<b><BR />von Christian Tschurtschenthaler</b><BR /><BR />Es war mitten im Hochsommer 2023, als Wölfe in einer Nacht- und Nebelaktion Schafe aus ihrem Nachtpferch sprengten und zahlreiche Tiere töteten. Nur 3 Tage später schlug das Großraubtier abermals zu. Nach diesem Vorfall könne man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sagte deshalb bei der Vollversammlung Siegfried Holzer Tschurtschenthaler, der Obmann der Alminteressentschaft Nemes Alpe, die 104 Mitglieder vorwiegend aus Sexten und Innichen zählt. „120 bis 130 Tierbesitzer aus dem ganzen Pustertal haben bisher ihr Interesse bekundet, wieder Vieh auf die Sextner Almen bringen zu wollen“, erklärte er. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und setzen daher auf Prävention und Herdenschutz. Den 100-prozentigen Schutz für die Tiere gibt es aber leider nicht.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1034823_image" /></div> <BR />Aber es werde viel Geld in die Sicherheit der Tiere gesteckt, versichert Holzer Tschurtschenthaler. In den vergangenen 2 Jahren flossen über 100.000 Euro in die Errichtung von Hirtenunterkünften und Einzäunungen, rund 30.000 Euro in Weideverbesserungsmaßnahmen und Weidepflege, und 70.000 Euro wurden jährlich für Hirtenlöhne ausgegeben. Natürlich zähle die „Rund um die Uhr“-Beaufsichtigung durch Hirten zum Gebot der Stunde. Dies sei leider aber nicht möglich.<h3> Die einzige Herdenschutz-Pilotalm im Pustertal</h3>Aus der Not heraus ist die Nemes- und Klammbach-Alm auf 1800 bis 2700 Metern Höhe als einzige des Pustertales eine Pilotalm für Maßnahmen zum Schutz von Kleintieren gegen die Wölfe. Das Projekt läuft in Zusammenarbeit mit dem Amt für Bergwirtschaft und der Forstbehörde und wird von der Eurac unterstützt. Bereits 2020/21 wurden von der Interessentschaft Herdenschutzzäune angekauft und ein eigener Hirte für Schafe und Ziegen eingestellt.<h3> Schäferin mit Herdenschutzhund</h3>Waren es 2023 mit Schafen und Ziegen über 900 Stück Vieh, die auf den Sextner Almen weideten, so sollen neben dem Großvieh auch heuer 200 bis 300 Schafe und Ziegen aufgetrieben werden. Diese werden von einer eigenen Schäferin betreut, die gänzlich mit ausgebildeten Herdenschutzhunden arbeitet. Nachts sollen die Tiere in einen gesicherten Nachtpferch getrieben und von den Hunden bewacht werden. Das tägliche Einzäunen schade aber der Tiergesundheit. Der Parasitenbefall und deren Übertragung auf andere Artgenossen wachse mit der Einpferchung sprunghaft an.<BR />Neben der Schäferin sind auf den Almen zwischen Klammbach und Nemes noch 6 bis 7 Hirten inklusive 4 Hirtenhunde und 3 Herdenschutzhunde im Einsatz, um für die Sicherheit der Rinder zu sorgen. Ohne sie wäre die Beweidung der über 1200 Hektar großen Almmatten undenkbar.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1034826_image" /></div> <BR />Mit Blick auf die neue Almsaison bleibt bei den Viehzüchtern aber dennoch ein mulmiges Gefühl. Der Wolf wurde letzthin häufig in den Sextner Tallagen gesichtet. Auch Goldschakale sollen sich in der Gegend tummeln. Beide haben keine natürlichen Feinde. Und so ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Wolf als intelligenter Beobachter wieder zuschlägt, wenn die Luft rein ist. <BR />„Wenn die Almwirtschaft weiterhin eine Zukunft haben soll, brauchen wir Hilfe“, ist der Sextner Almenobmann überzeugt. „Jetzt, wo wir mit dem Wolf leben lernen müssen, fühlen wir Almbetreiber uns von allen im Regen stehen gelassen. Daher richten wir einen eindringlichen Appell an unsere Lokalpolitiker, verstärkt Druck auf Rom auszuüben.“ Italien ist Europas Schlusslicht bei Wolfsabschüssen, während im benachbarten Osttirol bei der Unterzeichnung von Abschussdekreten nicht gezögert werde. Leider gäbe es in Südtirol von offizieller Seite immer noch keine Betreuung der Almgebiete, auch beim Wolfsmonitoring und der damit anhängigen überbordenden Bürokratie gebe es Nachholbedarf.