In der Bibel wird häufig gekocht, gebacken, gegessen und gefeiert: Im Buch Genesis (18,1-8) wird beispielsweise beschrieben, wie Abraham Gäste bewirtet, im Johannesevangelium ist Jesus zu Gast bei einer Hochzeit in Kana und verwandelt dort Wasser in Wein. Obwohl man in der Bibel keine Rezepte findet, enthält sie durchaus detaillierte Empfehlungen. So gelten Schweine und Muscheln als unrein, Aasfresser wie Geier ebenfalls.<h3> Parallelen zur traditionellen mediterranen Ernährung</h3>Essen wie Jesus – davon lassen sich immer mehr Menschen inspirieren. „Die in der Bibel beschriebenen Lebensmittel weisen viele Parallelen zur traditionellen mediterranen Ernährung auf“, weiß Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. Die mediterrane Küche gilt als sehr gesunde Ernährungsform. Das belegen zahlreiche Studien. So beugt sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor und stärkt das Immunsystem. Auf dem Speiseplan stehen im Mittelmeerraum vor allem Gemüse, Salat, Obst, Hülsenfrüchte, gesunde Öle (hauptsächlich Olivenöl), wenig Fleisch, viel Fisch. <h3> „Biblische Ernährung“ boomt</h3>Auf solche Lebensmittel, also Obst, Gemüse, aber auch Brot, Fisch und Honig – kurzum eine „biblische Ernährung“ – schwören viele Menschen, insbesondere in den USA. Schon vor 20 Jahren war dort das Buch „Was würde Jesus essen?“ der Renner schlechthin. Der US-Mediziner Don Colbert empfahl darin, um schlank und fit zu bleiben, vor allem Fisch, Gemüse, Brot, Hülsenfrüchte und Obst zu verzehren. Zudem sollte man sich beim Essen Zeit lassen. <h3> Digitaler Rat zu „Superfoods aus der Bibel“</h3>Heute werden solche Botschaften vor allem auf den sozialen Netzwerken verbreitet. Die US-Amerikanerin Kayla Bundy ernährt sich laut eigenen Angaben seit acht Jahren von Lebensmitteln, die in der Bibel genannt werden. Darüber berichtet sie auf „TikTok“ – und das überaus erfolgreich. Über eine halbe Million Menschen folgen ihr. Bundy sagt, dass sich seitdem ihre Haut, Haare und Depressionen verbessert hätten. Gleichzeitig ist es auch ein Geschäftsmodell: Bundy bietet digitalen Rat zu „Superfoods aus der Bibel“ an – natürlich kostenpflichtig.<BR /><BR />Weitere christliche Ernährungsberater und Influencer haben sich dem Trend inzwischen angeschlossen. Eine davon ist Annette Reeder. Sie bezeichnet sich als „biblische Ernährungswissenschaftlerin“ und bietet ebenso wöchentlich Kurse gegen eine Gebühr an. Zudem verwaltet sie eine Webseite namens „biblical wellness ministry“ (auf Deutsch: biblisches Wellnessministerium). „Das biblische Wellnessministerium stattet Männer und Frauen aus, um in ihren Familien, Kirchen und Gemeinschaften eine bedeutungsvolle geistliche und körperliche Veränderung zu bewirken – durch die Wahrheit des Wortes Gottes und die Nahrung, die Gott uns gegeben hat“, heißt es darin. <BR /><BR /><embed id="dtext86-75902470_quote" /><BR /><BR />So könne eine ausgezeichnete Gesundheit erreicht werden, wenn man sich in der Ernährung konsequent an der Bibel orientiert. „Da ist größte Vorsicht geboten. Viele Videos, die online von Influencern und sogenannten Ernährungsberatern zirkulieren, muss man durchaus kritisch beäugen“, sagt Expertin Silke Raffeiner.<h3> Achtung vor unseriösen Angeboten</h3>„In diesem Bereich finden sich auch unseriöse Angebote mit vielen ungeprüften Versprechen, die wissenschaftlich nicht nachgewiesen sind“, warnt die Ernährungsexpertin. <BR /><BR />Während sich auch in Deutschland der Trend langsam verbreitet, ist das in Südtirol wohl nicht der Fall. „In meiner Tätigkeit bei der Verbraucherzentrale habe ich noch keine Anfrage dazu bekommen“, berichtet Raffeiner. Allemal sei es durchaus sinnvoll, sich bei der Ernährung an der Bibel zu orientieren – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.