Freitag, 14. Mai 2021

Die blutige Spur von Wolf, Bär und Goldschakal in Südtirol

Wolf, Bär und Goldschakal gehen in Südtirol um. Dabei kommen sie auch nah an bewohnte Gebiet. Zuletzt ist am Freitagfrüh an der Straße zwischen Andrian und Nals ein Rehkadaver gefunden worden, wenige Hundert Meter von einer Siedlung entfernt. Vermutlich hat ein Wolf das Tier gerissen. Es wäre nicht der erste Vorfall dieser Art in diesem Jahr. Eine Chronologie – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

An der Straße zwischen Nals und Andrian lag am Freitag dieser Kadaver eines Rehs – unweit der Häuser. Dass ein Wolf es gerissen hat, ist zwar noch nicht offiziell bestätigt, liegt aber nahe.
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An der Straße zwischen Nals und Andrian lag am Freitag dieser Kadaver eines Rehs – unweit der Häuser. Dass ein Wolf es gerissen hat, ist zwar noch nicht offiziell bestätigt, liegt aber nahe.
Am 17. Jänner machen Skifahrer unterhalb des Sassongher eine traurige Entdeckung: Auf freiem Feld – nur 80 bis 100 Meter von den ersten Häusern der Fraktion Pescosta in der Gemeinde Corvara entfernt – liegt ein gerissenes Reh. „Es war praktisch nur mehr ein Drittel übrig, so wurde das Skelett abgenagt“, schildert einer der Skifahrer. Wer für den Riss verantwortlich ist, ist nicht leicht festzustellen, auch wenn natürlich gleich die Vermutung geäußert wird, es könnte ein Wolf gewesen sein.



Im Februar werden unweit eines Hofes im Weiler Pitzon oberhalb von Nals in einer Wiese 4 trächtige Schafe und ein Widder gerissen – mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Wolf. Ein Tier entkommt dem Räuber; ganz verschreckt und voller Bisswunden findet es der Bauer. Einige Zeit später werden auch Rehkadaver in der Gegend entdeckt.


Anfang März reißt ein hundeartiges Heulen Bewohner der Fraktion Viums in Natz-Schabs aus dem Schlaf. Sie denken an einen Wolf und wenden sich an den zuständigen Jagdaufseher. Der geht davon aus, dass es sich um Goldschakale handelt, die in dieser Gegend umherstreifen.


Ein Wolf (im Bild unten) wird Mitte März dabei beobachtet, wie er den Jaufenpass von Passeirer Seite in Richtung Ratschings überquert. Dabei macht ihm zum Teil der hohe Schnee zu schaffen. Die Forstbehörde verfolgt die Fährte des einzelnen Tieres, kann aber keine Losung finden, die für das Monitoring nötig wäre.


Ebenfalls Mitte März wird in Gröden ein toter Goldschakal gefunden: Die Vermutung steht im Raum, dass er von einem Wolf gerissen worden sein könnte. Die Bisswunden am Hals deuten darauf hin.


Dann nähern sich die Vorfälle bewohnten Gebieten. 11 von Wölfen gerissene Hirschkälber und Rehe in 10 Tagen in St. Nikolaus und St. Gertraud in Ulten – und das sind nur die, die man in der Nähe des Siedlungsgebietes gefunden hat. Die Menschen in Innerulten machen sich zunehmend Sorgen.


Schreckmoment an einem Abend Ende März für eine Pfeldererin: Bei ihrer Heimfahrt nach 19 Uhr tauchen plötzlich 2 Wölfe im Scheinwerferlicht auf. Erst kurz vor der Ortstafel von Pfelders springt eines der beiden Tiere über die Leitplanke in den Schnee, der andere Wolf rennt weiter bis zum Pfelderer Parkplatz und macht sich dort aus dem Staub.


Ebenfalls Ende März fallen in Perdonig in der Gemeinde Eppan 3 trächtige Schafe, 3 Lämmer und eine Ziege einem Raubtier zum Opfer. Der Verdacht fällt wieder auf den Wolf.


Am 14. April richten 2 Wölfe bei St. Christina in Gröden ein Gemetzel an: Der Schnee ist am Morgen blutgetränkt, als der Bauer nach dem Rechten sehen will. Von 2 Schafen sind nur abgenagte Reste geblieben. Ein drittes kauert schwerstverletzt am Zaun, der es schützen sollte – aber nicht konnte.

Ende April finden sich wieder blutige Spuren des Wolfes – diesmal in der Gemeinde Nals: 50 Meter von einer Hofstelle in Pitzon entfernt, liegen die Überreste eines gerissenen Rehs.



Seit Ende April geht auch in der Gemeinde Stilfs im Vinschgau die Rede vom Wolf. In den Nächten Anfang Mai kommt es zu mehreren Schafsrissen. Insgesamt seien 3 Tiere zu Tode gekommen, heißt es.




Anfang Mai gelingt es Autofahrern, hinter dem Gampenpass zwischen St. Felix und Fondo vom Auto aus einen Wolf zu beobachten, der entlang der Landesstraße dahintrottet. Das Tier bleibt zuerst mehrmals auf der Fahrbahn stehen und verschwindet dann in den Wald. In Ulten und am Deutschnonsberg werden immer wieder von Wölfen gerissene Wildtiere gefunden. Allein im April sollen es am Nonsberg 2 Rotwild-Risse gewesen sein.


Auch der Bär sorgt Anfang Mai für Furcht und Schrecken in Südtirol: Am Flatscherhof in der Gemeinde Marling reißt er Ziegen und Schafe und bleibt in den folgenden Nächten in der Nähe des Hofes. Die Bauersleute filmen das Tier mehrfach, das keine Scheu zeigt und sich nur schwer vertreiben lässt.


Mehrere Sichtungen, fehlgeschlagene Fang- und Besenderungsversuche später gelingt es am 10. Mai schließlich, dem Tier ein Senderhalsband umzulegen. Vertreiben hat es sich bisher dennoch nicht lassen. Nach wie vor streift der Bär durch die Wälder im Burggrafenamt.

stol