Wir haben dazu den Osttiroler Infektiologen <b>Dr. Gernot Walder</b> befragt. Und Walder wagt dazu „einen Blick in die Glaskugel“.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1243656_image" /></div> <BR />„Die Grippewelle ist heuer überraschend früh aufgetreten“, berichtet <b>Dr. Astrid Marsoner</b>, Hausärztin in Niederdorf. „Wir hatten Anfang November eine Influenza-Welle und eine weitere Welle Ende November, diese ist jetzt beim Abflachen.“ Die Grippe-Impfung sei heuer sehr gut angenommen worden. Überraschend viele Bürger hätten sich heuer auch gegen Covid impfen lassen. Im Herbst habe es eine Covid-Welle gegeben – aber ohne schwere Verläufe. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1243659_image" /></div> <BR /><BR />Von derzeit mindestens zehn Grippe-Fällen pro Woche berichtet <b>Dr. Eugen Sleiter</b>, Hausarzt in Dorf Tirol, aus seiner Praxis. Auch Sleiter ist überrascht über das frühe Auftreten der Influenza. „Die Patienten fühlen sich sehr schwach: Auch jüngere Patienten, die in die Praxis kommen, haben schwere Beine, Muskel- und Gelenksschmerzen, sind abgeschlagen und sie machen sich Sorgen, weil sie bis jetzt von der Grippe verschont geblieben waren“, erzählt der Hausarzt. Die jeweiligen Tests hätten ergeben, dass es sich stets um den Influenza-Stamm A handelte. Vor vier bis sechs Wochen sei eine Covid-Welle aufgetreten mit leichteren Symptomen: Nasen-Nebenhöhlenentzündung, Halsschmerzen, Kopfschmerzen und nicht sehr hohes Fieber. Die derzeitige Covid-Version könne man von der Grippe recht gut unterscheiden – auch ohne Test. Dr. Sleiter geht davon aus, dass der Höhepunkt der Grippe-Saison heuer in den beiden Wochen um Weihnachten erreicht wird. Eine Grippe-Impfung sei jetzt noch immer sinnvoll – in zwei bis drei Wochen greife dann der Schutz durch die Antikörper. Noch zwei Wochen auf die Grippe-Impfung zu warten wäre hingegen nicht zielführend.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1243662_image" /></div> <BR /><BR />Auch zu <b>Dr. Domenico Bossio</b> in Lana kommen derzeit viele Patienten mit grippeartigen Symptomen. Der Hausarzt geht aber davon aus, dass es sich eher um Covid handelt als um Grippe. Denn die Patienten hatten zwar Fieber – aber nicht hoch. Weiters seien sie extrem schwach und appetitlos gewesen – und Durchfall habe sich auch dazugesellt. Dabei dauerte die Appetitlosigkeit längere Zeit an.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1243665_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Im Raum Brixen haben derzeit hingegen auffällig viele Kinder Durchfall und Erbrechen: Davon weiß <b>Dr. Günther Goller</b>, Kinderarzt in Vahrn, zu berichten. „Die Kinder setzten bis zu zwei Wochen flüssig-schleimige Stühle ab.“ Durch die RSV-Impfung seien bisher deutlich weniger Säuglinge an einer akuten Bronchiolitis erkrankt als noch vor zwei oder drei Jahren – damals sei diese Impfung nicht für alle Säuglinge angeboten worden. „Grippale Infekte sehe ich als Kinderarzt seit rund zwei Wochen. Den Nachweis des Grippevirus Influenza A/B im Nasen- oder Rachenabstich konnte ich bisher aber noch nicht feststellen“, schreibt Dr. Goller.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1243668_image" /></div> <BR /><BR />„Noch keine nachgewiesenen Grippefälle gibt es in Gröden“, schreibt Hausarzt <b>Dr. Simon Kostner</b> via WhatsApp. „Aber mehrere Fälle von Covid den ganzen Herbst, seit August bis jetzt. Insgesamt aber beides noch nicht schlimm“, teilt Dr. Kostner mit.<h3> Infektiologe Walder: „Ko-Infektionen entscheidend“</h3>Infektiologe <b>Dr. Gernot Walder</b> rechnet heuer mit besonders hohen Ansteckungszahlen bei der Grippe.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1243671_image" /></div> <BR /><BR />„Auf der Südhalbkugel hat die Grippesaison heuer bereits sehr früh eingesetzt – teilweise schon im Mai – und in einigen Gebieten ist sie recht heftig verlaufen“, meint Walder. „Dort hat sich das H3N2 als Leitvirus herausgestellt. Dabei gab es aber nicht katastrophal schwerer Verläufe als man im Rahmen der letzten Influenza-Wellen gesehen hat“, weiß der Osttiroler Infektiologe. „Trotzdem kann man aber einen Blick in die Glaskugel werfen. Ich erwarte mir, dass wir heuer eine stärkere Virus-Aktivität als im Durchschnitt der vergangenen Jahre haben werden. Dafür spricht der Verlauf auf der Südhalbkugel – und auch, dass in den vergangenen Jahren die respiratorischen Infekte immer etwas stärker eingeschlagen haben. Ich rechne heuer mit höheren Inzidenzzahlen. Ob die Verläufe schwerer werden, lässt sich nicht voraussagen. Der Mensch ist ein biologisches System – da lässt sich nicht alles rein theoretisch ableiten. Entscheidend wird sein, wieviele Ko-Infektionen wir haben werden – wie weit also bakterielle Infektionen, die teilweise schon auf der Schleimhaut in einem Trägerstatus vorhanden sind, da mitspielen.“ Bei sehr vielen Leuten sei der Rachen mit Bakterien besiedelt – das können beispielsweise Pneumokokken sein oder Haemophilus influenzae, erklärt Dr. Walder.