Italienweit wurden bisher noch nie die Bunker an der italienischen Alpengrenze untersucht. Nun zeigt ein Forschungsprojekt den Hintergrund der Bauten. Ein Grund dafür war das Misstrauen Mussolinis gegenüber seinem Bündnispartner Hitler.<BR /><BR />Der Vallo Alpino ist ein militärisches Verteidigungssystem aus der Zeit des Faschismus mit Tausenden von Bunkern entlang der italienischen Alpengrenze vom Ligurischen Meer bis zur Adria. Die Geschichte der vielen Bauwerke in Südtirol, wie und von wem sie errichtet wurden und wozu sie dienten, präsentiert das Landesmuseum Festung Franzensfeste im nun abgeschlossenen, ersten Forschungsprojekt zu diesem Thema in Italien.<h3> Bau von 800 Bunkern in Südtirol geplant</h3><BR /> Der Verteidigungsapparat Vallo Alpino sah allein in Südtirol den Bau von fast 800 Bunkern vor. Davon wurden etwas mehr als 300 im Rohbau fertiggestellt, weitere 150 blieben als Baustellen zurück. Benito Mussolini hatte die Anlagen in den 1930er- und 1940er-Jahren bauen lassen, da er seinem Verbündeten Adolf Hitler misstraute. Deshalb nannte der Volksmund den Vallo Alpino spöttisch „Linea non mi fido“ (Linie, der ich nicht vertraue).<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="979651_image" /></div> <BR />Doch wer waren die Menschen, die die Schutzbauten errichteten, wie wurden sie bezahlt, wo wurden sie verpflegt und welche Auswirkungen hatte ihre Anwesenheit auf die lokale Bevölkerung? Welche strategische Rolle spielten sie? Wie waren sie ausgestattet, wie wurden sie in Stand gehalten? Und was wäre im Ernstfall passiert?<BR /><BR />Antworten darauf gibt das Forschungsprojekt „Die italienischen Alpenbefestigungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs – der Vallo Alpino Littorio“ unter der Leitung von Festungsmitarbeiterin Esther Erlacher. <h3> Bunkerbestand in Südtirol analysiert</h3>Architekt Heimo Prünster erfasste und analysierte dabei in den vergangenen 4 Jahre den gesamten Bunkerbestand in Südtirol, identifizierte die geplanten und tatsächlich gebauten Bunker und entwickelte eine Visualisierung der Daten in einer frei zugänglichen Online-Karte. Darüber hinaus untersuchte er die Finanzierung und Arbeitsweise des Verteidigungssystems in Südtirol sowie die Rezeption der Bauten durch verschiedene Generationen der Bevölkerung. <BR /><BR />Im Rahmen des Projekts wurden in der Festung auch die Dauerausstellung „Eingebunkert“ verwirklicht und eine internationale Tagung über das faschistische Erbe in den Alpen organisiert. <BR /><BR />Die Ergebnisse des vom Forschungsfonds der Südtiroler Landesmuseen und der Festung Franzensfeste finanzierten Projekts werden auf der Webseite www.valloalpino.info präsentiert. Hier können Interessierte durch die dreidimensionale Bunkerlandschaft navigieren, auf die rot markierten Bunkersymbole zoomen oder klicken, um Details zu sehen, die Zeitleiste am unteren Bildrand bedienen, um die Baugeschichte zu verfolgen oder Satellitenbilder einblenden, um sich besser im Gelände zu orientieren. <h3> Virtuelle Tour durch Bunkeranlagen</h3>Eine virtuelle Tour ermöglicht zudem einen Rundgang durch die Bunkeranlagen von Nord nach Süd durch alle Bunkerlinien. Die Begleitpublikation zur internationalen Konferenz über den Südtiroler Teil des Vallo Alpino, die im Herbst 2021 in der Festung stattfand, kann hier ebenfalls eingesehen werden. Eine eigene öffentliche Präsentation des Projekts mit der Landeskonservatorin Karin Dalla Torre ist anlässlich der Wiedereröffnung der Festung Ende Februar geplant.<BR />www.valloalpino.info<BR />