Dienstag, 28. April 2020

Die Fischer sind mit der Geduld am Ende

Mit den Anti-Coronavirus-Bestimmungen wurde auch die Fischerei verboten. Lange waren die Fischer verständnisvoll, nun steigen sie aber auf die Barrikaden, zumal beispielsweise das Joggen und Radfahren wieder erlaubt ist, das Fischen aber noch nicht. Die „Dolomiten“ haben mit Fischereiverbands-Chef Markus Heiss gesprochen.

Die Angel bleibt weiter eingezogen: Das ärgert die Fischer.
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Die Angel bleibt weiter eingezogen: Das ärgert die Fischer. - Foto: © shutterstock
„Dolomiten“: Herr Heiss, Südtirols Fischer möchten fischen, dürfen es aber nicht. Warum?
Markus Heiss: Das ist eine gute Frage. Mittlerweile sind ja bekanntlich das Radfahren und das Joggen wieder erlaubt. Warum also nicht auch das Fischen? Einen nachvollziehbaren, objektiven Grund kenne ich nicht, außer vielleicht unsere Autonomie, die wohl doch noch etwas ausbaufähiger ist, als ich dachte.

„D“: Am zweiten Sonntag im Februar hat die Fischereisaison in Südtirol begonnen. Wann wurde sie unterbrochen?

Heiss: Mit dem sogenannten Coronavirus-Lockdown auf gesamtstaatlicher Ebene im März.

„D“: Der Fischereiverband hat seinen zuständigen Landesrat Arnold Schuler in einem Schreiben dazu aufgefordert, die Fischerei wieder zu erlauben. Wie hat er darauf reagiert?
Heiss: Unser Landesrat zeigt Verständnis für den Unmut der Fischer. Er muss auf unseren offiziellen Appell von vergangener Woche aber erst schriftlich antworten. Natürlich stehen wir schon seit Beginn der Krise im regen Austausch mit Arnold Schuler. Eines ist sicher: Durch die Ausübung der Fischerei, einer Einzelaktivität, besteht kein Risiko, das Coronavirus weiterzutragen. Zudem ist dieses Hobby vieler Südtiroler keine Risikotätigkeit im Hinblick auf Unfälle, die wiederum die Sanität belasten würden. Trotz dieser Argumente für die Fischerei hatten wir bisher Verständnis, weil es eben andere Prioritäten gab. Jetzt ist eine Öffnung aber dringend notwendig, und ich gehe davon aus, dass die Landesregierung die Fischerei demnächst wieder zulassen wird. Denn es gibt eben keinen objektiven Grund, sie länger zu verbieten.

„D“: Glauben Sie, dass es für die Südtiroler Fischer Auflagen geben wird, sobald sie ihre Freizeitbeschäftigung wieder ausüben dürfen?
Heiss: In den Fließgewässern nicht, weil dort schon die meisten Bewirtschafter Mindestabstände von 30 bis 50 Metern zwischen den Fischern in ihren Bestimmungen festgelegt haben, damit es keine gegenseitige Behinderung bei der Ausübung der Fischerei gibt. Diese Bestimmungen haben aber nichts mit dem Coronavirus zu tun. An Seen könnte in der Krisenzeit vorgeschrieben werden, dass es einen Abstand zwischen den Fischern geben muss. Das würde für uns als Fischereiverband auch in Ordnung gehen, da es auch bisher schon üblich war, dass die Fischer Abstand zueinander halten, um sich eben nicht gegenseitig zu behindern.

„D“: Wie ist eigentlich die Stimmung in den Fischervereinen und bei den Bewirtschaftern?

Heiss: Die Stimmung ist sehr schlecht, weil der März und der April zur besten Zeit in der Fischerei gehören, da es in diesen Monaten erst wenig Schmelzwasser gibt. Und logischerweise haben viele Leute Jahreskarten gekauft und können nicht fischen, was ebenfalls unter den Nägeln brennt. Darüber hinaus müssen viele der Bewirtschafter von Gewässern Pacht zahlen, können aber keine Tageskarten verkaufen. Der Hauptgrund für die schlechte Stimmung in Fischerkreisen ist aber zweifelsohne, dass die Fischerei nicht erlaubt ist, obwohl von dieser Aktivität keine Gefahren ausgehen. Das ist völlig unverständlich.

Interview: Florian Mair

stol

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