Mittwoch, 02. August 2017

Die Drogendealer-Familie von Nordtirol

Vater, Mutter, Sohn und Oma: Ein ganzes Netzwerk zur Beschaffung und den Verkauf von Suchtmitteln hat eine Familie in Nordtirol aufgebaut. Bis nun die Handschellen für alle klickten.

Symbolbild
Symbolbild - Foto: © shutterstock

Umfangreiche, seit Beginn des Jahres 2017 auch international geführte Ermittlungen des Landeskriminalamt Tirol führten zur Ausforschung und schließlich zur Festnahme einer mit Suchtgift handelnden niederländischen Familie.

Die insgesamt vier Personen – ein 49-jähriger Mann, seine gleichaltrige Ehefrau, seine 77-jährige Mutter sowie sein 14-jähriger Sohn - stehen im Verdacht, seit 2015  insgesamt 4 kg Kokain und 1 kg Cannabiskraut nach Österreich geschmuggelt und davon 2,5 kg Kokain und das gesamte Cannabiskraut im Wert von insgesamt ca. € 210.000,-  gewinnbringend an ihre Abnehmer weiterverkauft zu haben.

Von Holland nach Österreich
 
Der im Nordtiroler Unterland lebenden Familie wird vorgeworfen, das Suchtgift anfänglich mit einem Leihwagen von den Niederlanden nach Österreich verbracht zu haben, wobei das Kokain zu jeweils ca. 100 Gramm in einer Kaffeedose im Kofferraum versteckt gewesen sei.
Diese Fahrten sollen vom Mann mit seiner Ehefrau bis zur Eröffnung ihres Lokals im November 2015 durchgeführt worden sein.

Oma als Drogenkurrier

Danach soll die 77-jährige Mutter des Beschuldigten die Beschaffungsfahrten übernommen habe. Sie steht im Verdacht, alle zwei Wochen mit dem Zug in die Niederlande gefahren zu sein, um von dort jeweils 100 Gramm Kokain in ihrer Bekleidung versteckt nach Tirol zu schmuggeln.
Diese Fahrten sollen von ihr, mit einer ca. 4-monatigen Unterbrechung von Ende Dezember 2016 bis April 2017, bis zu ihrer Festnahme am 24. Mai 2017 durchgeführt worden sein. Bei der der letzten Rückreise aus den Niederlanden wurde sie in Tirol, noch im Zug, auf Grund einer bestehenden Festnahmeanordnung der Staatsanwaltschaft Innsbruck festgenommen. Bei dieser Fahrt hatte sie 150 Gramm Kokain bei sich.

Das Netzwerk

Folglich wurden auch die übrigen Familienmitglieder festgenommen und ihre Wohnung sowie das Lokal durchsucht. Dabei konnten zahlreiche Gegenstände, die als Suchtgiftverstecke gedient hatten (z.B: Getränkedosen), eine Schreckschusspistole, eine geringe Menge Kokain und ein kleinerer Bargeldbetrag vorgefunden und sichergestellt werden. 
Das Suchtgift soll sowohl in ihrem Lokal verkauft als auch von der Mutter des Beschuldigten bzw. dessen 14-jährigen Sohn per Taxi an die Abnehmer geliefert worden sein. Der Sohn habe auch die Aufgabe gehabt, Suchtgift aus der Wohnung in das Lokal nachzubringen, wenn nicht mehr genügend vorhanden war.
 
Alle vier beschuldigten Personen waren bei den Vernehmungen umfassend geständig. Die drei Erwachsenen befinden sich dzt. in der JA-Innsbruck in U-Haft, der 14-jährige Sohn ist bei seiner Mutter in den Niederlanden.
 
Bis dato konnten ca. 60 Abnehmer ausgeforscht und bereits vernommen werden. Sie werden nach dem Suchtmittelgesetz zur Anzeige gebracht.   

Lieferant aus Italien

Jener Suchtgifthändler, der im Verdacht steht die Familie in der Zeit von Ende Dezember 2016 bis April 2017 mit Suchtgift beliefert zu haben, konnte ebenso ausgeforscht und letzte Woche in Italien festgenommen werden.

stol/apa

stol