Prof. Dr. Pratschke ist ausgewiesener Experte minimalinvasiver Transplantationschirurgie und war am Wochenende Gast einer Tagung des Vereins Nierene in Bozen.<BR /><BR /><b>Was fällt Ihnen beim Stichwort Niere als Erstes ein?</b><BR /><BR />Dr. Johann Pratschke: Dass es für Transplantationen zu wenige Organe gibt. Schaut man sich die Spenderrate in Südtirol, aber auch in Italien an, kann man sagen: Sie ist ganz gut. Doch beispielsweise in Spanien ist sie doppelt so hoch. Und eine hohe Spenderrate heißt: Patienten warten weniger lang und das verbessert die Lebenserwartung.<BR /><BR /><BR /><b>Obwohl es während der Wartezeit die Dialyse gibt?</b><BR /><BR />Dr. Pratschke: Die Dialyse ist ein tolles Verfahren, keine Frage. Aber sie ersetzt keine gesunde Niere. Diese Dialyse-Zeit schwächt den Patienten und er verliert Wochen und Monate an Lebenszeit, die er auch nach einer Transplantation nicht aufholt. Deswegen ist es wichtig, Patienten so schnell wie möglich eine neue und damit gesunde Niere zu transplantieren.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Sind Nierentransplantationen besonders heikel?</b><BR /><BR />Dr. Pratschke: Im Gegenteil. Die Transplantation einer Lunge ist viel komplizierter und riskanter. Auch Bauchspeicheldrüsen oder das Herz sind empfindlich. Die geringste Empfindlichkeit haben Leber und Niere. Allerdings reagiert bei einer Nierentransplantation das Immunsystem besonders empfindlich: Das heißt, damit das Organ gut angenommen wird, braucht es eine möglichst große Übereinstimmung von Spender und Empfänger. Die ist natürlich meist besonders hoch bei Lebendspenden von Eltern oder Geschwistern. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Wie lange „hält“ eine gespendete Niere?</b><BR /><BR />Dr. Pratschke: Mit einer Spenderniere kann man gut 20, 25, auch 30 Jahre wunderbar leben. Wir haben Patienten, die kommen bis ans Lebensende mit einer Nierentransplantation aus.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Stimmt es, dass die eigene Niere dabei nicht entfernt wird?</b><BR /><BR />Dr. Pratschke: Ja, das stimmt. Die eigene Niere verbleibt im Patienten, denn die neue Niere setzen wir nicht an der gleichen Position ein. Wir schließen sie vielmehr oberhalb des Leistenbandes an die Gefäße an, da ist genug Platz. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Sie gelten als Spezialist für minimalinvasive Eingriffe. Wie geht das bei Transplantationen?</b><BR /><BR />Dr. Pratschke: Unser Zugangsweg, das heißt auch unser Schnitt ist kleiner als früher. Und zwar sowohl beim Empfänger als auch – bei einer Lebendspende – beim Spender. Während man früher mehr oder weniger die ganze Körperseite aufgeschnitten hat, haben wir jetzt nur noch Schnitte von fünf, sechs Zentimetern, und das über dem Schambein, wo man Narben auch kosmetisch gut verstecken kann. Neben der kleineren Narbe haben diese Eingriffe auch den Vorteil, dass die Heilung schneller erfolgt und weniger schmerzt. <BR /><BR /><BR /><b>Was kann man vorbeugend tun, damit es erst gar nicht zu einer Niereninsuffizienz kommt?</b><BR /><BR />Dr. Pratschke: Eine solche Erkrankung kann man nur sehr schwer therapeutisch und vorbeugend beeinflussen. Hier ist die frühzeitige Diagnose, um die Nierenfunktion zu erhalten, sehr wichtig. Jede Niere, auch gesunde, altert natürlich und wird dabei in der Funktion schlechter, doch meistens reicht die Funktion über das Lebensende hinaus. Aber nicht bei jedem. Es gibt Risikofaktoren wie einen ungenügend behandelten Bluthochdruck oder Diabetes, die die Niere langfristig schädigen können