Südtirol ist ein Land sprachlicher Vielfalt: Nicht nur Deutsch, Italienisch und Ladinisch werden gesprochen, sondern auch zahlreiche Dialekte. Etwa acht Hauptdialekte prägen das Sprachbild, darunter Vinschgerisch, Sarnerisch oder Pusterisch. Betrachtet man zudem lokale Varianten in den Tälern, kommt man auf rund 40 verschiedene Mundarten.<h3>Dialektale Spitze flacht ab</h3>Laut Johannes Ortner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mundart im Heimatpflegeverband und Mitorganisator des diesjährigen Treffens des Internationalen Dialektinstituts (IDI), lasse sich meist sofort erkennen, woher jemand stamme – bei älteren Menschen jedoch noch deutlicher. Ursache dafür sei eine Verflachung der dialektalen Spitzen durch die gestiegene Mobilität und Abwanderung vieler junger Leute vom Tal in die Stadt. „Leider spielt manchmal auch Scham eine Rolle“, so Ortner. „Viele wollen ihren Dialekt verstecken oder sich dem Hochdeutschen oder dem Dialekt der Stadt anpassen.“<BR /> Auch Migration und Tourismus haben das Sprachbild verändert. Hatte man sich bis vor 20 Jahren überwiegend mit „Pfiati“ oder gehobenem „Pfiatgott“ verabschiedet, ist inzwischen auch das ursprünglich aus Deutschland stammende „Tschüss“ ein gängiger Gruß. <h3> Keine starren Regeln im Dialekt</h3>Südtirols Dialekte zeichnen sich durch einen reichen Wortschatz und sogar eigene Grammatikstrukturen aus. Der Hauptunterschied zur Hochsprache: Es gibt keine starren Regeln. „Das Reden, wie es einem der Schnabel gewachsen ist, schafft Heimatverbundenheit und erhält Tradition“, erklärt Ortner.<BR /><BR /><embed id="dtext86-71887704_quote" /><BR /><BR />Um die lokale Vielfalt zu bewahren, ist vor allem der frühe Kontakt zur Sprache entscheidend. „Wer schon mit den Kleinsten Dialekt spricht, schafft emotionale Verknüpfungen mit der Sprache. Das Wissen bleibt so für immer erhalten“, so Ortner. <h3> Schloss Goldrain wird zur Sprachbühne</h3>Initiativen wie Schreib- und Dichtseminare im Dialekt oder das aktive Zuhören bei älteren Generationen tragen zusätzlich dazu bei, Sprachkompetenz zu erweitern und das Interesse junger Menschen zu fördern. Einen wichtigen Beitrag leistet auch das Jahrestreffen des IDI: Für drei Tage verwandelt sich Schloss Goldrain in eine Sprachbühne, die ganz im Zeichen der Mundart steht. <BR /><BR />Den Besuchern werden Vorträge über mundartliche Pflanzennamen, ein Abend mit Mundartlesungen und Liedern sowie abschließend eine Podiumsdiskussion rund um die Sprachenvielfalt in Südtirol geboten. Musikalisch begleitet werden die Veranstaltungstage von Ernst Thomas und seinen typischen „Korrnrliadrn“. Der Eintritt ist für alle Interessierten frei.