance gefunden. Ich wusste es würde eine sehr harte Zeit für mich werden und ich wollte etwas für mich tun, und das alles war gut für mich. Ich hatte mir eine Perücke gekauft, aber diese nur zwei Wochen getragen, weil ich mich damit nicht wohlfühlte. Diese Krankheit kann jede Frau jederzeit treffen, und ich wollte mich nicht verstecken, ich wollte sichtbar sein. Deshalb habe ich auch auf die Perücke nicht mehr getragen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1031466_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie geht es Ihnen heute?</b><BR />Marianna: Seit 2021 bin ich in einer neuen und glücklichen Beziehung, und ich bin seit drei Jahren Brustkrebsfrei. Leider wurde vor Zwei Jahren bei mir Hautkrebs diagnostiziert. Ich hatte eine kleine Veränderung auf der Haut gesehen und daraufhin eine dermatologische Untersuchung - die Diagnose war eindeutig. Ich musste mich sofort einer Immuntherapie „zur Vorsorge“ unterziehen, aber aufgrund der vielen Nebenwirkungen habe ich diese vor acht Monaten abgebrochen. Jetzt fühle ich mich gut. Auch meine Werte bei den Pet-Untersuchungen (Positronen-Emissions-Tomographie, wird in der Krebsmedizin eingesetzt, um Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar zu machen) sind in Ordnung, seit dem Abbruch der Immuntherapie, welche ich auf eigene Verantwortung gemacht hatte, sind die Werte im grünen Bereich. Die Ärzte in Bozen sehen das leider anders, und sie haben mich „abgemeldet“, somit habe ich auch keine Unterstützung mehr. Sollte ich wieder dorthin zu einer Untersuchung müssen, dann käme mir das wie ein „zu Kreuze kriechen“ vor… Im Krankenhaus in Brixen fühlte ich mich verstanden, und ich danke allen, die mir während meiner Brustkrebserkrankung zur Seite standen und mir geholfen haben. Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt.<BR />Nach der zweiten Diagnose kam mir vor allem meine Ausbildung sehr zugute. Ich habe meine komplette Ernährung umgestellt, ich ernähre mich nun zu 90% von Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse, Kartoffel und Reis. Ich esse kein Fleisch und keinen Zucker mehr, und trinken auch keinen Alkohol mehr. Es mag hart, vielleicht auch langweilig klingen, aber für mich ist es das Beste. Auch meine Tochter ernährt sich jetzt so und sie hat gelernt auf ihren Körper zu hören, und es geht ihr sehr gut damit. Ganz, ganz selten gönne ich mir ein kleines Stückchen Käse oder ein Ei. Ich sollte das nicht essen, aber für mich ist das eine Art Belohnung. Natürlich nehme ich auch Nahrungsergänzungsmittel auf pflanzlicher Basis zu mir, sie komplettieren meine Ernährung. Und meine Kraftquelle sind der Wald und die Natur, das und mein tägliches Fitnessprogramm und meine täglichen Meditationen sind meine Ladestationen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1031469_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie sagten Ihre Ausbildung zum Wellness-Coach hat Ihnen sehr geholfen...</b><BR />Marianna: Ja, auf alle Fälle. Ich habe gelernt, was richtige Ernährung, regelmäßige Bewegung und auf seinen Körper hören, alles bewirken können. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass meine frühere toxische Beziehung einen Einfluss auf meine Krankheit hatte und die Chemotherapie hat meinen Körper zerstört. Meine Aufgabe war es dafür zu sorgen, dass er sich mit meiner Hilfe wieder aufbaut. Ich hatte auch Unterstützung bei einem Schamanen gesucht, nach drei Versuchen, hatte ich den richtigen gefunden. Nicht jeder kann dies verstehen, aber ich hatte nach allen Möglichkeiten gesucht, denn ich wollte leben, und mir hat das alles gutgetan. <BR />Ich bin auch fest überzeugt, dass es einen Grund gibt, dass ich noch hier bin. Ich hatte sehr viele dunkle Momente und in meinem Freundeskreis habe ich drei liebe Menschen an Krebs verloren. Aber ich habe nie aufgegeben und „bitte liebe Freuen, hört auf euren Körper und habt Vertrauen. Holt euch Hilfe, denn die gibt es - für jede von euch“. Ich lebe mein Leben jetzt viel intensiver, denn mein Leben ist wertvoll! Ich versuche jeden Tag auf’s neue zu genießen, und von einem bin ich fest überzeugt: ich bin noch hier, um anderen Frauen durch meine Erfahrung zu helfen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1031472_image" /></div> <h3> Hintergrund</h3>Brustkrebs ist die häufigste bösartige Erkrankung der Frauen, jede 8. bis 9. Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an diesem Tumor. Das Auftreten der Erkrankung ist in Bezug auf das Alter breit gestreut, und die höchste Erkrankungsrate ist nach dem 50. Lebensjahr zu verzeichnen. <BR /><BR />Für Brustkrebst gibt es keine Frühsymptome, als erstes Anzeichen wird ein Knoten in der Brust entdeckt – dieser muss nicht einmal schmerzhaft sein. Nach der Erstellung der Diagnose muss immer eine Gewebeprobe aus dem Knoten entnommen werden. Nur in seltenen Fällen ist eine Entfernung des Knotens oder des verdächtigen Gewebebezirkes mittels einer Operation erforderlich. <BR /><BR />Die Leitlinien-Empfehlung lautet zwischen fünf und 18 Tagen von Biopsie bis zur Operation – es können aber auch einmal vier Wochen dazwischen liegen. Viel wichtiger als Schnelligkeit ist, dass alle wichtigen Informationen vorliegen, bevor ein idealer individueller Behandlungsplan erstellt werden kann. (Informationen: Südtiroler Sanitätsbetrieb)