<BR /><b>Hat das Pariser Klimaabkommen tatsächlich dazu beigetragen, den Klimawandel zu bremsen?</b><BR />Jana Sillmann: Seit 2015 ist durchaus ein großer Fortschritt zu erkennen. Vor allem in den ersten Jahren nach dem Abkommen war in vielen Staaten der Ehrgeiz groß, die vereinbarten Klimaziele auch tatsächlich umzusetzen. Dieser Schwung hat allerdings mit der Zeit etwas nachgelassen.<BR /><BR /><b>Das zentrale Ziel war, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen. Ist dieser Wert noch realistisch?</b>Sillmann: Nein, wir werden diese Schwelle mit Sicherheit überschreiten. Wenn ausreichend Maßnahmen ergriffen werden, könnten wir es möglicherweise noch schaffen, die Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten. Die aktuellen Prognosen deuten allerdings darauf hin, dass wir uns auf eine stärkere Erwärmung einstellen müssen.<BR /><BR /><b>Woran liegt das?</b>Sillmann: Wir haben die Treibhausgasemissionen nicht so schnell reduziert, wie es notwendig gewesen wäre, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Zudem fehlt derzeit offenbar der politische Wille, die Anstrengungen deutlich zu verstärken. Ich beobachte mit großer Besorgnis, dass weiterhin massiv in fossile Energieträger investiert wird.<BR /><BR /><b>Welche Folgen des Klimawandels sind bereits deutlich zu erkennen?</b>Sillmann: Extreme Klimaereignisse treten immer häufiger auf. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Sowohl 1,5 als auch zwei Grad Erwärmung markieren kritische Schwellenwerte. Unsere Risikoanalysen zeigen deutlich, dass nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Intensität von Extremereignissen zunehmen wird. <BR /><BR /><b>Gibt es Folgen extremer Wetterereignisse, die bislang unterschätzt werden?</b>Sillmann: Vor allem, dass wir mit der aktuellen Situation zwar noch umgehen können, das aber nicht dauerhaft so bleiben wird. Wenn extreme Ereignisse häufiger auftreten, steigen auch die damit verbundenen Kosten, während gleichzeitig die verfügbaren Ressourcen knapper werden. Irgendwann werden die bestehenden Kapazitäten an ihre Grenzen stoßen.Interview: Claudia Falser