<BR />Endlich hat es geklappt: Die Auszeichnung für die beste Milch im Land war für Erika Kaserer schon lange ein Ziel – auch weil in der Familie der Maßstab bereits gesetzt ist: Ihr Schwager, der Mann ihrer Zwillingsschwester vom nahen Platztairhof, hat den Titel zwei Mal geholt. 2012 und 2015. „Da schaut man schon hin“, sagt die 53-Jährige. Konkurrenz sei vielleicht nicht das richtige Wort. Eher ist es ein Messen, ein Beobachten, auch ein Austauschen über das, was im Stall zählt. „Es muss viel zusammenpassen“, sagt die Bäuerin. Fleiß, Sauberkeit, Regelmäßigkeit beim Melken, Tiergesundheit – „und natürlich auch Glück“. <BR /><BR />Ausgerechnet im vergangenen Jahr hat es danach nicht ausgesehen: Im März ist am Sonnenberg ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Die Flammen kamen dem Unterköben-Hof gefährlich nahe, Rauch zog über die Hänge. Erika Kaserer und ihre Mutter Cäcilia standen mit Wasserschläuchen rund ums Haus, versuchten, den Hof zu schützen. <BR /><h3> <h3> Schnell wieder zurück nach Unterköben </h3></h3> Eine Nacht mussten sie sogar runter ins Tal – zu gefährlich war es für die Menschen oben am Berg. Die sieben Kühe und drei Kälber blieben im Stall zurück – und schrien. Sie spürten die Gefahr. Ihre Schwester und deren Mann vom ungefährdeten Nachbarhof kümmerten sich um das Vieh. Doch lange hielten es die Kaserers unten nicht aus. „Am nächsten Tag sind wir wieder hinauf. Wir wollten einfach zurück.“ Ein Satz, der vieles erklärt. Und die Auszeichnung für die beste Milch in diesem Jahr umso bemerkenswerter macht. <h3> <h3> Seit Generationen hoch über dem Tal </h3></h3>Etwa 100 Menschen leben hier oben auf 1740 Metern, verstreut auf dem sonnenverwöhnten Steilhang, an dem der Wind mitunter scharf um die Ecken pfeift. Für Gäste ist es ein Wanderparadies – zuerst mit der Bahn herauf, dann mit Blick auf das Hasenöhrl direkt am Unterköbenhof vorbei. „Wenn man will, hat man hier heroben immer Leute um sich“, sagt Erika Kaserer. „Und wenn man nicht will, dann hat man seine Ruhe.“ <BR /><BR />Der Hof ist alt. Im Stadel steht die Jahreszahl 1876, vermutlich ist er älter, sagt ihr Mann Luis. Auch er ist hier heroben aufgewachsen – vom „Unterkaser“, ein paar Höfe weiter, ist er nach „Unterköben“ gekommen. Früher teilten sich zwei Familien Haus und Stall, heute lebt nur noch eine hier: Mutter Cäcilia, Erika und Luis sowie einer der drei Söhne. Die anderen beiden leben im Tal. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1315227_image" /></div> <BR /><BR />Die Arbeit am Hof ist Teamarbeit. Erika, ihr Mann und der Sohn (32) teilen sich die Aufgaben, stehen aber häufig gemeinsam im Stall. „Die Kühe sollen nicht nur einen Menschen gewohnt sein“, sagt die Bäuerin. „Man weiß ja nie, was passiert.“ Wie schnell das stimmt, hat sich im Vorjahr gezeigt.<BR /><BR />Die Stallarbeit beginnt früh: Bereits nach 6 Uhr verlässt die Milch den Hof. Mit der ersten Fahrt der Seilbahn geht es ins Tal, wo der Sammelwagen sie übernimmt und zur Mila bringt. Die Seilbahn ist Lebensader – seit fast 70 Jahren schon. Wenn sie wegen Wartung oder zu starkem Wind stillsteht, bleibt die Straße. „Früher war alles viel umständlicher“, sagt Luis Kaserer. Mit der Straße, die in den 1980er-Jahren gebaut wurde, sei vieles einfacher geworden – auch der Alltag am Berg. <BR /><h3> <h3> Arbeiten in extremer Steillage</h3></h3>Von der Landwirtschaft allein kann niemand leben. Schon ihr Vater arbeitete auswärts, später ihr Mann, heute auch ihr Sohn. Der Hof ist Zuerwerb – und Lebensmittelpunkt zugleich. <BR /><BR />Fünf Hektar Wiesen gehören zum Unterköben-Hof. Zweimal im Jahr werden die extrem steilen Flächen gemäht – Arbeit, die Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und perfekte Fahrbeherrschung verlangt. 164 Erschwernispunkte sind es offiziell – ein Ausdruck für die schwierigen Bedingungen, unter denen hier gearbeitet wird.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1315230_image" /></div> <BR /><BR />Dass Erika Kaserer den Betrieb vor 14 Jahren übernommen hat, hat sich so ergeben. Sie ist eines von sechs Kindern – fünf Mädchen und ein Bub. Für die Eltern sei die Hofübergabe an eine Tochter kein Thema gewesen, sagt Mutter Cäcilia. Hauptsache, der Hof bleibt in der Familie. Auch der Name Kaserer bleibt auf „Unterköben“. Dass Luis denselben Namen trägt, habe ihren Vater gefreut, sagt sie. Der ist vor eineinhalb Jahren gestorben. <BR /><h3> <h3> Am Sonnenberg daheim, da oben bleiben </h3></h3> Dass ausgerechnet in diesem Jahr die Bäuerin vom Unterköben-Hof für die beste Milch des Landes ausgezeichnet wurde, ist ein Zufall mit Symbolkraft: Die Vereinten Nationen haben 2026 zum „Internationalen Jahr der Bäuerin“ erklärt.<BR /><BR />„Man muss eine Freude mit dem Hof und mit dem Vieh haben“, sagt Erika Kaserer. Unten im Tal ist alles näher, schneller, einfacher – der Supermarkt um die Ecke, ein schneller Kaffee zwischendurch in der Bar. Aber tauschen würden die Kaserers nie. „Wenn es die Gesundheit zulässt, bleiben wir hier.“