Dienstag, 03. März 2020

„Die historischen Bauernhöfe sind unser Schatz“

Kunstdenkmäler von europäischer Dimension, Sorgenkind Bauernhöfe, notwendige Sensibilisierungsarbeit und Othmar Barth: Das waren die gemeinsamen Themen, die Abteilungsleiterin für Denkmalpflege Karin Dalla Torre, die Obfrau Claudia Plaikner und Vertreter des Heimatpflegeverbandes bei einem gemeinsamen Treffen besprachen.

Der Oberhof in Geiselsberg ist  nicht mehr bewohnt.
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Der Oberhof in Geiselsberg ist nicht mehr bewohnt. - Foto: © Heimatpflegeverband
Gleichzeitig großer Schatz und Sorgenkind für Heimatpflege und Denkmalschutz sind die vielen wunderbaren historischen Bauernhöfe, die die einzigartige Südtiroler Kulturlandschaft prägen. Insgesamt sind es rund 1600 Bauernhöfe in Südtirol, die unter Denkmalschutz stehen.

Ein Vielfaches davon ist zwar nicht denkmalgeschützt, aber trotzdem kulturhistorisch wertvoll und unbedingt erhaltenswert. Der Großteil der denkmalgeschützten Höfe wird von ihren Eigentümern in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege hervorragend gehegt und gepflegt.

Allzu oft werden aber auch einzigartige Ensembles dem Verfall preisgegeben, meistens aus Unwissen oder mangelnden Ressourcen, vielfach aber auch absichtlich, weil spekuliert wird, dass der Denkmalschutz irgendwann aufgehoben wird und man die Kubatur anderweitig verbauen kann. Es fehlt leider oft das Wissen, dass die Eigentümer zur Erhaltung denkmalgeschützter Gebäude gesetzlich verpflichtet sind.

Verhängen von Zwangsmaßnahmen als allerletzten Ausweg

Beispiele dafür gibt es viele. So zum Beispiel das Ensemble Oberhof in Geiselsberg. Neben einem spätgotischen Haus mit Badestube steht dort auch ein Backofen, ein barockes Kreuz und eine Kapelle in überaus prominenter Lage und ist damit ein einzigartiger Vertreter bäuerlicher Baukultur. Das Haus ist nicht bewohnt und dadurch gefährdet.

Ähnlich geht es dem Knödelfoastner-Hof in Eschenbach/Unterinn. Er ist einer der letzten Bauernhöfe mit Strohdach am Ritten und in ganz Südtirol und ist damit ein einzigartiges Schmuckstück bäuerlicher Baukultur im gesamten Alpenraum. Der gemauerte Einhof mit offenem Giebel und strohgedecktem Satteldach ist ein außergewöhnliches Beispiel für das frühe bäuerliche Wirtschaften im Eisacktal. Auch der Knödelfoastner-Hof steht kurz vor dem Verfall und benötigt dringende Erhaltungsmaßnahmen.

Die Direktorin der Abteilung Denkmalpflege hat in Dringlichkeitsfällen die Möglichkeit, Erhaltungsmaßnahmen wie zum Beispiel eine Noteindeckung zu beauftragen, die Kosten muss der Eigentümer der Autonomen Provinz rückerstatten. Bevor es dazu kommt, wird aber immer versucht, die Eigentümer zu überzeugen und die Maßnahme durch einen angemessenen Beitrag tragbar zu machen.

Sensibilisierung und Unterstützung der Eigentümer


Sinnvoller ist – darüber war man sich im Gespräch einig – die Sensibilisierung der Bevölkerung für die einzigartige bäuerliche Baukultur in Südtirol und die Unterstützung der Eigentümer. Nirgendwo in Europa werden so viele historische Bauernhöfe aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit bewohnt und bearbeitet.

Um das zu erreichen, arbeiten die Denkmalpflege und der Heimatpflegeverband unter anderem an einem Leitfaden zum Denkmalschutz für Eigentümer von denkmalgeschützten und anderen wertvollen Objekten. Darin werden Informationen gesammelt, wie eine Unterschutzstellung abläuft und wie man bei der Sanierung und Erhaltung der Gebäude vorgehen muss und vor allem auch, für welche Maßnahmen man um Beiträge ansuchen kann.

Lobby für die Kulturgüter: der Denkmalbeirat


Eine zentrale Rolle spielt die finanzielle Unterstützung für die Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude durch Beiträge an die Eigentümer. Dem hat auch die Landesregierung Rechnung getragen und dem Denkmalschutz für die kommenden 3 Jahre ein Budget zugewiesen, das es erlaubt, für die Erhaltung der Kulturgüter zu sorgen.

Ein wichtiges Werkzeug der Lobbyarbeit für den Denkmalschutz wird dagegen voraussichtlich schon bald umgesetzt. Stimmt der Landtag auf Vorschlag der Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer der Gesetzesänderung zu, wird schon bald ein Denkmalbeirat – in dem auch Heimatpfleger vertreten sein werden – eingesetzt, um die Landesrätin bei allen relevanten Fragen der Kulturgüter zu beraten.

Kleinode in den Dorfzentren: die unverbauten Kirchhügel


Doch nicht nur die Bauernhöfe sind ein schwieriges Feld. Ein wichtiges aber auch problematisches Thema sind die vielen wunderbaren Kirchhügel im Land, die vielfach nicht direkt unter Denkmalschutz stehen, aber trotzdem ein einzigartiges Ensemble darstellen.

Ein Beispiel dafür ist der Kirchhügel in Prettau, der ein einzigartiges unverbautes Kleinod darstellt. Hier ist der Druck, neues Bauland zu schaffen, groß, ein politisch gestützter wirksamer Ensembleschutz und ein indirekter Denkmalschutz im Sinne einer Bannzone wären hier dringend notwendig.

Ein Kunstdenkmal von „europäischer Dimension“: der „Trinkturm mit Loggia“ in Tramin


Ein ganz besonderes Anliegen ist Abteilungsleiterin Karin Dalla Torre und Obfrau Claudia Plaikner der „Trinkturm mit Loggia“ im Langmantelhaus in Tramin. Mit seinen Fresken des Künstlers Bartlmä Dill Riemenschneider ist er ein im gesamten Alpenraum einzigartiges Kulturgut.

Die wunderbaren und trotz des allgemein schlechten Zustands des Gebäudes noch sehr gut erhaltenen profanen Malereien des berühmten frühneuzeitlichen Malers sind wohl eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Tramins. Mit großem Einsatz versucht die Abteilung Denkmalpflege mit Unterstützung der Heimatpfleger und im Dialog mit der Gemeinde die Erhaltung des Trinkturms und seine Zugänglichkeit zu sichern. Es wäre schön, wenn dieses Kunstdenkmal „von europäischer Dimension“ schon bald von allen Interessierten besichtigt werden könnte.

Auch zeitgenössische Architektur

Besprochen wurde bei diesem Treffen im Ansitz Rottenbuch nicht nur die bäuerliche Architektur. Das Jahr 2020 ist in der Denkmalpflege dem bedeutenden Architekten Othmar Barth gewidmet, dessen Archiv von Modellen und Plänen die Autonome Provinz für das Landesarchiv erworben hat.

Die Abteilung Denkmalpflege, das Landesarchiv, das Museum in der Hofburg, die Cusanusakademie und der Heimatpflegeverband werden zusammenarbeiten, um sein Werk angemessen zur würdigen. Ausstelllungen, Führungen in seinen Bauten und eine Tagung sind geplant.

stol