<h3> Auf Abwechslung und Saisonalität setzen</h3>„Bei der Lebensmittelauswahl sollte auf Vielfalt und Abwechslung geachtet werden“, rät Raffeiner. Zu biblischen Zeiten bestand die Ernährung überwiegend aus pflanzlichen Lebensmitteln, was mit den heutigen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung vereinbar ist. Doch was kam damals auf den Tisch? Das waren Vollkorngetreide (wie Vollkornweizen und -gerste) sowie Hülsenfrüchte (wie Linsen und Kichererbsen), aber auch Nüsse, Samen und Mandeln. „Dann aß man saisonales Obst und Gemüse sowie getrocknete Früchte wie Datteln und Feigen“, weiß Raffeiner. <BR /><BR /><embed id="dtext86-75902474_quote" /><BR /><BR />Sie empfiehlt jedoch, sich in Südtirol am saisonalen Lebensmittelangebot zu orientieren. Trauben und Granatäpfel, die auch auf Jesu Speiseplan standen, sind hierzulande beispielsweise nur im Herbst erhältlich. <BR />Ein Nahrungsmittel, auf das die meisten Menschen hierzulande wohl verzichten würden, das in Israel jedoch durchaus üblich war, sind Heuschrecken. Bekanntlich ernährte sich Johannes der Täufer von „Heuschrecken und wildem Honig“ (Mt 3,4).<BR /><BR /> „Von den acht Milliarden Einwohnern unserer Erde essen schätzungsweise zwei Milliarden regelmäßig Insekten“, erklärt die Expertin. „Insekten sind sehr protein- und ballaststoffreich. Sie enthalten im Unterschied zu Fleisch ungesättigte Fettsäuren.“ Insekten seien so durchaus zu empfehlen – sofern man sich natürlich nicht davor ekelt.<h3> Speis und Trank zu Jesu Zeiten</h3>• Brot war das Grundnahrungsmittel. Man schnitt es nicht in Scheiben, sondern brach es (Jes 58,7; Apg 2,46).<BR />• Viel Gemüse: Bohnen, Linsen, Gurken, Zwiebeln, Knoblauch, verschiedene Salatarten.<BR />• Obst: Trauben, Brombeeren, Granatäpfel, Datteln, Feigen, Mandeln, Pistazien.<BR />• Kuchen mit Öl, Minze, Kümmel oder Zimt; Pfannkuchen aus Mehl und Honig.<BR />• Milch, Butter, Käse<BR />• Fisch. Da er rasch verdirbt, trocknete man ihn und nahm ihn so auf Reisen mit. <BR />• Heuschrecken. Johannes der Täufer ernährte sich beispielsweise von „Heuschrecken und wildem Honig“ <BR />(Mt 3,4). <BR />• Olivenöl<BR />• Wasser, Wein<BR />• Eier und Fleisch aß man selten. <BR />• Dafür würzte man kräftig mit Senf, Salz, Kapern, Kümmel, Raute, Safran, Anis. Pfeffer war fast unerschwinglich teuer. <BR /><BR />(Aus Heinrich A. Mertens, „Handbuch der Bibelkunde“ (Patmos Verlag Düsseldorf 1997). <h3> Traubenkuchen</h3><div class="img-embed"><embed id="1346976_image" /></div> <i>Krank vor Liebe fühlt sich die Braut im Hohelied Salomos. „Stärkt mich mit Traubenkuchen“, bittet sie inständig (vgl. 2,5).</i><BR /><BR />Zutaten:<BR />300 g Weizenmehl<BR />20 g Bierhefe<BR />200 g getrocknete Weintrauben<BR />(Rosinen oder Sultaninen)<BR />150 g Honig <BR />200 ml Milch<BR />50 ml Olivenöl<BR />Salz<BR />Paprikapulver<BR /><BR />Weiteres: Öl zum Bestreichen<BR /><BR />Zubereitung<BR />Die getrockneten Weintrauben für zehn Minuten in die Milch legen. Die Hefe in etwas lauwarmem Wasser auflösen. In einer großen Schüssel das Mehl mit dem Honig verarbeiten. <BR />Mithilfe eines feinen Siebs Milch und Rosinen trennen. Zuerst nur die Milch in den Teig geben und gut verrühren. Dann die aufgelöste Hefe und die Rosinen hinzufügen und alles zu einem glatten Teig kneten. Mit einem Tuch abgedeckt rund eine Stunde ruhen lassen. <BR />Dann den Teig dünn auf ein gefettetes Backblech streichen und noch einmal, zugedeckt, ruhen lassen, bis sich die Masse verdoppelt hat. Mit Öl einpinseln und im Backofen bei 180 Grad etwa 35 Minuten backen. <BR /><BR />Das Rezept stammt aus dem Buch von Andrea Ciucci und Paolo Sartor „Zu Tisch bei Abraham. Kochen mit der Bibel. 50 Rezepte aus zwei Jahrtausenden“ (Verlag Neue Stadt, München 2014).